Köln - Der Hamburger SV hat sich nach dem verdienten 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Köln ins gesicherte Mittelfeld der Bundesliga vorgearbeitet und das Kapitel Abstiegskampf vorerst geschlossen. Mit einem Erfolg gegen den SV Werder Bremen im Nordderby am kommenden Samstag könnten die Hanseaten vielleicht sogar noch einmal die internationalen Ränge in den Fokus rücken.

So schnell geht das in dieser Saison. Nach der 1:5-Heimklatsche beim Rückrundenauftakt gegen Borussia Dortmund hatte sich der HSV auf eine zähe Rückrunde und einen lange anhalten Abstiegskampf eingerichtet. Nur drei Spiele später und sieben Punkte mehr auf der Habenseite scheint das internationale Geschäft nicht mehr völlig ausgeschlossen zu sein.

Hertha-Spiel als Wendepunkt

"Wir haben aus dem Dortmund-Spiel unsere Lehren gezogen", sagte Marcell Jansen nach dem . "Der größte Knackpunkt war das Hertha-Spiel. Der Sieg hat uns richtig Schwung gegeben. Wir wollen nicht unten rumgurken, sondern künftig Spaß haben, Gas geben und uns belohnen."

Mit dem Erfolg in Berlin besiegten die Norddeutschen nicht nur einen Gegner der unteren Tabellenhälfte, sondern auch die eigenen Zweifel. Der HSV gab die richtige Antwort auf die erste Niederlage unter Trainer Thorsten Fink.

Europa rückt immer näher

Inzwischen ist der Coach seit zwölf Spielen im Amt. Vier Siege gab es, sieben Unentschieden und nur eine Niederlage. Auswärts ist der HSV seit sieben Spielen unbesiegt. 15 Punkte sammelten die Hanseaten in der Fremde, eine Bilanz die internationalen Ansprüchen genügen würde.

Die Fortschritte sind nicht zu übersehen. "In der Hinrunde hätten wir Spiele wie in Berlin oder Köln noch unentschieden gespielt", meinte Stürmer Mladen Petric. "Jetzt gewinnen wir sie." Mit 26 Punkten auf dem Konto haben die Hamburger nun acht Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang 16, aber nur noch fünf Rückstand auf Platz 6, der zum Einzug in die Europa League berechtigen würde.

Gelingt dem HSV gegen Bremen ein weiterer "Dreier", würde sich der "Bundesliga-Dino" tatsächlich in den erweiterten Kreis der Europa-League-Kandidaten spielen.

"Wollen uns nach oben arbeiten"

"Insgeheim hat man ja immer gehofft, man will ja international spielen", sagt Kapitän Heiko Westermann, der wie der Club höhere Ambitionen gehegt hatte als den reinen sportlichen Überlebenskampf. "Wir hatten ein sehr schwieriges Halbjahr hinter uns. Wir wissen, wo wir herkommen. Aber jetzt wollen wir uns weiter nach oben arbeiten. Aber alles mit Geduld."

Der HSV ist auf einem guten Weg. Seit dem Horrorstart mit nur einem Punkt aus den ersten sechs Spielen und der Entlassung des damaligen Trainer Michael Oenning kassierten die Hamburger in 15 Spielen nur noch zwei Niederlagen, daheim gegen die Topteams Schalke und Dortmund. Überhaupt hat der HSV sechs seiner sieben Niederlagen gegen Teams aus der aktuellen Top-5 der Bundesliga hinnehmen müssen.

Das spricht dafür, dass die Mannschaft viel zu gut für Abstiegskampf ist, mit den Topteams aber noch nicht ganz mithalten kann. Immerhin trotzte der HSV dem FC Bayern am 20. Spieltag ein Remis ab, das durch den Sieg in Köln "noch mehr an Bedeutung gewonnen hat", wie Petric findet.

Defensiv-Allrounder ist zurück

Eine wichtige Rolle im Erfolgsteam der letzten Wochen nimmt der reaktivierte David Jarolim im defensiven Mittelfeld ein. In den letzten drei Partien gehörte der 32 Jahre alte Tscheche nach längerer Abstinenz wieder zur Startelf. In Köln glänzte er als Ballverteiler mit Übersicht und als starker Zweikämpfer.

"Es ist schön, wenn man wieder spielen darf", freute sich Jarolim in Köln bescheiden. "Wir können jetzt mit einem Auge nach oben schauen." Geht die Erfolgsserie weiter, werden es bald beide Augen sein...

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski