Bremen - Noch lange nach dem Abpfiff feierten die Fans des SV Werder Bremen ihren Liebling mit "Hugo, Hugo"-Sprechchören. Minutenlang musste Doppeltorschütze Hugo Almeida vor der Baustelle in der Ostkurve mit den Anhängern die Welle zelebrieren.

Schließlich hatte der Portugiese in Werders Diensten mit seinen beiden Treffern nicht irgendein Spiel entschieden, sondern die 93. Auflage des Nordderbys gegen den Erzrivalen Hamburger SV, das die "Grün-Weißen" 3:2 gewannen. Und nach den zwei Pleiten gegen die Himmelstürmer aus Mainz (0:2) und im kleinen Nordderby bei Hannover 96 (1:4) verhinderte er damit einen weiteren Absturz der Bremer.

Almeida: "Ein tolles Gefühl"

Nach dem Eigentor durch Guy Demel, der eine Flanke von Marko Marin unhaltbar abgefälscht hatte (26.), besorgte Almeida nur zwei Minuten später mit einem herrlichen Kopfball aus zwölf Metern das 2:0 für die Gastgeber, Aaron Hunt hatte die Freistoßflanke geschlagen.

Und als durch den Doppelschlag des HSV durch Ruud van Nistelrooy (59.) und Jonathan Pitroipa (63.) das Spiel auf der Kippe stand, schlug der bullige Stürmer in der 85. Minute erneut zu: Die harte Hereingabe des Brasilianers Wesley wuchtete er aus kurzer Distanz zum 3:2-Siegtreffer unter die Latte.

"Ein tolles Gefühl, das Nordderby gewonnen zu haben", sagte Almeida nach dem Spiel mit einem breiten Lächeln. Die Journalisten hatten ihn zum "Man of the Match" gewählt, er gab die Komplimente artig weiter: "Ich bin froh, dass ich dem Team helfen konnte. Die Tore waren nicht so entscheidend."

Aufwärtstrend und mannschaftsdienliches Spiel

"Hugoal" als Matchwinner - dabei war die Zukunft des WM-Teilnehmers vor der Saison in Bremen alles andere als sicher. Die Verantwortlichen hoben immer wieder das enorme Potenzial des Angreifers hervor, kritisierten aber auch gleichzeitig die fehlende Konstanz: Ab und an Weltklasse, aber auch sehr oft Mitläufer ohne Durchschlagskraft.

Geschäftsführer Klaus Allofs und Chefcoach Thomas Schaaf warteten auf den nächsten Schritt in seiner Entwicklung. Hinzu kamen immer wieder Blessuren, die Almeida oft zurückwarfen. Insgesamt acht mehr oder weniger ernsthafte Verletzungen in den drei Jahren an der Weser.

Aber in der aktuellen Saison präsentiert sich der Linksfuß engagierter und mannschaftsdienlicher. Auch die Zahlen sprechen für ihn: Der "Doppelpack" gegen Hamburg waren bereits seine Saisontore zwei und drei. Insgesamt hat er jetzt in 110 Ligaspielen 35 Treffer erzielt. Und auch im ersten Spiel der Champions-League-Gruppenphase gegen die Tottenham Hotspurs war er erfolgreich, sein Treffer zum 1:2 läutete die Aufholjagd ein, die Marko Marin mit dem 2:2 abschloss.

Duell gegen Inter steht bevor

Am kommenden Mittwoch steht für Werder beim Titelverteidiger Inter Mailand das nun nächste Spiel in der "Königsklasse" an. Almeida hofft auf eine Wiederholung der Leistung gegen Hamburg: "Wir haben jetzt die Negativ-Serie durchbrochen."

Auch Kapitän Torsten Frings versprühte nach dem Sieg gegen den ewigen Rivalen Optimismus für die nächste Aufgabe: "Inter ist der Topfavorit, aber gegen solche Gegner haben wir immer gut ausgesehen."

Die letzte Partie gegen den italienischen Serienmeister datiert vom 9. Dezember 2008. Da gewannen die Bremer zum Abschluss der Gruppenphase 2:1. Almeida fehlte damals übrigens wegen Rückenproblemen.

Von Oliver Bülow