München - Die schwedische Presse lässt vor dem Duell mit England nichts unversucht und kapert kurzerhand den "Big Ben". Neueste Forschungsergebnisse attestieren der Freistoßzeremonie von Cristiano Ronaldo eine beachtliche Wirkung auf die Gegenspieler, ein ukrainischer Politiker erlaubt sich einen Promille-Fehltritt im Regierunsgebäude - und der VfL Wolfsburg ist der erfolgreichste Verein des Turniers. Derweil muss die DFB-Elf den Trainingsplatz kurzristig wechseln. bundesliga.de präsentiert die EM-Splitter vom Freitag.

Die schwedische Boulevardzeitung "Expressen" hat mit einem aufsehenerregenden PR-Coup in England für Wirbel gesorgt. Am Abend vor dem Duell der "Tre Kronor" mit den "Three Lions" am Freitag projizierte das Blatt ein überlebensgroßes Bild von Kapitän Zlatan Ibrahimovic auf den "Big Ben", eines der weltberühmten Wahrzeichen von London.

Zahlreiche Passanten blieben ungläubig stehen und bestaunten "Ibra" im gelben Trikot mit dem Aufdruck "Heja Sverige". Die Zeitung wollte nach eigenen Angaben klarstellen: "Der 'Big Ben' ist groß - aber Zlatan ist größer!"

+++Löw und der Balljunge nicht live+++



Wiederholungen im deutschen Fernsehen haben eine lange Tradition, aber selbst bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist nicht alles live, was angeblich live gesendet wird. Diese Erfahrung musste Bundestrainer Joachim Löw nach dem 2:1-Sieg im ukrainischen Charkiw am Mittwoch gegen die Niederlande machen. Da sorgte sein Spaß mit einem ukrainischen Balljungen für Aufsehen. Allerdings war alles nur eine Aufzeichnung und in die Live-Weltbilder des Spiels geschnitten worden.

Der Bundestrainer war scheinbar in der 22. Minute an der Seitenlinie auf einen ukrainischen Balljungen zugegangen und hatte diesem den Ball aus dem Arm gespitzelt. Als der Junge etwas verdutzt guckte, gab es einen freundschaftlichen Klaps von Löw auf die Schulter und den Ball per Hacke zurück. Anschließend konzentrierte sich der DFB-Coach wieder auf das Spiel und durfte später die Führung durch Mario Gomez bejubeln. Soweit der Eindruck des TV-Zuschauers.

"War das nicht vor dem Spiel?", fragte Löw nach dem Spiel im "ZDF-Interview" ein wenig irritiert, als er mit der Szene konfrontiert wurde. In der Tat war die Szene vor dem Anpfiff aufgezeichnet worden. Die UEFA bestätigte, dass "die Szene mit Joachim Löw und dem Balljungen vor dem Spiel stattgefunden" hat. Es sei eine international übliche Praxis, dass bei Liveübertragungen solche Szenen als Wiederholungen eingespielt würden.

+++Ronaldo zeigt keine Show, sondern Dominanzverhalten+++



Es gehört nicht viel dazu, Cristiano Ronaldo für einen eitlen Pfau zu halten. Allein schon diese Pose beim Freistoß: Breitbeinig steht er da, drückt die Arme seitlich nach unten durch - er sieht aus, als hole er jede Sekunde einen Colt aus dem Halfter. Die Frisur sitzt - selbstverständlich, und zugleich spannt das Trikot über dem Oberkörper, damit auch ja jeder mitbekommt, wie perfekt durchgestylt die Brustmuskulatur ist.

Die Studie "Nonverbales Verhalten im Fußball" besagt aber: Das Gehabe des Superstars ist in Wahrheit dominantes Verhalten - und damit dem Erfolg zuträglich. Prof. Dr. Daniel Memmert, Dr. M. S. Matt Dicks und Philip Furley haben erstmals den Einfluss von körpersprachlichen Signalen beim Fußball untersucht - und sie kommen zu beeindruckenden Ergebnissen.

"Es ist tatsächlich so, dass es einen großen Unterschied macht, ob der Schütze die Brust rausstreckt und den Kopf sowie die Schultern hebt", erklärte Memmert, "denn damit signalisiert der Spieler Stärke." Diese dominante Ausstrahlung erzeugt unterwürfiges Verhalten beim Gegenüber. "Das ist ein unterbewusster, aber ein ganz ganz starker Effekt."

+++Torhungrige "Wölfe"+++



Der VfL Wolfsburg ist die bisher erfolgreichste Mannschaft der EM. Vier Tore haben Spieler der "Wölfe" bei der Endrunde in Polen und der Ukraine in den ersten 14 Spielen erzielt - verteilt auf den Kroaten Mario Mandzukic (drei) und den Tschechen Petr Jiracek (eins). Kein Verein weist einen besseren Wert auf.

Damit stechen die Niedersachsen auch den FC Bayern München aus, der mit drei Toren (alle von Mario Gomez) gemeinsam mit Manchester City und ZSKA Moskau auf dem 2. Platz liegt. Der VfL hat zudem noch zwei Tore "in Aussicht" - denn der Tscheche Vaclav Pilar, derzeit bei Viktoria Pilsen, wird in der kommenden Saison ebenfalls für die Mannschaft von Trainer Felix Magath spielen.

+++Ministerpräsident löst Wette ein - und erntet Kritik+++



Er wollte Volksnähe und Gastfreundschaft zeigen, am Ende hatte der ukrainische Ministerpräsident Mikola Asarow eine Anzeige und eine Menge Ärger am Hals. Einem schwedischen Fan hatte der gebürtige Russe ein Bier versprochen, falls die Ukraine Schweden zum EM-Auftakt schlagen würde. Nach der 1:2-Niederlage seines Teams erschien der Skandinavier prompt zur Einlösung des Versprechens im Regierungsgebäude, ein Fotograf hielt fest, wie er und der mit einem Ukraine-Schal bekleidete Politiker anstießen. Die Opposition lief Sturm.

Der ehemalige Vize-Ministerpräsident Mikola Tomenko forderte die Polizei auf, von Asarow umgehend die fälligen 8,50 Euro Strafe einzukassieren. Diese steht auf den Konsum von Alkohol, selbst niedrigprozentigem, in öffentlichen Gebäuden: "Es ist beschämend und inakzeptabel, wenn der Regierungschef gegen das Gesetz und die Prinzipien von Moral verstößt, indem er während der Arbeitszeit Alkohol in Regierungsgebäude konsumiert."

+++DFB-Team zum Umzug gezwungen+++



Die deutsche Nationalmannschaft muss ihre Pläne für Samstag ändern. Die Europäische Fußball-Union UEFA sperrte einen Tag vor der Abreise des DFB-Teams in die Ukraine nach Lwiw, wo am Sonntag das dritte und letzte EM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark auf dem Programm steht, die Arena für das dort vorgesehene Abschlusstraining, um den Rasen zu schonen. Stattdessen wurde der deutschen Mannschaft ein weit von ihrem Quartier entfernter Trainingsplatz zugewiesen.

Aus logistischen Gründen musste der DFB deshalb auch die Besetzung für die offizielle Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel im Medienraum der Arena Lwiw ändern. Eigentlich sollten Bundestrainer Joachim Löw und Kapitän Philipp Lahm eine halbe Stunde vor dem Trainingsstart den Journalisten Rede und Antwort stehen. Da dies durch die veränderten Gegebenheiten nicht möglich ist, werden nun Teammanager Oliver Bierhoff und der gesperrte Jerome Boateng bei der Pressekonferenz präsent sein.

+++Keane hat die Nase voll+++



Die irischen Fans haben mit ihren friedlich-fröhlichen Feiern bei der EM die Herzen der Menschen erobert, doch ausgerechnet Legende Roy Keane sind die grünen Partys nach Niederlagen ein Dorn im Auge. "Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben", kritisierte der Ex-Nationalspieler.

Trotz der 0:4-Niederlage gegen Welt- und Europameister Spanien sowie dem vorzeitigen Vorrunden-K.o. hatten zehntausende irischer Fans im Danziger Stadion nach dem Anpfiff noch minutenlang ihr Team und sich selbst gefeiert. Nationaltrainer Giovanni Trapattoni war überwältigt: "Unsere Fans standen immer hinter uns. Das dürfen die Spieler und ich nie vergessen."