Köln - Der 1. FC Köln hat durch einen hart erkämpften 1:0-Heimerfolg gegen Eintracht Frankfurt seine Chancen auf die erstmalige Teilnahme am internationalen Geschäft seit 25 Jahren untermauert. Die Domstädter rückten auf Platz fünf vor und stehen nun drei Punkte vor den Hessen (>>> zur Tabelle). Den Sieg verdanken die Kölner vor allem Milos Jojic, dem Schützen des goldenen Tores, und Timo Horn, der mit einigen starken Paraden seinen Kasten sauber hielt. Der Keeper sprach anschließend über den wichtigen Sieg und besonderen Besuch im Stadion.

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Frage: Timo Horn, der 1. FC Köln hat im Kampf um die internationalen Plätze gegen den direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt 1:0 gewonnen. Wie bewerten Sie die Partie?

Timo Horn: Es war ein schwieriges Spiel. Die Frankfurter waren in der ersten Halbzeit ein bisschen besser. Da haben wir keinen Zugriff bekommen. In der Halbzeit haben wir das System umgestellt und waren dann besser im Spiel. Dennoch haben wir wenige Torchancen herausgespielt, auf der anderen Seite aber auch sehr gut verteidigt. Es war ein Spiel mit wenigen Highlights, aber der eine Schuss von Milos Jojic hat uns dann gereicht, um die drei Punkte in Köln zu behalten. Das tut uns in so einem schwierigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten sehr gut.

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"Das Derby wird ein Riesenhighlight"

Frage: Der FC hat nach Hertha nun auch Frankfurt geschlagen und mit 40 Punkten Platz fünf übernommen. Die Tabelle liest sich gerade gut für den FC?

Horn: Ja. Das war unser erstes Ziel. In der letzten Saison haben wir 43 Punkte geholt. Die wollen wir jetzt möglichst schon im nächsten Spiel gegen Gladbach klar machen. Das Derby wird ein Riesenhighlight für uns und auch mich persönlich. Wir müssen dann wieder versuchen, die Fans mitzunehmen - so wie wir es auch in der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt gemacht haben. Dann bin ich sicher, dass wir gute Chancen haben, am Wochenende die drei Punkte zu holen.

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Frage: War das ein Sieg der Kategorie "dreckiger Sieg"?

Horn: Die Frankfurter haben in den letzten Spielen nicht allzu viele Tore geschossen. Das wussten wir. Wir wollten nicht ins offen Messer laufen und die Mannschaft sein, gegen die sie wieder treffen. Deswegen haben wir das Augenmerk auf die Defensive gelegt. Auf der anderen Seite war die Eintracht zuletzt auch sehr defensivstark und hat generell über die ganze Saison nur wenig Tore kassiert. Sie sind eine sehr gut organisierte Mannschaft. Sie haben einen sehr guten Trainer. Es war schwierig durchzukommen.

Frage: Dann traf Milos Jojic aus der Distanz.

Horn: Sein Schuss aus der zweiten Reihe war perfekt für uns. Für Milos freut es mich ganz besonders, dass er nach dem Spiel in Hamburg nun erneut getroffen hat. Er hatte eine schwierige Zeit hinter sich, hat jetzt aber im Training und in den Spielen gezeigt, dass er in die Mannschaft will und was für ein guter Techniker und Spieler er ist.

"Es sind noch einige Spiele zu spielen"

Frage: Ist es gut zu sehen, dass es neben Anthony Modeste nun auch andere Spieler gibt, die ihn entlasten und treffen?

Horn: Von Tony hängt in der Offensive sicherlich viel ab. Er ist ein ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum. Wir brauchen ihn da, zumal er auch für hohe Bälle eine sehr gute Anspielstation ist. Er schießt nicht nur die Tore, sondern ist auch im Spiel sehr wichtig. Natürlich tut es ihm auch gut, wenn er sieht, dass da auch mal ein anderer Spieler ist, der Tore erzielt. Yuya Osako hat das in den letzten Spielen gezeigt, jetzt fehlt er leider. Nun übernimmt Milos diesen Part. Damit sind wir sehr zufrieden.

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Frage: Die Fans rufen Europapokal, Europapokal. Ist das Träumerei oder wird es langsam Realität?

Horn: Es sind noch einige Spiele zu spielen. Natürlich sieht es momentan sehr gut aus. Andererseits hatten wir auch immer wieder Spiele wie zuletzt in Hamburg oder davor in Ingolstadt dabei, die nicht so gut waren. Wir müssen konstanter werden. Ich werde einen Teufel tun und das jetzt weiter befeuern. Es sieht sehr gut aus, aber wir versuchen uns keine große Gedanken darüber zu machen.

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Frage: Zeigen die Siege gegen die direkten Konkurrenten, dass die Mannschaft einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung gegangen ist?

Horn: Zumindest zuhause haben wir in den letzten Monaten gezeigt, dass wir sehr schwer zu schlagen sind. Bis auf das Spiel gegen die Bayern haben wir keine Partie verloren. Es ist wichtig, dass wir zuhause eine Macht sind und die Gegner wissen, dass es schwer wird, hier etwas mitzunehmen. Das ist auch unser Ziel für die letzten Wochen. Natürlich haben wir uns auch als Mannschaft weiterentwickelt. Mich als Torwart freut besonders, dass wir so ein knappes Spiel mit 1:0 gewonnen haben.

"Gladbach wird aggressiv zu Werke gehen"

© imago / Eibner

Frage: Wie groß ist bei Ihnen nun die Vorfreude aufs Derby?

Horn: Ich freue mich sehr darauf. Die Derbys gerade gegen Gladbach sind immer sehr emotional. Ich hoffe, dass alles friedlich bleibt, das ist bei aller Rivalität ganz wichtig. Die Gladbacher tun sich in dieser Saison ein Stück weit schwer. Wir müssen versuchen, sofort da zu sein, aggressiv in den Zweikämpfen zu sein und einen besseren Zugriff zu bekommen als gegen die Eintracht in der ersten Halbzeit.

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Frage: Die Gladbacher haben in der Rückrunde gerade auswärts viele Punkte geholt. Für die Borussia dürfte das Derby so ziemlich die letzte Chance sein, noch einmal die internationalen Plätze anzugreifen. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Horn: Gladbach hat sicher ganz andere Ziele als wir. Das wird man auf dem Platz auch sehen. Ich erwarte, dass sie von Anfang an aggressiv zu Werke gehen werden. Wir müssen dagegen halten, unser eigenes Spiel durchbringen und versuchen, im eigenen Stadion die Fans mit gewonnen Zweikämpfen und einem guten Passspiel mitzunehmen. Dann haben wir gute Chancen, auch eine Top-Mannschaft der Bundesliga zu schlagen.

Frage: Was haben Sie vom Besuch der Bundeskanzlerin mitbekommen?

Horn: Das war im Vorfeld hier und da mal ein Thema. Natürlich haben wir das auch gelesen. Und es ist ja auch eine besondere Ehre, wenn sie hier vorbei schaut. In die Kabine ist sie aber nicht gekommen, sie musste ja auch anders als bei der Nationalmannschaft unparteiisch sein. Sie kann gerne öfter kommen und ist herzlich dazu eingeladen.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski

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