Hamburg - Mit dem Abpfiff kannte der Jubel bei den Spielern und Fans des Hamburger SV in der Imtech Arena keine Grenzen. Kollektive Jubelszenen auf und abseits des Rasens. Auch der neue Trainer der Rothosen, Josef "Joe“ Zinnbauer, war mittendrin in diesem Moment der Freude. Dabei hatten die Hausherren "nur“ ein 0:0 gegen den FC Bayern München erkämpft.

Doch wer die Hamburger in den bisherigen Pflichtspielen in dieser Saison gesehen hat, der wusste, warum die Erleichterung mit einem Hang zur Ekstase berechtigt war. Heiko Westermann fasste den Auftritt des HSV gegen die schier übermächtigen Bayern treffend zusammen. "Als Mannschaft haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr so ein Spiel abgeliefert“, erklärte der wiedererstarkte Innenverteidiger, der von Ex-Coach Mirko Slomka zum Reservisten degradiert und von Zinnbauer wieder in die Startelf berufen wurde.

"Alles aus sich herausgeholt"

Was Westermann damit ausdrücken wollte war nicht etwa auf den spielerischen Aspekt bezogen, denn in den meisten Statistiken hatten die Münchner die Nase vorn, sondern viel mehr war es der gezeigte Zusammenhalt und die Energie innerhalb des Teams.

"Jeder hat alles aus sich herausgeholt. Wenn einer einen Zweikampf verloren hat, war sofort ein anderer da und ist in die Bresche gesprungen. Das hat mich auf dem Platz richtig nach vorne gepusht“, meinte Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier auf Nachfrage von bundesliga.de.

Lob für Zinnbauer

Der Vater dieses scheinbar neuen "Wir-Gefühls“ war schnell ausgemacht: Joe Zinnbauer. "Der Trainer hat den absoluten Willen, hier etwas zu bewegen. Er hat uns brutal heiß gemacht. Es geht um Kampf, Leidenschaft und Wille. Das hat man auf dem Platz dann auch gesehen“, lobte Lewis Holtby seinen neuen Chef an der Seitenlinie.

Und Nicolai Müller ergänzte: "Wir haben heute für jeden Mitspieler gekämpft und versucht das umzusetzen, was der Trainer von uns gefordert hat. Wir sollten Bayern München hoch anlaufen und unter Druck setzen. Das ist uns ganz gut gelungen.“

HSV wartet weiter auf erstes Tor

Zinnbauer, der an der Seitenlinie fast ein ähnliches Laufpensum wie seine Spieler absolvierte und immer wieder wild gestikulierend auf sie einwirkte, gab das Lob seiner Kicker umgehend zurück. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen. Sie hat aggressiv gegen den Ball gearbeitet und ordentlich Meter gemacht. Ich ziehe den Hut, wie sie sich durchgebissen hat, auch wenn es zum Schluss schwer fiel“, so Zinnbauer auf der Pressekonferenz nach der Partie.

Doch noch steht der Bundesliga-Dino, der seit Bestehen der Bundesliga noch nie abgestiegen ist, auf einem Abstiegsplatz. Ernüchternd kommt hinzu, dass der HSV dabei als einziges Team im deutschen Profi-Fußball noch ohne eigenes Tor ist.

 Mittwoch in Mönchengladbach

Das soll sich am besten gleich am Mittwoch ändern, wenn die Hamburger in der englischen Woche bei Borussia Mönchengladbach zu Gast sind. "Bislang hat uns da noch die Kälte vor dem Kasten und auch die Cleverness gefehlt“, haderte Holtby mit der mangelnden Chancenverwertung in den bisherigen vier Saisonspielen.

Für Diekmeier ist klar, dass Tore und damit der Erfolg sich nur einstellen, wenn es innerhalb des Teams stimmt. "Wichtig ist, dass wir uns als eine Mannschaft präsentieren. Nicht nur die ersten Elf sind wichtig, sondern der gesamte Kader. Wir müssen noch enger zusammenrücken“, forderte er.

Denn auch wenn das 0:0 gegen den FC Bayern für viele als die Rückkehr auf die Erfolgsspur angesehen wird, so mahnte Abwehrchef Johan Djourou, diesen Punktgewinn nicht überzubewerten: "Es war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn wir haben ein anderes Gesicht gezeigt. Aber dennoch war es nur ein kleiner Schritt.“

Aus Hamburg berichtet Michael Reis