Trotz einer erneut schwachen Defensivleistung hat der Hamburger SV die letzte Titelchance gewahrt und den Traum von Finale der Europa League im eigenen Wohnzimmer am Leben gehalten. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia verlor am Donnerstagabend zwar mit 3:4 (1:2) beim belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht, erreichte aber dank des 3:1-Sieges im Hinspiel das Viertelfinale.

Auf dem Weg zum Endspiel am 12. Mai in Hamburg darf der HSV in der nächsten Runde auf einen attraktiven Gegner hoffen. Die Auslosung findet am Freitag um 13 Uhr in Nyon statt.

Boateng mit der Führung

Nationalspieler Jerome Boateng brachte die Hanseaten eigentlich zu einem idealen Zeitpunkt in Führung (42.). Doch noch in der ersten Hälfte drehte der 29-malige belgische Meister das Blatt und ging durch die Tore von Youngster Romelu Lukaku (44.) und den Foulelfmeter durch Matias Suarez, den Boateng verursachte, in Führung (45.+3).

Marcell Jansen sorgte dann für den Ausgleich (54.) ehe Lucas Biglia (59.) und Mbark Boussoufa (66.) für die Belgier auf 4:2 erhöhten. Einmal mehr Mladen Petric (75.) rettete den HSV mit seinem Tor.

Turbulente Anfangsphase

Wie im Achtelfinale in Eindhoven zitterte sich Hamburg, das am Sonntag in der Bundesliga auf den Zweiten Schalke 04 trifft, weiter. "Wir haben uns unnötigerweise die Butter vom Brot nehmen lassen", sagte Hamburgs Vorstandvorsitzender Bernd Hoffmann.

Das Spiel begann für die Gäste aus Norddeutschland, die mit dem 2:4 in Leverkusen in der Bundesliga auch die Chance auf das Erreichen der Champions-League-Plätze wahrscheinlich verspielt hatten, turbulent. Innerhalb der ersten Minute hatten die Belgier gute Torchancen durch Suarez und Cheikou Kouyate.

Van Nistelrooy mit guter Chance

Danach konnten die Gäste, bei denen sich am Morgen Verteidiger Dennis Aogo mit Leistenbeschwerden abmeldete, die Begegnung etwas beruhigen und kontrollierten das Spiel. Die besten Möglichkeiten erarbeiteten sich in dieser Phase Stürmerstar Ruud van Nistelrooy (15.) und Petric (17.), der nur knapp das Tor verfehlte.

Boateng, nach seinem Ausfall in Leverkusen wieder von Beginn an dabei, traf wenige Minuten vor der Pause mit einer herrlichen Bogenlampe aus 16 Metern. Dann riss der Faden. Nach einer Flanke von Boussoufa sorgte der bullige Lukaku per Kopf zunächst für das 1: 1, wenig später leistete sich Boateng gegen Suarez im Strafraum ein Foul. Der Argentinier verwandelte den fälligen Elfmeter sicher.

Petric mit der Entscheidung

In den ersten beiden Minuten der zweiten Hälfte ging es im HSV-Strafraum drunter und drüber. Der ehemalige Bremer Bundesliga-Profi Jelle van Damme und Lukaku hatten das 3:1 auf dem Fuß, scheiterten aber an Hamburgs Keeper Frank Rost. Dann konnte Hamburg wieder etwas Luft holen und Jansen traf nach Pass von Petric mit einer herrlichen Direktabnahme.

Wie aus dem Nichts gerieten die Gäste dann wieder in Schwierigkeiten, weil Lucas Biglia mit einem Flachschuss aus 16 Metern traf. Und wenig später traf Boussoufa aus eigentlich unmöglicher Position, weil Rost zu spät kam. Schließlich ließ Petric die Hanseaten aufatmen.