Zusammenfassung

  • Julian Pollersbeck spielte 2016/17 seine erste Profisaison als Stammkeeper.
  • Ein Platzverweis für den Konkurrenten ermöglichte ihm die Chance.
  • In der Jugend spielte er im Feld und verfügt über große fußballerische Qualitäten.

Köln - War Julian Pollersbeck bis zum Halbfinale der U21-EM gegen England noch ein relativ unbeschriebenes Blatt, ist der deutsche Nachwuchstorhüter nach einigen Glanztaten während der Partie und zwei gehaltenen Elfmetern im Elfmeterschießen in aller Munde. Seine Ruhe, seine Ausstrahlung und sein mutiges Torwartspiel haben tiefen Eindruck hinterlassen. Aber wer ist dieser 22-jährige Teufelskerl eigentlich? bundesliga.de hat den Werdegang des HSV-Neuzugangs einmal genauer beleuchtet.

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Bis zum 30. August 2016 war die Heimat von Julian Pollersbeck noch die Regionalliga Südwest. An einem Dienstagabend spielte der 1. FC Kaiserslautern II da gegen die TSG 1899 Hoffenheim II. Ein später Treffer von Robert Glatzel sicherte der Reserve der Roten Teufel immerhin ein 1:1. Zwölf Tage später stand Pollersbeck erstmals in der 2. Bundesliga zwischen den Pfosten. Das ist jetzt zehn Monate her.

14 "Weiße Westen" in einer Saison

Seitdem ist viel passiert im Leben des jungen Torhüters. Auf seinen ersten Zweitliga-Einsatz folgten 30 weitere. Pollersbeck wurde zur Lauterer Nummer eins, hielt seinen Kasten 14 Mal sauber und hatte mit seinen starken Leistungen einen großen Anteil am Klassenerhalt des FCK. Pollersbeck erhielt eine Einladung für die U21-Europameisterschaft in Polen und wurde von Bundestrainer Stefan Kuntz zur Nummer eins gemacht. Diverse Bundesligisten buhlten um seine Dienste, am Ende erhielt der HSV den Zuschlag.

Ein steiler Aufstieg für den Keeper, der zwar schon seit November 2014 einen Profivertrag besaß, aber auf seinen Durchbruch lange warten musste. In den Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 schaffte es Pollersbeck, der in der Jugend für Wacker Burghausen spielte, jeweils nur ein einziges Mal pro Saison überhaupt in den Kader der ersten Mannschaft.

Stark mit Hand und Fuß

Als er dann endlich seine Qualitäten zeigen durfte, fragte sich so mancher Beobachter, warum Pollersbeck nicht schon früher den Sprung geschafft hatte. Er glänzte nicht nur auf der Linie, sondern vor allem mit seinem starken Stellungsspiel, durch das er bei langen Bällen des Gegners schnell zur Stelle war. Es kam dem jungen Torwart dabei zugute, dass er bis zur U16 noch Feldspieler war und somit am Ball mehr drauf hat als manch anderer Keeper.

Nun der Wechsel nach Hamburg, wo sich Pollersbeck neu beweisen muss. Zwar hat Rene Adler den Verein in Richtung 1. FSV Mainz 05 verlassen, doch in Christian Mathenia erwartet den U21-Nationaltorwart ein starker Konkurrent, gegen den er sich in der Vorbereitung durchsetzen muss.

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Diese Situation ist für Pollersbeck allerdings nicht ungewohnt. In Kaiserslautern wurde ihm nach dem Abgang von Marius Müller zu RB Leipzig vor einem Jahr Andre Weis vor die Nase gesetzt. Der Neuzugang spielte die ersten vier Spiele, sah dann nach einem Handspiel außerhalb des Strafraums die Rote Karte - und plötzlich schlug Pollersbecks Stunde.

Pollersbeck ist bereit für die Bundesliga

Es war der Beweis, dass es im Profifußball manchmal auch eines glücklichen Zufalls bedarf. Niemand vermag zu sagen, wie das vergangene Jahr für Pollersbeck ohne den Platzverweis für seinen Konkurrenten verlaufen wäre. Vielleicht wäre seine Heimat auch weiterhin die Regionalliga Südwest gewesen.

Zum Glück kam es anders und Deutschland darf sich über einen weiteren talentierten Torwart in der Bundesliga freuen. "Julian ist bereit, den nächsten Schritt zu machen", glaubt HSV-Sportchef Jens Todt. Auch Pollersbeck selbst ist davon überzeugt und freut sich "auf ein neues Kapitel in der Bundesliga beim HSV". Am liebsten würde er dieses neue Kapitel natürlich als frischgebackener Europameister aufschlagen.

Tim Müller

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