München - Vier Jahre spielte er für den Hamburger SV, neun Jahre für Bayern München. Hasan Salihamidzic kennt beide Vereine, die am Samstag im alten Nord-Süd-Klassiker aufeinander treffen, bestens. Mit dem FC Bayern gewann der 35-Jährige sechs Meisterschaften, vier Mal den DFB-Pokal, die Champions League und den Weltpokal.

Nach seinem Engagement beim VfL Wolfsburg beendete er im Sommer seine aktive Karriere. Jetzt lebt Hasan Salihamidzic wieder in München, verfolgt intensiv die Bundesliga und bewertet im Interview mit bundesliga.de die Entwicklung seiner beiden Ex-Vereine.

bundesliga.de: Herr Salihamidzic, der Hamburger SV hat in den letzten sechs Spielen 13 Punkte geholt und vier Siege eingefahren. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des HSV?

Hasan Salihamidzic: Sehr positiv. Ich habe das Gefühl, dass der Trainer Thorsten Fink die Mannschaft absolut im Griff hat. Die Verstärkungen fühlen sich in Hamburg sehr wohl und haben super eingeschlagen. Rafael van der Vaart leistet wirklich gute Arbeit. Die Mannschaft funktioniert jetzt. Das war am Anfang nicht der Fall, aber jetzt hat man das Gefühl, dass es aufwärts geht und der Trend positiv ist.

bundesliga.de: Auch Rene Adler hat im Tor des HSV großartig eingeschlagen. Haben Sie ihm das zugetraut?

Salihamidzic: Ja. Viele waren am Anfang zwar skeptisch, ob er das nach seiner langen Verletzung wieder packen wird. Aber er hat eindrucksvoll bewiesen, dass er einer der besten Torhüter Deutschlands ist.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass der HSV in dieser Saison eine gute Rolle spielen kann und unter den Top Ten, vielleicht sogar in der Nähe der internationale Plätze landen kann?

Salihamidzic: Ich hoffe für Thorsten Fink und die Jungs, dass sie die Form, die sie in den letzten Spielen gezeigt haben, halten können. Aber es ist noch zu früh, zu sagen, wie weit sie nach oben kommen können. Im Moment sind sie Siebter. Eine Europapokal-Platzierung wäre für diese Mannschaft gut, damit wären sicher alle sehr zufrieden.

bundesliga.de: Sie haben selbst einige Jahre für den HSV gespielt. Welchen Stellenwert hat der Nord-Süd-Klassiker zwischen dem HSV und Bayern München in der Stadt und dem Umfeld? Ist das Spiel noch höher anzusiedeln als das Nordderby gegen Werder Bremen?

Salihamidzic: Ich glaube schon. Das Spiel gegen die Bayern steht in Hamburg noch eine Stufe über dem Nordderby. Wenn Bayern nach Hamburg kommt, geht es um die Ehre. Es ist das Spiel der Saison und sehr wichtig. Der Stellenwert ist enorm hoch.

bundesliga.de: Der HSV hat in den letzten fünf Heimspielen nicht mehr gegen die Bayern verloren. Wie erklären Sie sich das?

Salihamidzic: In dem Spiel hat Hamburg nichts zu verlieren. Sie können frei aufspielen. Jeder erwartet einen Sieg der Bayern. Aber die Hamburger sind derzeit gut in Form. Es wird nicht einfach für die Bayern.

bundesliga.de: Die Bayern haben am Sonntag ihr erstes Spiel verloren. Schon sehen manche Experten Parallelen zur letzten Saison, als die Münchener nach einem ebenfalls überragenden Saisonstart aus der Spur kamen. Besteht die Gefahr wieder?

Salihamidzic: Nein, aus meiner Sicht hat der FC Bayern eine viel zu starke Mannschaft. Normalerweise können sie sich nur selbst schlagen, wenn sie das Nervenflattern bekommen und sie mental einbrechen. Ich glaube, dass sie in dieser Saison absolut eindeutig Meister werden, weil sie der Konkurrenz überlegen sind.

bundesliga.de: Könnten noch Borussia Dortmund oder Schalke 04 den Bayern noch gefährlich werden?

Salihamidzic: Das habe ich schon beantwortet. Bayern kann sich nur selbst schlagen. Sie haben sich sehr gut verstärkt und jetzt auch eine sehr starke Bank. Natürlich haben sie auch einige Verletzte. Aus meiner Sicht wird es schwer, sie zu schlagen. Aber das haben wir im letzten Jahr auch gesagt. Ich schätze sie aber in diesem Jahr noch einen Tick stärker ein.

bundesliga.de: Ihr Tipp für das Spiel HSV gegen Bayern? Wie sind da Ihre Sympathien verteilt?

Salihamidzic: Das ist schwer. Ich habe für beide Clubs gespielt und sage 1:1. Der Thorsten Fink ist ein guter Freund von mir. Ich würde ihm gönnen, wenn er einen Punkt mitnimmt. Eigentlich bin ich ja ein Roter. Aber wenn ich einem gegen die Bayern einen Punkt gönne, dann dem Thorsten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski