Schon vor der Saison hatte Jürgen Klinsmann viel übrig für 1899 Hoffenheim. Nun, nach neun Spieltagen und eindrucksvollen Siegen des Aufsteigers, folgt die offizielle Adelung.

"Sie werden am Ende der Saison unter den ersten Fünf stehen. Und nachdem, was sie in den ersten neun Spielen abgeliefert haben, gehe ich auch davon aus, dass sie sogar ein Konkurrent um den Meistertitel werden", erklärte Klinsmann auf "fcb.tv".

Einerseits gefällt Klinsmann das langfristig angelegte Konzept, an dem unter anderem der von ihm sehr geschätzte Sportdirektor Bernhard Peters mitgewirkt hat.

"Mit dieser Mannschaft, die sie mit dieser Akribie und konzeptionellen Arbeit im Hintergrund aufgebaut haben, werden sie sehr weit kommen", prophezeit Klinsmann.

Hoffenheim überrascht jede Woche aufs Neue

Andererseits kommt den Hoffenheimern auch der Bonus eines Aufsteigers zu Gute: die niedrige Erwartungshaltung. "Man erwartet keine Wunderdinge von den Spielern, sie können also jede Woche aufs Neue für Überraschungen sorgen." Und das tun sie bislang auch sehr konsequent.

Hoffenheim sorgt bislang in der Liga mit dem Stil für Furore, den Klinsmann eigentlich für seine Bayern vorgesehen hatte: schnelles Umschalten von Defensive auf Offensive, wenig Ballkontakte, den Gegner immer wieder überrumpeln.

"Immer ans Maximum gehen"

Aber Klinsmanns Team hat zuletzt ja durchaus Fortschritte gemacht, in der vergangenen Woche gab es drei Siege am Stück.

"Vom Fitnesslevel sind wir jetzt da, wo wir uns hinarbeiten wollten. Das entscheidende in den nächsten Wochen wird der Wille sein, immer ans Maximum zu gehen, immer die hundert Prozent zu geben. Das ist für die Spieler schwer, alle drei, vier Tage die Leistung auf die gleiche Weise abzurufen, aber deswegen sind wir beim FC Bayern und deswegen werden wir das auch schaffen", sagt Klinsmann.

Lob für Klose

Miroslav Klose ist wohl derjenige im Team, der zuletzt den größten Sprung gemacht hat. "Für uns ist er deswegen so enorm wichtig, weil er immer ein Geber für die Mannschaft ist. Auch wenn er einen schlechten Tag hat, opfert er sich für die Mannschaft auf. Ich messe ihn nicht unbedingt nur an Toren. Wenn er so wie jetzt gegen Wolfsburg drei Tore mit vorbereitet, sind wir sehr glücklich", lobt Klinsmann.

Am Mittwoch gegen Frankfurt rechnet er mit einer schwierigen Auseinandersetzung: "Wir erwarten ein sehr, sehr schweres Spiel, ein Tollhaus. Ich kann mir vorstellen, dass Frankfurt sehr stark auf die Defensive Wert legen wird. Wir müssen schauen, dass wir den Ball sehr schnell zirkulieren lassen, um Löcher in der Defensive zu finden. Wir müssen bereit sein, alles abzurufen. Das wird kein Spaziergang, sondern ein sehr happiges Spiel."

Toni fehlt gegen Frankfurt

Die Siegesserie soll sich dennoch fortsetzen. "Jetzt sind wir wieder oben dran und müssen sofort nachlegen, um in der Tabelle da hinzukommen, wo wir auch stehen wollen", fordert Klinsmann.

Verzichten muss er allerdings auf Stürmerstar Luca Toni. "Das Spiel kommt noch zu früh für ihn", sagte der Trainer. Dem Italiener macht eine Rippenprellung zu schaffen.

Bei Philipp Lahm wird es sicher noch ein bisschen länger mit einer Rückkehr dauern als bei Luca Toni.

Lahm auf dem Weg der Besserung

Dem Fuß gehe es "sehr gut. Ich werde noch zwei, drei Tage die Schiene dran haben, dann wird noch mal eine Kernspintomographie gemacht, und dann wird man sehen, wie sich der Knochen erholt hat", sagte Lahm am Montagabend in der Sendung "Blickpunkt Sport" im Bayerischen Fernsehen.

Lahm hatte beim Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz einen Anbruch im rechten äußeren Fußwurzelknochen erlitten. Deshalb war der Fuß ruhig gestellt worden. Wie lange Lahm noch ausfällt, ist offen.

Michael Gerhäußer