Köln - Noch vor ein paar Monaten feierte Nicolai Müller mit dem 1. FSV Mainz 05 den Einzug in die Europa League. Doch der 26-Jährige verzichtet aufs internationale Geschäft, wechselt stattdessen mit sofortiger Wirkung zum Hamburger SV und freut sich "riesig" auf den "großen Club".

"Ich wollte den nächsten Schritt machen", wird der Neuzugang kurz nach seiner Unterschrift unter dem Vier-Jahres-Kontrakt auf "hsv.de" zitiert. Die Rothosen haben sich wochenlang um den flinken Außenbahnspieler bemüht. Die Finanzspritze von Investor Klaus-Michael Kühne machte den Transfer dann schließlich möglich.

Müller: "Meine Lieblingsposition ist Rechtsaußen"

Coach Mirko Slomka bekommt seinen Wunschspieler und hat mit Müller einiges vor: "Ich freue mich, dass es mit Nicolai geklappt hat. Er ist genau der Spieler, der vor dem Tor eiskalt handelt und Räume nutzt. Er hat ein riesen Potenzial, das wir ausschöpfen und erweitern wollen." Dabei haben die Norddeutschen sicher schon den Saisonstart im Kopf. Müller braucht für gewöhnlich wenig Anlaufzeit, das hat die letzte Saison gezeigt.

In der vergangenen Spielzeit knipste der damalige Mainzer an den ersten vier Spieltagen gleich fünf Mal, avancierte schnell zum begehrten Shooting-Star des Saisonstarts. Der Torjäger sieht seine Qualitäten in der vorderen Angriffsreihe: "Meine Lieblingsposition, wenn ich das so sagen kann, ist Rechtsaußen  - und ich denke, da sieht mich Mirko Slomka auch."

Mit Geduld und Fleiß zum Profi

Mit Großdenken hielt sich der gebürtige Franke in der Vergangenheit zurück - aus Erfahrung. Müller ist ein Arbeiter und musste viel Geduld aufbringen, bis er seinen Traumberuf ausüben durfte. Vor gerade mal fast drei Jahren feierte er sein Startelf-Debüt in der Bundesliga - am 7. Spieltag der Saison 2011/12 daheim gegen Borussia Dortmund. Dem Offensivspieler gelang prompt ein Treffer, zum Sieg reichte es aber nicht. Mainz 05 unterlag mit 1:2.  "Bei mir ging es Schritt für Schritt. Von der 4. Liga bis in die Bundesliga - und es hat immer seine Zeit gedauert", stellt Müller fest.

Lange sah es wahrlich nicht nach einer erfolgreichen Profi-Karriere aus. Mit zehn Jahren wechselte Müller in die Jugend von Eintracht Frankfurt. Den Traum vom Profi hatte er damals schon. In der U17 der Hessen wurde er plötzlich ausgemustert: Zu klein, zu schmächtig. 

Durchbruch in Mainz geschafft

Der Flügelflitzer ließ sich jedoch nicht unterkriegen, wechselte zu Greuther Fürth. Aus der Jugend schaffte er den Sprung zu den Profis, kam aber erst einmal in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Nach einer Ausleihe zum SV Sandhausen in der Saison 2008/09 kehrte er mit fünf Toren aus 18 Spielen mit breiter Brust zum Kleeblatt zurück.

Der Stürmer etablierte sich bei den Franken, wechselt 2011 zu Mainz 05. Dort reifte Müller in drei Jahren zum Knipser. In 81 Bundesliga-Spielen netzte er 21 Mal für die Rheinhessen ein. Gegen seinen neuen Club traf er auch schon: Beim 3:2-Auswärtssieg der Nullfünfer im vergangenen Dezember. Der Rechtsaußen weckte bei mehreren Clubs Begehrlichkeiten - der HSV hat nun das Rennen gemacht.

Für Müller ist es mehr als nur eine neue sportliche Herausforderung. Der Torjäger plant seine Zukunft langfristig bei den Hanseaten: "Ich will mich hier noch weiterentwickeln und bin sehr gespannt auf das, was kommt." Dazu gehört sicher auch das internationale Geschäft, doch das hat - noch - keine Priorität.

Yannik Schmidt