Nürnberg - Die Fans des Hamburger SV haben seit einigen Monaten ein neues Lieblingslied. Zur Melodie von Twisted Sisters "We're not gonna take it" besangen die rund 4000 mitgereisten HSV-Fans auch am Samstag die ruhmreiche Tradition ("Sechs Mal Deutscher Meister, drei Mal Pokalsieger...niemals Zweite Liga, HSV") des einzigen Bundesliga-Vereins, der seit Gründung der Bundesliga 1963 ununterbrochen der höchsten deutschen Spielklasse angehört.

Die rebellische Glamrock-Hymne stammt aus dem Jahr 1984 und ist damit ein Jahr frischer als der letzte Meistertitel der Hamburger, die anno 2012 mit ganz anderen Endplatzierungen zufrieden sein müssen.

Nach dem feierten Fans und Spieler gemeinsam vor der gut gefüllten Gästekurve: Der Bundesliga-Dino kann nun nicht mehr direkt absteigen und will am kommenden Wochenende beim Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 endgültig aller Abstiegssorgen ledig werden.

"Gute Ausgangsposition für die letzten Spiele"



"Wir haben eigentlich nicht viel zugelassen", fand HSV-Kapitän Heiko Westermann nach der Partie. "Den Punkt nehmen wir natürlich gerne mit." Auch Manager Frank Arnesen war mit der Ausbeute zufrieden. "Einen Punkt in Nürnberg zu holen, ist okay. Noch besser ist, dass uns die Ergebnisse der anderen in die Karten gespielt haben. Jetzt sind wir in einer guten Ausgangsposition für die letzten beiden Spiele."

Das fand auch Heung Min Son. Der 19-jährige Südkoreaner erzielte gegen die Franken seinen fünften Saisontreffer (59.) und wertete das Remis - nur fünf Minuten später traf der erneut starke Nürnberger Daniel Didavi zum verdienten 1:1-Ausgleich - als einen "kleinen Erfolg". Man dürfe sich nun nicht dadurch blenden lassen, dass die Ergebnisse der Konkurrenz dem Hamburger SV in die Karten gespielt hätten: "Wir sollten jetzt nur an uns denken und müssen weiter Gas geben."

Drobny angeschlagen - Kacar schwer verletzt



Wie seine Mitspieler sprach auch Son von einem teuer erkauften Punkt. Schließlich hatten sich gleich zwei seiner Mannschaftskameraden am Samstag Nachmittag so schwere Verletzungen zugezogen, dass sie umgehend ausgewechselt werden mussten. Bereits in der 23. Minute musste Stammkeeper Jaroslav Drobny das Feld verlassen. Er war mit dem Tschechen Tomas Pekhart zusammengeprallt. Für ihn kam Sven Neuhaus zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Der 34-Jährige hatte bis dato 154 Zweitligaspiele für Fürth und Augsburg bestritten und kam im vergangenen Jahr vom ambitionierten Regionalligisten RB Leipzig.

In der 88. Minute musste Gojko Kacar vom Platz. "Er hat etwas knacken hören", wusste sein Coach Thorsten Fink zu berichten, "er wird die nächsten Spiele definitiv ausfallen." Der Serbe erlitt einen Knöchelbruch sowie Risse von Innen- und Syndesmoseband im linken Fuß.

Glück im Unglück könnte hingegen Drobny ("vielleicht nur eine starke Hüftprellung") gehabt haben, dem nach dem Spiel auch Manager Frank Arnesen alles Gute wünschte. "Wir haben jetzt acht Punkte aus den letzten fünf Spielen geholt. Das ist nicht so schlecht. Aber jetzt müssen wir auch im sechsten Endspiel erfolgreich sein."

Christoph Ruf