Weltfußballer Lionel Messi will sein erstes Tor erzielen, Abwehrchef Martin Demichelis möchte seine Kritiker widerlegen - und Trainer Diego Maradona zittert vor Thomas Müller.

"Dieser Junge ist verdammt schnell und hat viele Freiheiten. Wenn wir einen Marathon laufen müssten, würde Deutschland dank Müller gewinnen", sagt Argentiniens Nationalcoach vor dem WM-Viertelfinale gegen die DFB-Elf am Samstag (ab 15:30 Uhr im Live-Ticker) in Kapstadt: "Aber im Fußball geht es ja nicht nur ums Laufen. Mit dem Ball am Fuß sind wir besser."

Messi zurück im Training

Maradona hofft besonders auf eine Sternstunde seiner Offensive. Auf Gonzalo Higuain, der mit vier Treffern die Torjägerliste der WM anführt. Auf Carlos Tevez, der Mexiko im Achtelfinale mit einem Doppelpack erledigte. Und vor allem auf Messi. Allerdings konnte der hochgelobte Wunderknabe dem Turnier noch nicht wie erhofft seinen Stempel aufdrücken. Messi dribbelt, trickst und wirbelt zwar. Ein Tor war dem 23-Jährigen aber noch nicht vergönnt. Nun schwächt ihn auch noch eine Erkältung.

Am Donnerstag konnte Messi nicht trainieren, am Freitag war er allerdings wieder mit dabei, so dass sein Einsatz gegen Deutschland wohl nicht gefährdet ist. "Messi ist der beste Spieler der Welt. Er wird uns zum WM-Titel führen", wiederholt Maradona bei jeder Gelegenheit und lässt keine Kritik an seinem legitimen sportlichen Nachfolger zu. In der Heimat wird allerdings schon daran gezweifelt, ob Messi das Zeug dazu hat, der "Albiceleste" den Cup zu bescheren. Zuletzt war dies dem damals überragenden Ballzauberer Maradona bei der WM 1986 gelungen.

Demichelis nicht sattelfest

"Es ist an der Zeit, zu Diego zu werden. Die Mannschaft braucht eine Steigerung von Messi", fordert die argentinische Tageszeitung El Clarin: "Es gibt dafür keinen besseren Moment, als das Spiel gegen Deutschland. Entweder es gelingt - oder wir fahren nach Hause." Der Hoffnungsträger selbst bittet weiter um Geduld und wettet inzwischen regelmäßig mit Maradona darum, on er im jeweils nächsten WM-Spiel endlich treffen wird.

Doch selbst wenn sich Messis Durststrecke auch gegen die DFB-Elf fortsetzen sollte, verfügen die Südamerikaner über genug andere gefährliche Offensivwaffen. Die einzige Schwachstelle scheint die bisher kaum geforderte Abwehrreihe zu sein. Trotz nur zwei Gegentreffern in vier Spielen wirkte die Viererkette um Demichelis nicht immer sattelfest. Die Kritik macht sich besonders an dem Münchener fest.

"Das sollte man nicht so wichtig nehmen"

"Ich bin der Spieler, der am meisten hinterfragt wird. Aber es ist mir lieber, wenn ich kritisiert werde und nicht die Offensivspieler. Es ist wichtig, dass sie das volle Selbstvertrauen haben", sagt der Bayern-Profi, der Maradona vor dem Duell am Samstag fleißig mit Insider-Informationen aus der Bundesliga versorgte: "Ich kenne sie alle. Vom Torwart bis zu Miroslav Klose. Sekunden oder Zentimeter können den Unterschied machen. Wir müssen sehr vorsichtig sein."

Keine große Bedeutung misst Demichelis derweil den Psychospielen vor der Partie bei. Sein Münchener Vereinskollege Bastian Schweinsteiger hatte die Argentinier für deren vermeintlich provokatives Auftreten auf und neben des Feldes kritisiert. Maradona konterte entsprechend. "Das sollte man nicht so wichtig nehmen und keine Polemik beginnen", meint Demichelis: "Die Antworten müssen wir auf dem Platz geben."

Für Argentinien soll das Duell in Kapstadt auch zur Revanche für das WM-Viertelfinale 2006 werden. Damals hatten die Deutschen die Albiceleste mit einem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen aus dem Turnier verabschiedet. "Meine Jungs wollen Revanche nehmen. Wir werden voll auf Angriff spielen", sagt Maradona und kann sich eine neue Spitze in Richtung Schweinsteiger nicht verkneifen: "Er wird auf dem Platz live und in Farbe sehen, dass wir Fußball spielen können."