Gelsenkirchen - Die Tabelle wird man sich in Hoffenheim garantiert nicht in den Weihnachtsbaum hängen - die TSG 1899 Hoffenheim überwintert als Tabellenletzter. Und doch soll gerade die letzte Niederlage auf Schalke Mut machen für die Rückrunde. "Auf dem Spiel können wir aufbauen. Ich bin überzeugt, dass wir da rauskommen", lässt Sebastian Rudy keinen Zweifel aufkommen.

Schon unmittelbar nach Abpfiff der Partie in Gelsenkirchen hatten sich die Spieler trotz der 0:1-Niederlage kämpferisch und selbstbewusst präsentiert. Keine hängenden Köpfe, kein frustrierter Blick zurück. "Wir haben gegen einen Champions-League-Gegner gespielt und konnten mithalten. Das macht Mut. Mit der Leidenschaft kommen wir da unten raus", stellte Tobias Strobl nicht unzufrieden fest. Torhüter Oliver Baumann sah es ähnlich: "Wir haben viel Aufwand betrieben, das nehmen wir mit in die Pause. Solche Spiele müssen und werden wir in der Rückrunde gewinnen."

TSG mit verbesserter Defensive

Auch Huub Stevens haderte eher mit der Ausbeute als mit dem Auftritt. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, die Jungs haben alles gegeben. Wir hätten etwas mitnehmen müssen." So bleiben die nackten Zahlen bislang überschaubar. In den letzten sieben Spielen unter Stevens sprang wie in der ersten Saisonhälfte bislang auch nur ein Sieg heraus. Allerdings gab es bei vier Unentschieden auch nur zwei Niederlagen.

Das hat seine Ursache vor allen in der verbesserten Defensive – und das ist sicher auch der Punkt, auf den die TSG in der Rückrunde aufbauen kann. Schon drei Mal stand die Null, seit Huub Stevens das Traineramt übernommen hat. In drei weiteren Spielen kassierte Hoffenheim lediglich ein Gegentor, nur das 3:3-Remis gegen Borussia Mönchengladbach fiel etwas aus der Reihe. In den ersten zehn Spielen der Saison waren es insgesamt noch satte 19 Gegentreffer.

Auch den Schalkern war es im letzten Spiel schwer gefallen, Lücken im kompakten Defensivverbund der Hoffenheimer auszumachen. "Wir haben den Plan umgesetzt, den uns der Trainer mit auf den Weg gegeben hatte. Schalke hatte gefühlt nur eine Torchance – die war dann allerdings drin", stellte Strobl in einer Mischung aus Stolz und Ärger fest.

Unter Stevens einen Schritt nach vorn gemacht

Auch Baumann lobte die stabile Grundordnung seiner Vorderleute, legte den Finger aber auch in die Wunde, die am meisten drückt: "Uns haben die klaren Torchancen und natürlich ein Tor gefehlt." Das Dilemma im letzten Spiel der Hinrunde beschreibt zugleich ein Kraichgauer Grundproblem. Mit ihrer defensiv orientierten Spielweise hat es die Mannschaft bisher nicht geschafft, parallel genügend Durchschlagskraft im Angriff zu entwickeln. Nur fünf Treffer gelangen in den letzten sieben Partien unter Stevens. Zu zaghaft und zögerlich wirkten die Offensivbemühungen in weiten Teilen nicht nur zum Jahresausklang auf Schalke; auch die Chancenverwertung ist ausbaufähig.

Trainer und Mannschaft wissen also genau, wo sie ansetzen müssen, um trotz der zweitschlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte zum Saisonende über dem Strich zu stehen. Dass man genau das tun wird, daran lässt Stevens keinen Zweifel: "Wir werden in der Pause mit frischen Köpfen für eine bessere Rückrunde arbeiten. Es sind noch viele Punkte zu gewinnen – die Tabelle nach 34 Spieltagen ist wichtig."

Und auch die Mannschaft glaubt an sich, ohne die prekäre Lage zu verkennen – auch das kann im Abstiegskampf ein wertvoller Pluspunkt sein. Sebastian Rudy bringt es auf den Punkt: "Wir haben unter Stevens einen Schritt nach vorne gemacht, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es wird ein enges Ding. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns da unten rauskämpfen."

Dietmar Nolte