München - Als vor dem Spiel die Startaufstellung verlesen wurde, brüllten die Fans seinen Namen besonders laut. 154 Tage nach seinem letzten Bundesligaspiel für den FC Bayern München stand Holger Badstuber gegen den Hamburger SV erstmals wieder auf dem Platz (Spielbericht).

Am 3. Spieltag gegen den VfB Stuttgart zog sich der 25-Jährige, der sich erst im vergangenen Sommer nach zwei Kreuzbandrissen zurückgekämpft hatte, einen Muskelsehnenriss zu. Gegen den HSV hielt er nun die vollen 90 Minuten durch. Bei der 8:0-Torgala war der Innenverteidiger allerdings eher selten gefordert - wenn, dann erledigte er seinen Job souverän: elf seiner 13 Zweikämpfe entschied er für sich. Im Interview spricht er über sein Comeback, seine Ziele und das Achtelfinale in der Champions League gegen Schachtjor Donezk.

Frage: Haben Sie sich Ihren ersten Einsatz so vorgestellt?

Badstuber: Als Abwehrspieler wollte ich zu null Spielen. Als Team haben wir gut funktioniert und für die Zuschauer war es ein tolles Fest. Wir haben Hamburg aggressiv attackiert und waren voll fokussiert. Das war ausschlaggebend. Nach dem Vorsprung zur Halbzeit haben wir uns leichter getan. Hinzu kam unsere individuelle Klasse.

"Ich will mich weiter anbieten"

Frage: Insbesondere Arjen Robben stach wegen seiner beiden Tore einmal mehr heraus. Wie haben Sie seine Leistung gesehen?

Badstuber: Er ist ein super Spieler und ein guter Junge. Er pusht sich und das ist wichtig für die Mannschaft. Aber wir haben als Mannschaft funktioniert - nicht nur die, die auf dem Platz standen, sondern alle.

Frage: Wie haben Sie persönlich Ihren ersten Einsatz seit 154 Tagen Zwangspause verkraftet?

Badstuber: Für mich ist es ein weiterer Schritt. Ich habe mich gut gefühlt und darauf kann ich aufbauen. Für mich war es gut, das Vertrauen zu bekommen, auch über die vollen 90 Minuten. Dafür bin ich dankbar. Spiele sind dann doch etwas anderes im Vergleich zu Trainingseinheiten. Ich will mich weiter anbieten. Ich brauche aber sicherlich noch Zeit und das weiß ich auch. Aber insgesamt war es gut und ich freue mich, dass die Mannschaft so gut funktioniert hat. Ich kann mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.

Frage: Haben Sie nach Ihrem Comeback sich selbst schon weitere Ziele bezüglich der nächsten Einsätze gesetzt?

Badstuber: Ich sehe das ganz locker. Wir haben so viele tolle Spieler und noch so viele und schwierige Spiele. Ich versuche, der Mannschaft zu helfen. Wir brauchen jeden einzelnen Spieler. Ich gebe alles, um meinen Beitrag zu leisten.

"Wir haben schwere Spiele vor der Brust"

Frage: Wo steht die Mannschaft, gerade auch nach den ersten drei weniger überzeugenden Spielen und jetzt dieser Gala gegen den HSV?

Badstuber: Es ist klar, dass von außen Kritik aufkommt. Intern wissen wir, was wir imstande sind zu leisten. Wir wissen auch, wohin wir wollen. Heute war es ein guter Schritt. Wir haben für die kommenden Aufgaben Selbstvertrauen getankt. Aber am Dienstag wird es ein komplett anderes Spiel. Wir haben jetzt schwere Spiele vor der Brust und da brauchen wir alle Leute.

Frage: Was erwarten Sie von dem Spiel gegen Donezk?

Badstuber: Die Konzentration muss zu 100 Prozent auf dem Spiel liegen. Sonst tun wir uns schwer. Die Situation dort ist anders, aber wir haben ein Spiel dort zu spielen und das wollen wir erfolgreich gestalten. Es wird ein schwieriges Spiel gegen einen unangenehmen Gegner. Donezk hat talentierte Spieler, gerade in der Offensive.

Frage: Für Schachtjor ist es das erste Pflichtspiel in diesem Jahr. Glauben Sie, dass ist ein Nachteil für die Mannschaft?

Badstuber: Es kann für sie auch ein Vorteil sein, weil wir sie dadurch nicht so gut einschätzen können. Deshalb müssen wir uns gut präsentieren. Wir bereiten uns gut darauf vor und wollen dort ein gutes Ergebnis erzielen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz