München - Keine Mannschaft hat mehr Bundesliga-Jahre auf dem Buckel, keine andere Mannschaft ist seit der ersten Saison der Bundesliga vor etwas mehr als 48 Jahren immer dabei gewesen, Maskottchen Hermann - ein Dinosaurier - verdeutlicht ebenfalls, dass der Club das Urgestein der Liga ist.

Doch beim Hamburger SV läuft es in dieser Saison noch gar nicht nach Plan. Der HSV hat nach fünf Spieltagen nur einen Punkt auf dem Konto, weniger Zähler gab es für die Hanseaten zu diesem Zeitpunkt in der Bundesliga noch nie. Mit Platz 18 liegt die neuformierte Truppe weit hinter den eigenen Ansprüchen.

"Wir haben alle Möglichkeiten"

Doch der schwache Saisonstart muss nicht gleichbedeutend damit sein, dass der HSV seinen Nimbus als unabsteigbarer Club verliert. "Im untersten Tabellendrittel geht es eng zu", meint auch HSV-Sportdirektor Frank Arnesen. "Wir sind nicht abgeschlagen und haben alle Möglichkeiten. Aber natürlich müssen wir auch Spiele gewinnen."

bundesliga.de hat einen Blick in die Datenbank geworfen, zeigt die Problemstellen der Hamburger auf und nennt die Gründe, warum es am Saisonende doch noch gut für den HSV enden kann.

Hamburger Negativlauf

In dieser Saison stehen bereits vier Niederlagen gegen Dortmund, Bayern, Köln und Bremen für die Hamburger auf dem Tableau. Nur gegen Aufsteiger Hertha BSC gelang am 2. Spieltag ein Punktgewinn.

Saisonübergreifend hat die Mannschaft seit Mitte März kein Bundesliga-Spiel mehr gewonnen, der HSV ist nun seit zwölf Spielen sieglos. Nur ein Mal gab es für den Bundesliga-Dino historisch eine längere Durststrecke, in der Saison 1966/67 waren es 14 sieglose Spiele.

Anfällig bei ruhenden Bällen

Der HSV kassierte zudem schon 16 Gegentore, das sind gemeinsam mit Freiburg die meisten aller Clubs. Auch im Nord-Derby gegen den SV Werder Bremen schlug es zwei Mal im Netz der Hamburger ein. Beide Tore erzielte Werder nach einer Standardsituation (Freistoß und Ecke).

Bei Standards zeigt sich der HSV ohnehin sehr anfällig: Die Hamburger kassierten in dieser Saison schon sieben Gegentore nach einem ruhenden Ball, unter anderem die letzten vier (zwei Mal Freistoß, zwei Mal Ecke).

Der ruhende Ball ist aber nicht die einzige Schwachstellen, es läuft derzeit vorne und hinten nicht rund: Der HSV gab selbst die wenigsten Torschüsse ab (42) und ließ zudem die meisten für die Gegner zu (92, darunter 17 Großchancen).

Hamburger Aufholjagd

Der Start mit nur einem Zähler nach fünf absolvierten Partien ist allerdings nicht ganz neu für die Hanseaten. 1972/73 unter Trainer Klaus-Dieter Ochs und in der Saison 2003/04 mit Kurt Jara hatte der HSV nach dem 5. Spieltag ebenfalls nur einen Zähler. Abgestiegen ist der Bundesliga-Dauerbrenner aus Hamburg aber natürlich in beiden Jahren nicht.

2003/04 gelang sogar noch der Sprung auf Rang 8, allerdings erst nach dem Trainerwechsel von Kurt Jara zu Klaus Toppmöller.

Noch nichts verloren

In der Bundesliga-Geschichte gab es vor dem HSV bereits 34 Mannschaften, die nach fünf Spieltagen nur einen (oder weniger) Punkte auf dem Konto hatten. Nur knapp ein Drittel davon stieg am Saisonende ab (11 von 34).

In der jüngeren Vergangenheit zeigt die Historie ohnehin, dass mit einem schwachen Saisonstart noch lange nichts verloren ist. In den letzten 20 Jahren hatten zehn Mannschaften nach fünf Spieltagen einen oder keinen Punkt, neun davon schafften trotzdem den Klassenerhalt. Eine Statistik, die auch dem HSV Mut machen sollte.

Jessica Pulter