Sinsheim - Oliver Baumann war der erste Spieler der TSG 1899 Hoffenheim, der nach dem aufregenden 2:2 gegen Borussia Dortmund zugab, „enttäuscht“ zu sein. „Es fühlt sich ein bisschen wie eine Niederlage an“, erklärte Baumann. Dieser Satz sagt viel über das Selbstvertrauen der Hoffenheimer aus, wenn sie sich mehr über das neunte Remis in dieser Saison ärgern, als sich darüber zu freuen, auch nach Spieltag 15 weiter die einzige ungeschlagene Mannschaft im deutschen Profifußball zu sein.

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Baumann betonte dann auch: „Wir stehen zu Recht da, wo wir stehen.“ Direkt nach dem Abpfiff am Freitagabend bedeutete das Tabellenrang drei, der in der Schlusstabelle zur Teilnahme an der Champions-League berechtigen würde. Und das Selbstvertrauen ist ja kein unbegründet geliehenes bei der TSG von Trainer Julian Nagelsmann, sondern ein gewachsenes. Vom Fast-Absteiger zum Europapokal-Kandidat hat sich diese Elf in den letzten neun Monaten unter diesem mutigen Trainer entwickelt. Und in Hoffenheim haben sie nicht vergessen, wo sie herkommen, auch wenn sie das nicht hindert, groß zu denken: „Wir müssen weiter gierig bleiben“, fordert Baumann, „aber auch demütig.“

Nagelsmann bewertet es als ein generell gutes Zeichen, dass seine Mannschaft unzufrieden sei. Aber er könne das Remis schon richtig einschätzen. Wobei auch er glaubte, dass seine Elf näher am Sieg war. Es stimmt: Der eingewechselte Andrej Kramaric hätte in der 89. Minute das 3:2 erzielen müssen - schoss aber BVB-Torwart Roman Weidenfeller den Ball aus zehn Metern in die Arme. Und hätte Sandro Wagner nach einer tollen Kombination in Minute 48 nicht den Pfosten getroffen, sondern zum 3:1 für Hoffenheim, wäre die Partie womöglich entschieden gewesen.

Aufregender Schlagabtausch

Dass im direkten Gegenzug Pierre-Emerick Aubameyang nach einem herrlichen Pass des sensationellen Ousmane Dembele zum 2:2 und seinem 16. Saisontreffer traf, zeigte dann vor allem, wie aufregend dieser Schlagabtausch zweier Spitzenteams gewesen war. Wagner, der eine ganz starke Leistung gezeigt, und per Kopf das 2:1 (20.) und seinen achten Saisontreffer erzielt hatte, nannte diese 48. Minute und seinen Pfostenschuss „den Knackpunkt“ der Partie.

Wagner gehört zu den Gewinnern dieser Saison in Hoffenheim. Der Zugang von Darmstadt 98 verkörpert mit seiner aggressiven Spielweise jene „Männlichkeit“, die Trainer Nagelsmann von seinen Spielern vor der Saison gefordert hatte. Und auch die beiden wuchtigen Zugänge in der Defensive, Kevin Vogt (kam aus Köln) und Benjamin Hübner (Ingolstadt) stehen für mehr Lufthoheit und mehr Zweikampfstärke. Hübner bereitete am Freitag sogar beide TSG-Treffer vor, auch das 1:0 von Mark Uth schon nach anderthalb Minuten.

Uth kam erstmals nach seiner Verletzung für Kramaric wieder in der Startelf zum Einsatz und überzeugte. Fast jeder Spieler zeigt eine positive Entwicklung: Ob Mittelfeldchef Sebastian Rudy, oder die beiden Achter Kerem Demirbay und Nadiem Amiri, Rechtsverteidiger Pavel Kaderabek oder der zum Nationalspieler aufgestiegene Niklas Süle - sie alle sind besser geworden. „Man muss uns erst mal besiegen“, sagt Süle: „Wir sind eine super Gemeinschaft, jeder ist für den anderen da.“

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Wo die Grenzen dieser Elf liegen? Süle meint: „Wenn wir weiter gierig bleiben, ist viel drin.“ Aber der 21-Jährige warnt auch: „Wir hatten schon einmal 27 Punkte nach der Vorrunde und sind dann abgekackt.“ Dass das noch einmal passiert, glaubt er allerdings nicht und hofft viel mehr, dass am Mittwoch zum Abschluss des Kalenderjahres im Heimspiel gegen Werder Bremen die Punkte 28, 29 und 30 für die Hoffenheimer dazu kommen.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter

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