München - 1899 Hoffenheim stand in der vergangenen Saison für berauschenden Offensiv-Fußball bei bisweilen desaströsem Abwehrverhalten. Der Tabellenneunte schoss 2013/14 mehr Tore als Schalke 04 oder Bayer Leverkusen, die in der kommenden Spielzeit in der Champions League bzw. der Qualifikation zur Königsklasse spielen. Die TSG kassierte allerdings auch die zweitmeisten Gegentreffer (70) der Liga - einzig der beinahe abgestiegene Hamburger SV war anfälliger (Abschluss-Tabelle).

Die Flut an Gegentoren kostete also die mögliche Europapokal-Teilnahme. Das haben auch die Verantwortlichen erkannt und deshalb bereits einige Transfers unter Dach und Fach gebracht, die dieses Manko zukünftig beheben sollen. Dabei setzen die Kraichgauer vor allem auf gestandene Spieler, die die junge Mannschaft führen sollen.

Oliver Baumann

Besonders auf der Torwartposition bestand bei 1899 Nachholbedarf. Koen Casteels, die etatmäßige Nummer 1, gilt zwar als vielversprechendes Talent. Mit seinen 21 Jahren ist der junge Belgier in seinem Torwartspiel allerdings noch längst nicht ausgereift und war deshalb oft nicht der sicherste Rückhalt. Nach seinem Schienbeinbruch wurde er von Jens Grahl vertreten. Der vier Jahre ältere Grahl spielte solide, doch den Europapokal-Ambitionen der Hoffenheimer wird auch er wohl nicht gerecht.

Im Hinblick auf die zukünftige Positionierung in der Bundesliga ist daher die Verpflichtung von Oliver Baumann ein deutliches Signal. Das Freiburger Urgestein war beim Sport-Club ein absoluter Führungsspieler und Leistungsträger. Baumann ist zwar auch noch relativ jung - am 2. Juni wird er 24 -, bringt aber trotzdem schon sehr viel Erfahrung mit. In den vergangenen vier Spielzeiten stand er beim SCF zwischen den Pfosten und bewährte sich sowohl im Abstiegskampf als auch in der Europa League.

Die nackten Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen Casteels und Neuzugang Baumann. Während der Belgier gerade einmal 56 Prozent der Torschüsse, die auf sein Tor flogen, abwehren konnte, parierte Baumann starke 71 Prozent der gegnerischen Versuche. Darüber hinaus war der ehemalige Freiburger an nahezu allen Saisonsiegen seiner Mannschaft mit entscheidenden Paraden maßgeblich beteiligt. Dass auch der 24-Jährige nicht von Patzern verschont bleibt, steht seit der 3:0-Pleite gegen den HSV außer Frage - damals verschuldete Baumann alle drei Gegentreffer. Doch schon in der nächsten Partie bewies der Keeper seine mentale Stärke und hielt erneut überragend.

Pirmin Schwegler

Die zweite große Schwäche der Hoffenheimer in der vergangenen Saison war das Umschaltspiel. Im Bemühen um einen schnellen Gegenstoß ging 1899 oft zu viel Risiko, so dass der Ball schnell wieder beim Gegner landete. Neuzugang Pirmin Schwegler von Eintracht Frankfurt soll daher der neue Taktgeber im Mittelfeld werden und die hohe Fehlpassquote (28 Prozent) seines neuen Arbeitgebers eindämmen. Zum Vergleich: Hoffenheims Mittelfeldmotor Eugen Polanski hatte in der vergangenen Saison eine Fehlpassquote von 27 Prozent, Schwegler von unter 20 Prozent.

Hinter dem 27 Jahre alten Schweizer Nationalspieler, der trotz seiner spielerischen Stärken auch ein gutes Zweikampfverhalten an den Tag legt, liegen bereits acht Spielzeiten in der Bundesliga und 2. Bundesliga. Damit bringt Schwegler - ähnlich wie Baumann - eine Menge Erfahrung in die Hoffenheimer Mannschaft, die im letzten Jahr die zweitjüngste der Bundesliga war. 

Ermin Bicakcic

Der Dritte im Bunde der Neuzugänge ist Ermin Bicakcic vom Absteiger Eintracht Braunschweig. 2013/14 hatte Hoffenheim mit David Abraham, Niklas Süle und Jannik Vestergaard nur drei etatmäßige Innenverteidiger. Die Kraichgauer waren auf dieser Position - wie sich im Verlauf der Saison zeigen sollte - nicht breit genug aufgestellt, denn Abraham fiel häufig verletzungsbedingt aus. In der Not musste oftmals Defensiv-Allrounder Tobias Strobl aushelfen. Die Verpflichtung des 24 Jahre alten Bicakcic ist von daher durchaus sinnvoll, zumal die jungen Verteidiger Süle und Vestergaard nicht immer sattelfest wirkten.

Ob sich der Bosnier in die Startelf spielen wird, bleibt abzuwarten. Denn die neuen Kollegen in Hoffenheim sind ihm in den meisten Kategorien überlegen. Insbesondere gegen den 18 Jahre alten Süle fällt Bicakcic im Zweikampfverhalten, der Schnelligkeit oder im Passspiel ab. Auch hier wirft der Neuzugang aber ein gern gesehenes Gut in die Waagschale - seine Erfahrung. Der Nationalspieler war in Braunschweig unverzichtbar und hielt die respektable Defensive der Eintracht zusammen, die am Ende vor allem aufgrund der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive abgestiegen ist.

David Meininger