Ob sich Vedad Ibisevic seinen Traum von einer zweiten Karriere als Schauspieler noch erfüllen wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich.

Sicher ist dagegen, dass der Torjäger von Bundesligist 1899 Hoffenheim momentan seinem Idol Vin Diesel nacheifert und es auf dem Platz ebenso krachen lässt wie der Action-Star in seinen Filmen. Mit sechs Treffern liegt der Bosnier gemeinsam mit Nationalspieler Patrick Helmes von Bayer Leverkusen an der Spitze der Torjägerliste und sorgt damit sogar beim eigenen Trainer für Verwunderung.

"Wie ein Neuzugang"

"Vedad ist für uns wie ein Neuzugang. Wir wussten natürlich schon, als wir ihn geholt haben, dass er ein guter Junge ist. Aber es ist schon fast unglaublich, in welcher Form er in den letzten Wochen spielt. Er strotzt momentan vor Selbstvertrauen und zeigt eine tolle Konstanz", sagte Ralf Rangnick über seinen Stürmer, den er im Juni 2007 von Alemannia Aachen zum damaligen Zweitligisten geholt hat.

Dabei sah es nach dem Wechsel von Ibisevic in den Kraichgau zunächst nicht nach einer Liebesbeziehung zwischen dem 24-Jährigen und seinem Coach aus.

Da die Hoffenheimer damals den Saisonstart verpatzten holte Rangnick in Demba Ba (23) sowie Chinedu Obasi (22) zwei weitere Stürmer. Ibisevic musste anschließend mit einem Platz auf der Reservebank vorlieb nehmen.

Hilfe für die Konkurrenten

Doch ausgerechnet in dieser Situation zeigte der Angreifer seine Charakterstärke, die ihm große Sympathien innerhalb der Mannschaft einbrachte. Anstatt auf Konfrontationskurs mit den neuen Konkurrenten zu gehen, half Ibisevic den beiden Afrikanern aus dem Senegal und Nigeria bei der Integration im neuen Umfeld.

"Für mich war das selbstverständlich. Ich hätte bei meinen Wechsel zu anderen Clubs auch gerne jemanden gehabt, der mir geholfen hätte", sagte der bosnische Nationalspieler, dessen bisheriger Lebensweg als Erklärung für seine selbstlose Einstellung dienen kann.

"Champions-League-Sieger mit Hoffenheim"

Der aus der Kleinstadt Vlasenica bei Sarajevo stammende Ibisevic floh als Kind mit seiner Familie vor dem damals tobenden Balkankrieg über die Schweiz in die USA. In einem College-Team von St. Louis wurde der Stürmer von europäischen Scouts entdeckt. Über Paris St. Germain und Dijon FCO kam Ibisevic dann nach Aachen und schließlich nach Hoffenheim.

Dort will Ibisevic auch in den kommenden Monaten für Furore sorgen. "Ich bin froh, dass es so läuft. Ich werde einfach weiter arbeiten wie bisher", erklärte der Angreifer, der sich noch einen ganz großen sportlichen Traum erfüllen möchte: "Vielleicht einmal Champions-League-Sieger mit Hoffenheim werden."