Mönchengladbach - Zwei Spiele, zwei Niederlagen, 0:5 Tore. "Ich denke, der Dämpfer tut uns mal ganz gut. Damit keiner sagt, dass wir in der Bundesliga ganz oben mitspielen wollen. Das geht natürlich nicht", sagte Thorsten Fink nach dem Telekom Cup. Sein Team hat das Vorbereitungsturnier nach Pleiten gegen die Champions-League-Finalisten Bayern und Dortmund torlos auf letzten Platz beendet. Für den Trainer, dessen Team davor positive Testspielergebnisse lieferte, ist dies aber kein Grund zur Sorge.

Fink hält an den hohen Ambitionen des Bundesliga-Dinos fest. "Dass wir kein Tor geschossen haben, ist kein Beinbruch. Wir haben auch bereits gute Spiele gezeigt, in denen wir getroffen haben. Unser Ziel ist ganz klar die Europa League. Das erwarte ich von meiner Mannschaft", so der 45-Jährige.

Europa League "Schwer, aber realistisch"

Als schwer, aber realistisch schätzt er die Aufgabe ein. "Wenn wir schlechte Zeiten gut überstehen und zusammenhalten, dann haben wir die Chance". Ein Vorteil könnte sein, dass die Mannschaft im Kern zusammenbleibt und sich entsprechend gut kennt. "Es hat sich nicht so viel geändert und ich glaube, dass wir mit unserem System einen guten Fußball spielen können. Wir haben noch genügend Zeit uns einzuspielen", ist Marcell Jansen von den Stärken seines Teams überzeugt. Eine Klatsche gehöre zur Vorbereitung auch mal dazu. Allerdings war "gegen die Bayern diesmal noch weniger drin als beim 2:9 in München. Damals hatten wir wenigstens noch Torchancen", befand Fink.

Dennoch wolle der dienstälteste Bundesliga-Club, der vergangene Saison nur knapp am internationalen Geschäft vorbeigeschrammt ist, nun den nächsten Schritt machen. "Unser Ziel ist es uns zu verbessern im Vergleich zum letzten Jahr, als wir Siebter wurden. Nun wollen wir Platz 6 und nach Europa", sagt auch Sportchef Oliver Kreuzer. Wohlwissend, dass noch einiges an Arbeit auf verschiedenen Baustellen auf ihn wartet. "Wir müssen den Kader unbedingt noch verkleinern. Dann suchen wir im Sturm noch die gewünschte Verstärkung, gleiches gilt für die Außenbahnen".

Ersatz für Son dringend gesucht

Als Kandidat für die Spitze wird aktuell Nikica Jelavic vom FC Everton gehandelt. Ob der Transfer tatsächlich machbar ist, bleibt abzuwarten. "Nikica ist kroatischer Nationalspieler, hat an der Seite von Mario Mandzukic gespielt. Wenn so ein Mann auf dem Markt ist, dann sind wir nicht die einzigen Interessenten", wird Kreuzer zitiert.

Fest steht, dass der HSV nach dem Abgang von 12-Tore-Mann Heung-Min Son nach Leverkusen seinem verbliebenen Top-Stürmer Artjoms Rudnevs (12 Treffer) einen neuen Knipser zur Seiten stellen müsste. Denn ob Jaques Zoua oder Maximilian Beister diese Rolle übernehmen können, ist fraglich. Zoua, den er noch vom FC Basel kennt, sei immerhin ein "Typ wie Paolo Guerrero", so Fink. Vom sportlichen Aspekt her stünde den Hanseaten ein solcher Spieler tatsächlich gut zu Gesicht.

Van der Vaart künftig wieder offensiver?



Gut möglich, dass auch der Kapitän wieder eine offensivere Rolle übernehmen wird. Mehr als die fünf Tore in der vergangenen Spielzeit traut sich Rafael van der Vaart in jedem Fall zu. Nach einer sportlich und persönlich durchwachsenen Spielzeit blickt der Holländer optimistisch nach vorn. "Ich fühle mich fit und hoffe in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen zu können. Wenn ein paar Tore mehr als zuletzt herausspringen, würde ich mich natürlich freuen. Wichtiger ist aber, mit der Mannschaft die Europa League zu erreichen", so der 30-Jährige.

Beim Telekom Cup konnte er noch keine großen Akzente setzen. Den Testspielen in der Saisonvorbereitung, gerade auch gegen die absoluten Top-Clubs wie Bayern oder Dortmund, wolle man an der Elbe ohnehin nicht zu viel Bedeutung beimessen.

Nun gilt es, sich intensiv auf den Pokalauftakt am 4. August in Jena und den 1. Spieltag am 11. August beim FC Schalke vorzubereiten. "Wichtig ist, dass wir zum Saisonstart voll da sind", so Coach Fink. Bis dahin sollen auch die diversen Baustellen behoben sein.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann