Finkenberg/Österreich - Hamburgs neuer Sportdirektor Frank Arnesen dürfte sich ein bisschen in alte Zeiten auf der Insel zurückversetzt gefühlt haben. Da stand ihm doch auf dem Weg auf das Trainingsgelände des SK Hippach Steven Gerrard vom FC Liverpool im Weg. Zwar nicht leibhaftig, aber ein kleiner Junge trug ein Trikot des Kapitäns der "Reds" und versperrte den Weg.

Arnesen legte ihm leicht die Hand auf die Schulter und machte ihm mit einem Lächeln darauf aufmerksam, dass er das falsche Trikot trage. Der kleine Steppke guckte leicht beschämt und Arnesen setzte seinen Weg auf den Trainingsplatz des HSV fort.

Lockere Stimmung

Rein sportlich hatte diese Begegnung vielleicht keine direkte Auswirkung auf die kommende Saison der "Rothosen". Aber sie zeigte, wie locker und entspannt es dieser Tage beim Bundesliga-Dino zugeht.

Dabei war es das leicht verkühlte Klima innerhalb der Mannschaft, dass nicht nur von den Spielern sondern auch direkt vom Trainer als einer der Gründe für das magere Abschneiden 2010/11 ausgemacht wurde.

"Alle helfen sich"

Trainer Michael Oenning hat im Trainingslager im Zillertal eine große Veränderung wahrgenommen. "Der Gewinner der Vorbereitung ist die Mannschaft. Alle helfen sich untereinander. Gerade für die jungen Spieler ist es dann auch einfach mitzuziehen. Wir liegen ordentlich im Plan", erklärte er.

Heiko Westermann machte den gut 600 mitgereisten HSV-Fans mit einem Anfeuerungsruf während des Trainings deutlich, dass mit den Hanseaten wieder zu rechnen ist. "Wir sind wieder da", schrie er laut heraus, nachdem Dennis Diekmeier für sein Team den Anschluss gegen das gegnerische Quartett um Robert Tesche und Heung-Min Son erzielt hatte.

Son außer sich vor Freude

Und das ist durchaus auf die gesamte Mannschaft zu übertragen. Der Abgang der erfahrenen Rädelsführer Frank Rost, Joris Mathijsen, Ze Roberto oder Ruud van Nistelrooy wirkt vor allem auf die jungen Spieler wie eine Befreiung. Es ist zwar nur die Vorbereitung, aber man merkt deutlich: Sie trauen sich endlich etwas zu.

Dass dabei dann der Spaß nicht auf der Strecke bleiben muss, zeigte das südkoreanische Super-Talent Son. Beim Fünf-gegen-Zwei zum Aufgalopp in die Trainingseinheit freute er sich diebisch über eine lange Serie von Janek Sternberg und Sören Bertram in der Mitte.

Son hüpfte und tanzte auf der Stelle und brachte die Tribünengäste im Stadion des SK Hippach zum Lachen. Und die hatten fast alle die richtigen Farben an, nämlich die des Hamburger SV.

Aus Österreich berichtet Michael Reis