Wolfsburg - "In der zweiten Hälfte haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht und hatten richtig gute Chancen. Zur Zeit möchte der Ball einfach nicht über die Linie," fasste TSG-Trainer Markus Gisdol die 0:3-Niederlage der Hoffenheimer beim VfL Wolfsburg kurz und knapp zusammen.

Es scheint der Wurm drin zu sein bei den Kraichgauern, die als einziges Bundesliga-Team alle drei Spiele im Jahr 2015 verloren haben. Den Glauben an seine Mannschaft hat Trainer Gisdol indes noch nicht verloren. "Die Mannschaft hat gegen Wolfsburg ein anderes Gesicht gezeigt, als in den letzten beiden Spielen. Das gibt Hoffnung."

Gisdol verwundert und enttäuscht

"Wir haben 0:3 verloren, aber irgendwie kann ich das nicht glauben", zeigte sich Gisdol nach der Partie verwundert und enttäuscht. Die Hoffenheimer scheiterten in Wolfsburg am neuen Traumduo de Bruyne/ Schürrle. Die beiden Wolfsburger Offensivkräfte bekamen die Kraichgauer in der Anfangsphase überhaupt nicht in den Griff und so musste die TSG nach weniger als einer halben Stunde bereits einem 0:2-Rückstand hinterherlaufen.

"Wir müssen die vielen Chancen, die wir uns erarbeiten einfach wieder reinmachen. Wenn es gut laufen würden, gehen die Dinger auch rein, aber momentan fehlt uns das entscheidende Quäntchen Glück", erklärte Stürmer Kevin Volland nach der Partie. Der Nationalspieler hatte selbst drei Torschüsse von denen aber nur einer auf das Gehäuse von VfL-Keeper Diego Benaglio kam

Von Wolfsburger Effizienz geschlagen

Die Wolfsburger waren einfach in puncto Effizienz den Hoffenheimern weit überlegen. Der VfL brauchte für seine drei Tore nur neun Versuche, bei der TSG waren es am Ende deren 16. "Auf der Leistung der zweite Halbzeit können wir aufbauen. Beim Tabellenzweiten haben wir uns extrem  viele Chancen herausgearbeitet. Nach der Pause wollten wir unbedingt auf das 2:1 gehen. Fast hätte das auch geklappt. Auch in der Defensive haben wir eigentlich gar nicht so viel zugelassen", strich  TSG-Torwart Oliver Baumann das Positive heraus.

Trotz der deutlichen Niederlage können die Hoffenheimer also vor allem aus der zweiten Halbzeit Mut für die kommenden Aufgaben schöpfen. Die Torschuss-Statistik in den zweiten 45 Minuten war bei der TSG zweistellig. 10:2 Torabschlüsse standen zu Buche.

Lichtblicke Amiri und Zuber

Seine Bundesliga-Premiere feierte in Wolfsburg Nadiem Amiri. Der 18-Jährige stand zuvor überhaupt erst einmal im Kader der Kraichgauer. Jetzt gleich das Startelfdebüt. "Zu Beginn war ich natürlich sehr nervös", gab der Youngster zu, "aber die Mannschaft hat mich unterstützt und nach ein paar Minuten war die Nervosität weg. Es ist etwas Besonderes, gleich gegen eine der besten Teams der Liga spielen zu dürfen. Ich habe mich gefreut, auch wenn wir leider nicht punkten konnten."

Amiri überzeugte im Spiel der Hoffenheimer vor allem mit einer Top-Laufleistung. Insgesamt lief  er mit 11.92 km, am meisten bei seinem Team - von allen Spielern auf dem Platz lief nur Wolfsburgs Arnold noch etwas mehr (11.96 km). In der zweiten Halbzeit machte nach seiner Einwechslung auch sein Schweizer Teamkollege Steven Zuber eine starke Partie und empfahl sich für weitere Einsätze. Der 23-Jährige wirbelte über die linke Seite und machte mächtig Betrieb im Offensivspiel der Hoffenheimer. Der aus Moskau gekommene Zuber gewann dabei sogar 100 Prozent seiner Zweikämpfe und gab alleine drei Torschüsse ab.

Warten auf das Glück – jetzt kommt der VfB

"Im Moment fehlt uns einfach ein wenig Glück", erklärte Oliver Baumann. Am kommenden Wochenende empfangen die Kraichgauer dann den Tabellenletzten VfB Stuttgart. Noch müssen bei der TSG in Richtung Abstiegskampf keine Alarmglocken läuten, doch Baumann schätzt die Situation realistisch ein.

"Jedem von uns ist bewusst, wie eng die Tabelle ist. Nach einem Sieg oder einer Niederlage kann es wieder ganz anders aussehen. Es ist sehr ärgerlich, dass wir dreimal in Folge verloren haben. Gegen den VfB wird es nicht einfach, der befindet sich als Schlusslicht in einer besonderen Situation."

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage