Im vergangenen Jahr erzielte 1899 Hoffenheim 42 Treffer und schloss die Hinrunde damit als angriffsstärkstes Team der Bundesliga ab. Mit tollem Offensivfußball sorgten die Hoffenheimer für Furore. Ein Grund dafür war die Treffsicherheit von Toptorjäger Vedad Ibisevic, der 18 Mal ins gegnerische Tor traf.

Seit dem Ausfall des Bosniers (Kreuzbandriss) gelang den Kraichgauern erst ein Sieg in der Rückrunde (2:0 gegen Cottbus). Die Leichtigkeit aus der Hinrunde scheint dem Bundesliga-Neuling abhanden gekommen zu sein.

"Der Ausfall von Ibisevic ist nicht so ohne weiteres zu ersetzen", sagt Francisco Copado.

Im bundesliga.de-Interview spricht der ehemalige 1899-Stürmer über seine Zeit in Hoffenheim und den bisherigen Saisonverlauf des Aufsteigers.

bundesliga.de: Francisco Copado, Sie sind 2006 von Eintracht Frankfurt aus der Bundesliga zu Hoffenheim in die Regionalliga gewechselt. Clubs vom Lande scheinen Ihnen zu liegen, Unterhaching und Hoffenheim ähneln sich in punkto Einwohnerzahl und Lage. Was ist das besondere Flair dieser "Dorfclubs"?

Francisco Copado: Außer diesen zwei Punkten sehe ich keine großen Parallelen zwischen Unterhaching und Hoffenheim. Es war halt so, dass 2006 das Angebot aus Hoffenheim kam und mit der Mission - von der Regionalliga in die Bundesliga aufzusteigen, um sich dort zu etablieren - ein großes Projekt vor Augen stand. Die Aufgabe hat mich gereizt und deshalb habe ich den Schritt in die Regionalliga gemacht.

bundesliga.de: War Ihnen beim Wechsel nach Hoffenheim damals schon klar, dass der Verein in absehbarer Zeit in der Bundesliga spielen würde?

Copado: Eine Vorraussetzung beim Wechsel war, dass man mir versicherte, alles dafür zu tun, in naher Zukunft in der Bundesliga zu spielen. Der Plan stand bereit, es wurden nur noch die passenden Spieler gesucht. Deswegen habe ich mich dafür entschieden.

bundesliga.de: Ist Trainer Ralf Rangnick tatsächlich ein solcher Detailfanatiker, wie es häufig heißt?

Copado: Mit Sicherheit ist er das, aber im positiven Sinne. Wenn man wie Ralf Rangnick von vorderster Position die Signale weitergibt, muss man diese Eigenschaft besitzen. Und für die "Mission" der Hoffenheimer war er der richtige Mann.

bundesliga.de: Waren Sie überrascht als 1899 die Hinrunde auf Platz 1 beendete?

Copado: Klar ist das überraschend, wenn du aus der 2. Bundesliga aufgestiegen bist und gleich Herbstmeister wirst. Aber die Mannschaft hat sich über Jahre entwickelt, und der Fortschritt ging immer weiter. Guter und ansehnlicher Fußball wurde gespielt. Dass die Herbstmeisterschaft nach so einer kurzen Zeit in der Bundesliga glückte, ist natürlich umso schöner.

bundesliga.de: Sie selbst haben das hoffnungsvolle Projekt im Januar in Richtung Unterhaching verlassen. Warum der Wechsel in die 3. Liga?

Copado: Ich überlegte mir schon in Hoffenheim zu bleiben. Aber ich musste mich entscheiden. Die Konkurrenz im Sturm war groß. Schließlich bin ich auch nicht mehr der Jüngste, und deswegen habe ich mich für einen Wechsel nach Unterhaching entschieden.

bundesliga.de: Sie sprechen es an, die Hoffenheimer verfügen über starke Angreifer. Hätten Sie Vedad Ibisevic eine solche Leistungsexplosion zugetraut? In der Vorsaison hatte er lediglich fünf Saisontore erzielt.

Copado: Vedad ist ein guter Fußballer und Stürmer. Im ersten Jahr fehlte ihm auch das nötige Glück. Die anderen waren besser und haben getroffen. Seine Entwicklung aber war sehr positiv, und in der Vorbereitung hat er den Sprung in die erste Elf geschafft. Dadurch wurde er selbstsicher und spielte eine starke erste Saisonhälfte.

bundesliga.de: In der Rückrunde lief es bislang noch nicht ganz so erfolgreich. Seit vier Spielen hat 1899 nicht mehr gewonnen. Ist der Ausfall von Toptorjäger Ibisevic die einzige Erklärung dafür?

Copado: An einer Person kann es nie fest gemacht werden. Vedad war natürlich sehr wichtig, weil er immer entscheidende Tore gemacht hat. Zwar sind die Hoffenheimer mit einem Sieg gegen Cottbus gut gestartet, aber da hat man schon gesehen, dass es nicht mehr so souverän wie in der Hinrunde lief. Jede Mannschaft hat mal einen Durchhänger und es gibt Momente, in denen es nicht mehr so gut läuft. Solch einen Moment hat 1899 zurzeit. Obwohl die Resultate für einen Aufsteiger noch immer zufriedenstellend sind. Aber klar ist auch, die Leichtigkeit oder der Überraschungsmoment aus der Hinrunde ist weg. Die gegnerischen Mannschaften stellen sich besser auf die Hoffenheimer ein. Aber in der Mannschaft steckt genug Potenzial, um da wieder herauszukommen. Der Ausfall einiger wichtiger Spieler war zusätzlich problematisch und die Mannschaft war nicht so perfekt eingestellt wie in der Hinrunde. Das zeigt sich auch an den gezeigten Leistungen. Ein Chinedu Obasi, einen Carlos Eduardo oder einen Vedad Ibisevic kann man nicht so ohne Weiteres ersetzen.

bundesliga.de: Was ist für Hoffenheim in dieser Saison noch möglich?

Copado: Ich gehe stark davon aus, dass sie oben bleiben und um die ersten fünf Plätze mitspielen. Am Ende wird ein internationaler Platz herauskommen.

bundesliga.de: Wann ist 1899 reif für die Meisterschaft?

Copado: Das wird die Zeit zeigen. Die Mannschaft ist talentiert, aber es fehlt noch etwas die Erfahrung. Aber sie sind ja gerade dabei diese zu sammeln.

Das Interview führten Denis Huber und Stefan Reiner