Nur wenige Mannschaften in der Bundesliga dominieren ihre Gegner derzeit so sehr wie der Hamburger SV. 62 Prozent Ballbesitz gegen Leverkusen und Gladbach, 55 auf Schalke, 52 in Hannover und am letzten Spieltag waren es sogar 70 gegen den VfL Bochum.

Das Ergebnis all der Mühen fällt jedoch äußerst mager aus. Gerade einmal drei Unentschieden holten die "Rothosen" aus den vergangenen fünf Spielen. Die Mannschaft fiel vom 2. auf den 5. Tabellenplatz zurück.

"Die Art und Weise wie wir spielen passt nicht zum Ertrag. Wir waren in den letzten Partien immer dominant, haben die Spiele bestimmt und hätten sie siegreich gestalten können. Das war sehr gut. Nur das Ergebnis stellt uns nicht zufrieden", haderte Trainer Bruno Labbadia dann auch mit der Punkteausbeute seines Teams.

Kein Schönreden

Schärfer formulierte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann die Situation. "Das kann man nicht schönreden. Wir stecken in der Punktekrise", sagte er. Erinnerungen werden wach an die Saison 2007/08. Damals spielte der HSV lange um die Meisterschaft mit, ehe fünf sieglose Spiele in Folge das Aus im Titelkampf bedeuteten.

Bruno Labbadia kennt so ein Formtief auch noch allzu gut aus der vergangenen Spielzeit. Nach einem furiosen Auftakt mit Bayer Leverkusen stürzte er mit den Rheinländern ab dem 14. Spieltag förmlich ab und verspielte am Ende gar die Qualifikation für das europäische Geschäft.

Keine Durschlagskraft im Angriff

Beim HSV soll es so weit nicht kommen. Schon vor Wochen schob Labbadia möglichen Parallelen zu seiner Zeit in Leverkusen einen Riegel vor. "Die beiden Situationen sind nicht vergleichbar", erklärte er. Die Ergebnisse sprechen derzeit aber die gleiche Sprache.

Dass es so weit kommen musste, ist sicherlich dem großen Verletzungspech bei den Hanseaten geschuldet. Allein die Ausfälle der beiden Top-Stürmer Mladen Petric und Paolo Guerrero sind nicht zu verkraften. Dem jungen Nachwuchs mit Marcus Berg, Tunay Torun oder Tolgay Arslan fehlen einfach noch die Klasse und das Durchsetzungsvermögen für die Bundesliga.

Jarolim sieht eine Serie

In Hamburg verliert man aber dennoch nicht den Mut. "Wir müssen jetzt ruhig bleiben. Wenn wir so weiter spielen, werden wir noch viele Spiele erfolgreich gestalten", prophezeit Marcell Jansen. Und auch Kapitän David Jarolim blickt zuversichtlich in die Zukunft: "Ich gehe fest davon aus, dass wir die nächsten vier Spiele in der Bundesliga gewinnen werden."

Nüchterner analysierte es Abwehrchef Joris Mathijsen. "Läuft es schlecht, können wir bis zum Winter auch auf Platz acht stehen. Wir können aber auch jede Partie bis zur Pause gewinnen", erläuterte der Niederländer. Und "wenn du im Winter noch oben dran bist, spielst du am Ende der Saison um die Preise."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis