Bremen - Es ist eines der heißesten Spiele der Saison: Werder Bremen empfängt den Hamburger SV. Keine Partie gab es häufiger in der Geschichte der Bundesliga, doch selten nur waren die Vorzeichen so eindeutig wie für das 95. hochemotionale Nordderby (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Werder steht punktgleich mit Tabellenführer Bayern München auf Rang 3, der HSV ist nach dem völlig verkorksten Saisonstart (1 Punkt, 14 Gegentore) Letzter und das derzeitige "Sorgenkind" des deutschen Fußballs.

"Das ist ein Verlust für Werder"

Die Mannschaft von Hamburgs Trainer Michael Oenning hat bisher nicht den Eindruck gemacht, dass sie Angst und Schrecken verbreiten könnte. Der HSV hat sich nach dem vollzogenen Umbruch von einem Bundesliga-Schwergewicht zu einem potenziellen Abstiegskandidaten gewandelt. Trotzdem gibt sich Oenning kämpferisch. "Es ist für uns gebeutelte Hamburger eine Möglichkeit, wieder positive Schlagzeilen zu schreiben. Wir haben durchaus die Chance, in Bremen zu gewinnen", sagte der Coach.

Hoffnung schöpft Oenning, der seit elf Punktspielen auf einen Sieg mit dem HSV wartet, aus der Tatsache, dass Werder erstmals ohne Innenverteidiger Per Mertesacker (zum FC Arsenal gewechselt) auskommen muss: "Dass sie Per Mertesacker verkauft haben, ist bestimmt ein Verlust für Werder. Der wird ihnen fehlen. Eine Abwehr verändert man nicht so gern." Immerhin kann Werder endlich wieder auf den Langzeitverletzen Naldo zurückgreifen, der gegen den HSV zum ersten Mal wieder im Kader steht.

Oenning muss umstellen

In der HSV-Abwehr kommt es aufgrund des Ausfalls von Dennis Diekmeier, der aufgrund von Oberschenkelproblemen für das Derby passen muss, zu einer Veränderung auf der rechten Außenverteidigerposition. Michael Mancienne, von Slobodan Rajkovic aus der Innenverteidigung verdrängt, rückt auf diese Position. In Gemeinschaftsarbeit mit seiner Kollegen der Hamburger Innenverteidigung ist er dafür zuständig, insbesondere Bremens Goalgetter Claudio Pizarro zu stoppen.

Gleichzeitig kann Oenning wieder auf seine Top-Stürmer Paolo Guerrero und Mladen Petric zurückgreifen. "Wir müssen uns nicht verstecken. Wir können mehr gewinnen als verlieren", sagt Petric, "Paolo und ich verstehen uns blind." Eine Aussage, die Werder-Trainer Thomas Schaaf nicht aus der Ruhe bringen kann. "Wir sind Gott sei Dank in der Situation, dass wir wieder Abwehrspieler zur Verfügung haben. So oder so können wir wieder auf ein gutes Niveau zurückgreifen." Andreas Wolf und Sebastian Prödl sollen das HSV-Sturmduo in Schach halten, für den wiedergenesenen Naldo kommt ein Einsatz von Beginn an noch zu früh.

Unabhängig vom Ausgang der Derbys hofft Schaaf, dass sein Trainerkollege die nötige Zeit für den Umbau des HSV bekommen wird. "Sie müssen der Überzeugung sein, den richtigen Mann mit der richtigen Philosophie zu haben. Der HSV besitzt die Qualität, den Weg zu gehen, den sie sich vorstellen", meinte Schaaf. Er weiß jedoch auch: Die Situation ist ernst, "wenn es nicht erfolgreich läuft, verlieren sie den Anschluss".