Emotionen statt Besinnlichkeit und Derbyfieber statt Adventstee: Wenn der Hamburger SV am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) seinen Erzrivalen Werder Bremen zum ewigen Nordduell der Bundesliga empfängt, geht es um mehr als nur drei Punkte oder einen erfolgreichen Jahresabschluss.

Zu tief sitzt beim HSV noch immer der Frust über die vier direkten Duelle zum Ende der vergangenen Saison. Werder beförderte die Hamburger damals binnen 19 Tagen nacheinander aus DFB-Pokal und UEFA-Cup und beendete zudem die Meisterträume an der Elbe.

"Immer besondere Partien"

"Den DFB-Pokal und den UEFA-Cup kann man nicht zurückholen. Daher kann es keine Revanche sein. Aber die Vorgeschichte spielt natürlich noch eine Rolle", sagt HSV-Trainer Bruno Labbadia, der in der vergangenen Saison noch bei Bayer Leverkusen auf der Bank saß, in seiner aktiven Karriere aber für beide Nordrivalen aufgelaufen war: "Wenn man so ein Spiel gewinnt, ist es immer ein gutes Gefühl. Ein Derby ist immer ein Zuckerle."

Ganz große Kampfansagen aus beiden Lagern blieben im Vorfeld der Partie jedoch aus - wohl auch, um die Stimmung nicht noch weiter anzuheizen. "Solange alles sportlich bliebt, sind Derbys doch gut für uns alle", meint Werder-Coach Thomas Schaaf: "Dass es immer ganz besondere Partien sind, hat die vergangene Saison gezeigt."

Nur der Sieger hält Anschluss an die Spitze

Aus Sicht des HSV ist am Sonntag der Zeitpunkt für die Revanche gekommen. Zumal auch die Tabellenkonstellation Brisanz in sich birgt. Beide Klubs liegen mit jeweils 28 Punkten gleichauf. Nur der Sieger hält unmittelbaren Kontakt nach oben. "Es wäre schön, wenn wir mit einem Sieg in die Winterpause gehen könnten. Dann hätten wir trotz der schwierigen Personalsituation eine gute Punktzahl erreicht", sagt Labbadia: "Zudem könnte die gute Stimmung dann in der Vorbereitung helfen."

Die Generalprobe verlief für die Hamburger allerdings nicht gerade erfreulich. Während Werder am Mittwoch in der Europa League mit 3:0 bei Athletic Bilbao gewann, unterlag der HSV am Donnerstag mit einer B-Elf bei Hapoel Tel Aviv mit 0:1. Doch selbst für die Bremer scheint dies kein Gradmesser. "Auch wenn wir zuletzt gut in Hamburg aussahen, ist der HSV für mich leichter Favorit", meint Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.