München - Der EM-Start steht vor der Tür und obwohl Polen mit seinem Spiel gegen Griechenland am Freitag das Turnier eröffnet, blickt alles auf die "Todesgruppe" B, in der sich die Niederlande, Portugal, Dänemark und Deutschland gegenüberstehen. Während man sich hierzulande der Berichterstattung über die deutsche Nationalmannschaft kaum entziehen kann, herrscht in Sachen Gegner noch etwas Nachholbedarf.

Wie sieht es aus bei Oranje, Danish Dynamite sowie der Seleccao? Wieso schaut Portugals Trainer Paulo Bento sorgenvoll auf sein Team? Warum ist Klaas-Jan Huntelaar vom FC Schalke 04 bei der Elftal alles andere als zufrieden? Und wieso lässt Morten Olsen im Lager der Dänen die Türen knallen? bundesliga.de blickt in die Lager der drei deutschen Kontrahenten.

Portugal vermisst einen Vollstrecker



Portugals Trainer Bento steht vor einer Herkulesaufgabe. Der 42-Jährige ist davon überzeugt, dass sein Superstar Cristiano Ronaldo nur innerhalb eines funktionierenden Teams seine volle Kraft entfalten kann. Doch in der unmittelbaren EM-Vorbereitung (1:3 gegen die Türkei, 0:0 gegen Mazedonien) war die Mannschaft nicht gut genug, um Ronaldo und ihren zweiten Star Nani glänzen zu lassen. Die beiden Hochbegabten von Real Madrid und Manchester United schienen sämtliche portugiesische Kreativität auf sich zu vereinen. Allen anderen Stützen des Teams mangelte es an spielerischer Klasse.

Die Probleme beginnen schon in der Innenverteidigung. Ronaldos Real-kollege Pepe und Bruno Alves von Zenit St. Petersburg sind furchteinflößende Zweikämpfer. Eine schnelle, präzise und intelligente Spieleröffnung gehört nicht zu ihren Stärken. An ähnliche Grenzen stoßen die Mittelfeld-Stützen Raul Meireles vom Champions-League-Sieger FC Chelsea und Joao Moutinho vom FC Porto. Sie sind dynamische Arbeiter, zu genialen Pässen in Räume und Schnittstellen sind sie kaum in der Lage.

Zudem gibt es keinen Vollstrecker in der Sturmspitze, wenn Ronaldo (links) und Nani (rechts) einmal nicht selbst den Torabschluss suchen. Die Torquoten der beiden Kandidaten für die Angriffsmitte sprechen Bände. Der Ex-Bremer Hugo Almeida, mittlerweile für Besiktas Istanbul aktiv, traf in 42 Länderspielen 15 Mal. Helder Postiga (Real Saragossa) erzielte in 49 Partien 19 Tore.

Huntelaar ist schlecht drauf - Robben macht Späßchen



Dem Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar war die schlechte Laune auch nach dem ersten Training in Polen anzumerken. Während der zuletzt so deprimierte Arjen Robben wenige Meter entfernt Späße mit Rafael van der Vaart machte, haderte der Schalker Profi noch immer mit seiner Verbannung auf die Ersatzbank des deutschen EM-Gruppengegners.

"Bert van Marwijk hat sich entschieden, das muss ich akzeptieren. Ansonsten ist alles gesagt", sagte Huntelaar im strömenden Regen von Krakau. Wie er mit der Rolle als zweite Wahl hinter Robin van Persie umgehe? "Viel trainieren." Wie die Stimmung im Team sei? "Okay, wir arbeiten auf Samstag hin." Warum Kollege Robben so gut drauf sei? "Er ist mit seinen Freunden hier." Es waren einsilbige Antworten, die Huntelaars Gemütslage verrieten.

Zumindest Robben scheint seinen verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea dagegen verdaut zu haben. Der Bayern-Star trainierte trotz des schlechten Wetters 50 Minuten lang mit einem Lächeln auf dem Gesicht, kniff seinem Kollegen van der Vaart immer wieder in die Seite und trabte schließlich gut gelaunt in die Kabine. Wortlos, aber mit einem Lächeln.

Dänemark glaubt an das Unmögliche



In der "Todesgruppe" zeigen die Dänen keine Angst. "Wir wollen Dänemark stolz machen", sagte Stürmerstar Nicklas Bendtner der Boulevardzeitung "Ekstrabladet": "Ich hoffe, wir machen vier, fünf oder sechs Spiele." Den steinigen Weg zum vierten Spiel, dem Viertelfinale, hatte Olsen direkt nach der Gruppenauslosung als "Alptraum" bezeichnet: Deutschland, Portugal und die Niederlande stehen dem Europameister von 1992 im Weg.

"Das sind auch nur Menschen wie wir", sagte Rekord-Feldspieler Dennis Rommedahl vor dem Auftaktspiel gegen die Niederlande am 9. Juni in Charkow gelassen: "Wenn wir einen guten Tag haben, können wir sie schlagen, und die müssen auch einen guten Tag haben, um uns zu schlagen." Wie beim sensationellen Triumph vor 20 Jahren "vom Campingplatz weg" (Olsen) setzt der Underdog auf Teamgeist und Geschlossenheit. Dafür schottet sich "Danish Dynamite" in den Tagen vor den Spielen ab. Geheimtraining. "Morten knallt die Tür zu", titeln die Medien.