Sinsheim - Die TSG 1899 Hoffenheim ist neben RB Leipzig der einzige Club der Bundesliga, der in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Jetzt gab es einen 4:0-Sieg gegen 1. FC Köln. Der Erfolg der Hoffenheimer hat viele Gesichter.

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Worin liegt eigentlich das Geheimnis des Hoffenheimer Erfolges? Sebastian Rudy ist das in den vergangenen Wochen ziemlich oft gefragt worden, aber auch nach dem 4:0-Triumph gegen den 1. FC Köln gab der Mittelfeldspieler die gleiche Antwort wie zuletzt: "Wir spielen einfach guten Fußball", sagte der 26-Jährige, der ja selbst so gut spielt wie nie zuvor und mit seiner neuen Art sinnbildlich für die neue Hoffenheimer Spielweise steht.

Aus einem manchmal naiven, unentschlossenen Zauderer mit Potenzial ist ein aggressiver, energischer Profi geworden, der endlich dem Spiel der TSG seinen Stempel aufdrückt. Aggressivität, Siegeswille und Gier waren in der Vergangenheit nicht unbedingt die Attribute, die man mit Hoffenheim in Verbindung gebracht hat. Letztes Jahr noch fast abgestiegen, nun ein Europapokal-Kandidat - die Wandlung der TSG hat natürlich sehr viel mit dem Trainer Julian Nagelsmann zu tun, der die Kraichgauer zuerst vor dem Abstieg rettete und nun immer mehr nach seiner Idee formt.

Und auch wenn Rudys Erklärung banal zu klingen scheint, so trifft sie doch den Kern. Auch Nagelsmann sagt: "Ich glaube, unser Spiel macht den Spielern einfach Freude." Das ist auch nicht verwunderlich, neben Tabellenführer Leipzig ist Hoffenheim die einzige Mannschaft der Liga, die auch nach 13 Spieltagen noch ungeschlagen ist. Und gegen Köln zeigte die Nagelsmann-Elf die ganze Bandbreite ihrer Stärken.

Gelungene Transfers

In Hoffenheim haben sie im Sommer auf dem Transfermarkt viel richtig gemacht. Mit Sandro Wagner kam aus Darmstadt ein Mittelstürmer, der gegen Köln seine Saisontreffer sechs und sieben erzielte und mit seiner Spielweise (Nagelsmann: „Sandro ist nicht nur brav“) Siegeswille vorlebt. Rudy lobt Wagner: "Es ist gut, so einen Panzer vorne drin zu haben." Mit den gegen Köln fehlenden, aber bislang überzeugenden Lukas Rupp (Stuttgart) und Kerem Demirbay (HSV) kamen zwei Achter, die ebenso in Hoffenheim Erfolge feiern wollen wie die beiden Abwehrhünen Kevin Vogt (Köln) und Benjamin Hübner (Ingolstadt). Die Neuen kamen mit großen Ambitionen und erhöhten den Konkurrenzkampf.

In Hoffenheim stimmt zudem die Mischung zwischen ambitionierten Profis, die sich beweisen wollen, und aufstrebenden Talenten. Gegen Köln standen bei Abpfiff mit Niklas Süle, Jeremy Toljan, Nadiem Amiri, Philipp Ochs und Debütant Baris Atik fünf Spieler auf dem Platz, die im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurden. Dort also, wo der erst 29 Jahre alte Trainer Julian Nagelsmann bis März diese Talente selbst lange betreut hat. Dass er Atik brachte und stattdessen auf den chilenischen Star Eduardo Vargas im Kader verzichtete, erklärte Nagelsmann mit den überragenden Trainingsleistungen des jungen Technikers, den er für seinen Eifer der letzten Wochen habe belohnen wollen. Der Einsatz von Atik, den er noch selbst als Verantwortlicher im Nachwuchsbereich einst aus Mannheim verpflichtet hatte, runde einen wunderbaren Fußballtag ab, freute sich Alexander Rosen, der Direktor Sport bei der TSG. Und nach 13 Spieltagen kann Rosen unwidersprochen sagen: "Dass wir da oben stehen, ist kein Zufall mehr."

Am Ende wird abgerechnet

Und nun ist auch Mark Uth wieder fit. Nach langer Verletzungspause bereitete der Stürmer gegen seinen Ex-Klub nach seiner Einwechslung prompt Wagners 3:0 per Freistoßflanke vor (67.) und traf nach einer herrlichen Kombination sogar noch zum 4:0 (89.). Nagelsmann hat viele Optionen und nutzt diese. Wo die Grenzen dieser TSG liegen? Auf diese Frage hat Rudy auch die immer gleiche Antwort: "Wir wollen unsere Spiele gewinnen - dann schauen wir am Ende, wo wir landen."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter

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