Sinsheim - In knallgelbem Outfit feierte Timo Hildebrand sein Bundesliga-Comeback an alter Wirkungsstätte. Vor drei Monaten hatte Eintracht Frankfurt den vereinslosen ehemaligen Torwart der TSG Hoffenheim verpflichtet, weil sich Stammkeeper Kevin Trapp verletzt hatte.

Und weil Trapps Stellvertreter Felix Wiedwald unter der Woche an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankte, stand der 35 Jahre Hildebrand am Freitagabend plötzlich wieder als Nummer 1 bei einem Bundesligaspiel zwischen den Pfosten. Hildebrand wirkte erstaunlich souverän, doch der Routinier konnte die 2:3-Niederlage der Eintracht bei der TSG Hoffenheim nicht verhindern. Und nach seinem 299. Bundesligaeinsatz sagte Hildebrand trotz der Niederlage: "Es war schön wieder zu spielen, das hat Spaß gemacht." Das turbulente Spektakel bot auch für die Zuschauer einen hohen Spaßfaktor.

Firmino ist der überragende Mann

Am Ende entschied ein Tor kurz vor dem Abpfiff durch den überragenden Roberto Firmino die Partie. "Wir bekommen zu leicht unsere Gegentore", haderte Eintracht-Trainer Schaaf, aber er wollte auch Positives sehen: "Meine Mannschaft hat auch zwei Mal einen Rückstand wieder aufgeholt. Wir ärgern uns jetzt, aber die Mannschaft wird das wegstecken bis zum Heimspiel am Mittwoch gegen Berlin." Die Frankfurter Siegesserie ist nach zuvor drei Siegen in Serie jetzt zwar gerissen, aber das Selbstvertrauen der Spieler ist durch die Erfolge zuletzt deutlich gestiegen.

Für Hoffenheim war dieser Sieg enorm wichtig. Die TSG überholte Frankfurt dadurch in der Tabelle und hält mit nun 23 Punkten den Kontakt nach oben. "Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen", analysierte TSG-Manager Alexander Rosen. Diese Perspektive ist für die ambitionierten Hoffenheimer wichtig. Und mit einem Sieg am kommenden Mittwoch im Heimspiel gegen die ähnlich radikal offensiven Leverkusener könnte die Basis für eine hervorragende Ausgangsposition für die Rückrunde gelegt werden. Dennoch hatte dieses Erfolgserlebnis für die Badener einen "Wermutstropfen", wie Trainer Markus Gisdol bemerkte.

Süle verletzt sich schwer

Innenverteidigertalent Niklas Süle verletzte sich schwer und musste schon nach acht Minuten auf einer Bahre vom Platz getragen werden. Der U21-Nationalspieler war während eines Laufduells mit dem Frankfurter Stürmer Haris Seferovic umgeknickt. Süle wurde mit einem Kreuzbandriss im linken Knie in die Uni-Klinik Heidelberg eingeliefert.

Für den 19-Jährigen kommt die Verletzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt, er hatte sich als erster Verteidiger mit sehr guten Leistungen gerade etabliert. Die Gedanken der Mitspieler waren nach den Abpfiff auch dann bei ihrem Kollegen. "Das war dann auch ein Sieg für Niklas", sagte Pirmin Schwegler. Der ehemalige Kapitän der Eintracht zeigte beim ersten Aufeinandertreffen gegen die alten Kollegen gute starke Leistung. Bester Mann auf dem Platz aber war Firmino. Wieder einmal.

"Keine Mannschaft für ein 1:0"

In einer von vielen Zweikämpfen, viel Leidenschaft und vielen ungenauen Zuspielen geprägten ersten Halbzeit genügte Hoffenheim ein Geniestreich des Brasilianers zwei Minuten vor dem Pausenpfiff zur Führung. Der Nationalspieler setzte sich im Mittelfeld gegen Makoto Hasebe durch und passte genau in den Lauf von Kevin Volland, der Eintracht-Torwart Hildebrand umkurvte und den Ball ins Tor schob.

Und am Ende war es nicht ohne Grund der fleißige Brasilianer, der das Spiel entschied.  Nach einer starken Parade von Hildebrand und einer anschließenden Hackentrick-Vorarbeit von Szalai drückte Firmino den Ball zum Siegtreffer über die Linie. "Roberto zeigt seine Klasse Woche für Woche, er ist ein Spieler wie man ihn sich wünscht", sagte Manager Rosen.

Hoffenheim ist wieder Spektakel und auch Trainer Markus Gisdol sagt: "Wir sind einfach keine Mannschaft für ein 1:0." Den Zuschauern gefällt das.

Tobias Schächter