Zusammenfassung

  • Holger Badstuber sucht beim VfB Stuttgart einen Neuanfang

  • Mit seiner Erfahrung kann er zum neuen Abwehrchef der Schwaben werden

  • Badstuber: "Nirgendwo hat es so geknistert wie beim VfB"

Köln – Wer an Holger Badstuber denkt, der bringt den großgewachsenen Innenverteidiger eigentlich zwangsläufig mit dem FC Bayern München in Verbindung. Klar, seit 2002 lief der heute 28-Jährige im Dress des Rekordmeisters auf – mit einem kleinen Intermezzo beim FC Schalke 04 in der Rückrunde der vergangenen Saison. Nachdem Badstubers Vertrag bei den Bayern am Saisonende nicht mehr verlängert wurde, begab er sich auf Vereinssuche.

Er sei von seiner Einstellung und Entwicklung so weit, "ein neues Kapitel zu beginnen, hinter die vergangenen Jahre einen Haken zu machen und nach vorne zu blicken", sagte Badstuber jüngst im Interview mit der Zeitschrift "Socrates". Sportlich seien auf jeden Fall "noch einige Jahre auf Top-Level möglich". Der gebürtige Allgäuer wurde bei vielen Clubs gehandelt, vor allem im Ausland.

"Nirgendwo hat es so geknistert, wie beim VfB"

Der FC Sevilla, Sporting Lissabon, auch Manchester City mit seinem Ex-Coach Pep Guardiola sollen Interesse signalisiert haben. Trotz dieser internationalen Hochkaräter, hat sich Holger Badstuber am Ende für den VfB Stuttgart entschieden. "Nirgendwo hat es so geknistert wie beim VfB", sagt Badstuber über seinen Wechsel nach Stuttgart. "Ich habe einige sehr gute Angebote aus dem Ausland abgelehnt. Auch von Vereinen, die Champions League spielen."

Stattdessen wechselt er zu dem Club, bei dem er seine ersten Schritte im Leistungssport ging. Im Alter von 13 Jahren wechselte Badstuber von seinem Heimatverein, dem TSV Rot an der Rot, ins Schwabenland. Zwei Jahre spielte er bei den Junioren des VfB, ehe der FC Bayern ihn verpflichtete. Bei den Münchnern reifte Badstuber erst zum Bundesliga-, dann zum Nationalspieler. Viele sahen im 1,90m großen Abwehrmann die Zukunft in der deutschen Verteidigung. Dann ereilte ihn eine fast beispiellose Verletzungsserie:

  • November 2010: Schambeinentzündung

  • Oktober 2012: Muskelfaserriss im linken Oberschenkel

  • Dezember 2012: Kreuzbandriss im rechten Knie

  • Mai 2013: Reruptur des bereits verletzten Kreuzbandes

  • September 2014: Sehnenriss im linken Oberschenkel

  • April 2015: Muskelriss im linken Oberschenkel

  • Februar 2016: Knöchelbruch im linken Sprunggelenk

  • August 2016: Muskuläre Probleme

Als Verteidiger das Komplettpaket

Holger Badstuber hat in seiner Profikarriere insgesamt 220 Spiele aufgrund von Verletzungen oder Krankheit verpasst. Gespielt hat er in Bundesliga (129), Champions League (39), DFB-Pokal (18), Supercup (2) und Europa League (1) insgesamt 189 Mal. Mehr Spiele verpasst als gespielt, Mitleid wollte er deshalb nie. "Meine Verletzungen sind keine Katastrophe. Katastrophen sieht man jeden Abend in der Tagessschau", sagte er einmal dem "Stern". Aufgeben? Nichts für Holger Badstuber. Trotz der vielen Rückschläge kämpfte er sich immer wieder zurück. Er darf sich fünffacher Deutscher Meister, dreifacher DFB-Pokal- und Supercup-Gewinner sowie Champions-League-Sieger nennen.

Aber nicht nur an diesen Titeln, von denen die meisten Profifußballer ihre gesamte Karriere lang träumen, vor allem an seinen Verletzungen ist Badstuber gewachsen. Und wenn er in Top-Form ist, dann gehört er noch immer zu den besten Innenverteidigern, die die Bundesliga zu bieten hat. Er ist ein Stratege am Ball, besitzt das Auge für den Mitspieler und außergewöhnliche Qualitäten im Passspiel, ist trotzdem bärenstark im Zweikampf und in der Luft. Badstuber stellt als Verteidiger das Komplettpaket dar. Und genau danach hat der VfB Stuttgart gesucht.

"Die sportliche Herausforderung stimmt zu 100 Prozent"

Denn wenn er gesund bleibt, dürfte Holger Badstuber der neue Abwehrchef in der blutjungen Verteidigung des VfB werden. Mit Ausnahme von Marcin Kaminski (25) ist kein Stuttgarter Innenverteidiger älter als 21 Jahre. Das Talent ist bei den jungen Spielern um Timo Baumgartl, Jerome Onguene oder Benjamin Pavard ohne Frage vorhanden, die PS müssen aber auch auf die Straße gebracht werden. Und dabei soll der erfahrene und besonnene Holger Badstuber helfen.

"Beim VfB kann und werde ich Verantwortung übernehmen", sagt Badstuber zu dieser Aufgabe. "Ich habe die Entscheidung für Stuttgart ganz bewusst getroffen, weil die sportliche Herausforderung zu 100 Prozent stimmt." Er möchte die letzten Jahre, all die Verletzungen und Rückschläge, endlich hinter sich lassen. Er sucht den Neuanfang dort, wo seine Wurzeln sind. "Schon vor 17 Jahren habe ich das Trikot mit dem roten Brustring mit Stolz getragen", so Badstuber. "Das werde ich auch wieder tun."

Dennis-Julian Gottschlich