Es sind die kleinen Erfolgserlebnisse, die Vedad Ibisevic zurzeit Freude bereiten.

"Am meisten habe ich mich darüber gefreut, als ich zum ersten Mal alleine auf die Toilette gehen konnte", sagte der Top-Torjäger der Bundesliga von 1899 Hoffenheim, der nach seiner Kreuzband-Operation Mitte Januar für sein Comeback schuftet.

Reha in Donaustauf

Der Weg zurück ist beschwerlich, aber Ibisevic klagt nicht. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einen alles stark macht, auch die schweren Zeiten. Ich bin überzeugt, dass man nur als positiv denkender Mensch zum Sieger werden kann", erklärte der 24-Jährige.

Ohnehin ist Ibisevic hart im Nehmen und weiß, wie man Krisen bewältigt. Einst musste er mit seiner Familie vor dem Bosnien-Krieg fliehen. Danach kämpfte er sich auf seiner persönlichen Welt-Tournee in der Schweiz, USA, Frankreich und Deutschland durch - bis an die Spitze der Torjägerliste in der Bundesliga.

Nun kämpft er für seine Rückkehr auf den Fußball-Platz. Dazu ist Ibisevic nach Donaustauf zum Physiotherapeuten der deutschen Nationalmannschaft, Klaus Eder, gereist. "Immer nur zuschauen, wie die Jungs auf dem Platz trainieren und du quälst dich allein, tut doch sehr weh", begründete Ibisevic den "Tapetenwechsel".

"Ich bleibe definitiv in Hoffenheim"

Mut machen Ibisevic die Fortschritte. Vor einem Monat konnte er die Krücken in die Ecke stellen. Inzwischen kann er das Knie wieder belasten und alleine Auto fahren. "Mir war von Anfang an klar, dass meine Verletzung eine lange Pause bedeutet, aber deshalb jammere ich nicht rum", sagte Ibisevic.

Zwar wird Ibisevic, der sich das Kreuzband beim 0:2 in einem Testspiel gegen den Hamburger SV im spanischen La Manga riss, in Hoffenheim schmerzlich vermisst, doch unter Druck setzt sich der Stürmer nicht. Voll angreifen will der Ex-Stürmer von Alemannia Aachen wieder bei der Vorbereitung auf die neue Saison - und dann definitiv in Hoffenheim. Denn einen Wechsel schloss Ibisevic trotz zahlreicher Anfragen kategorisch aus.

"Die Anfragen anderer Clubs machen mich ein bisschen stolz. Aber ich bleibe definitiv in Hoffenheim", erklärte der Torjäger.

Nur die Gesundheit zählt

Dass für Ibisevic nach einer fulminanten Hinrunde mit 18 Toren in 17 Spielen der Traum vom Torschützenkönig durch die Verletzung zerplatzt ist und er bald die Führung in der Torjägerliste abgeben muss, ist für den Angreifer kein Problem.

"Das ist mir egal", sagte Ibisevic, der zwischenzeitlich sogar den Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 mit sagenhaften 40 Treffern im Visier hatte: "Für mich zählt nur, dass ich wieder hundertprozentig gesund werde."