Hannover - Am 1. Mai 2010 fegte Hannover 96 am 33. Spieltag der vergangenen Saison Borussia Mönchengladbach mit 6:1 aus der AWD-Arena und machte einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach diesem Kantersieg wollten die Niedersachsen den ersten von drei Schritten Richtung Champions League machen.

Am Ende freuten sich die Rheinländer über drei Punkte im Kampf um den Verbleib in der Bundesliga. Der Tabellen-Vorletzte hatte den Dritten "mit unseren eigenen Waffen geschlagen", gab Mirko Slomka zu und zollte den Gästen Respekt: "Der Sieg war absolut verdient."

Das war zu wenig

"Wir hatten unsere erste Chance erst in der 60. Minute. Für ein Heimspiel in unserer Situation war das ein bisschen wenig", beschrieb Hannovers Coach die Harmlosigkeit seiner Mannschaft.

"Wir wollten mit einem Sieg vorlegen und dadurch die Bayern unter Druck setzen. Das ist in der Vorwoche gelungen", spielte der 43-Jährige auf das Duell mit dem FC Bayern München um den Champions-League-Qualifikationsplatz an.

Slomka schreibt Champions League ab

Am 31. Spieltag hatte Hannover ein 3:1 in Freiburg vorgelegt und den Rekordmeister, der in Frankfurt nicht über ein 1:1 hinauskam, vom 3. Platz verdrängt.

"Ich befürchte, meine Ex-Schalker werden mir nicht helfen können", hatte Slomka aber wenig Hoffnung, dass sich die Geschichte an diesem Spieltag wiederholen könnte. "Ich glaube, dass die Bayern ihre letzten drei Spiele gewinnen werden", schrieb Slomka die Champions League ab.

Nicht am Druck gescheitert

Wie lässt sich der müde Auftritt der drittbesten Heimmanschaft der Liga vor 48.000 Zuschauern bei herrlichem Fußballwetter erklären? War der Druck für den Beinahe-Absteiger der Vor-Saison so kurz vor dem Ziel Champions League zu groß?

Die Frage von bundesliga.de verneint Jan Schlaudraff ebenso wie alle anderen Befragten. "Wir haben doch seit Wochen Druck", sagte der Angreifer, der seine Profi-Karriere 2002 bei Borussia Mönchengladbach begann. Vor Erreichen der Europa League sei der Druck viel größer gewesen. Außerdem sei es doch ein "positiver Druck, denn wir haben mehr erreicht, als wir vor der Saison geglaubt hatten."

"Es ist menschlich"

"Es gibt nun mal Spiele, wo es nicht so läuft", gab der Ex-Nationalspieler eine ebenso simple und einfache Erklärung für die überraschende Niederlage wie sein Mannschaftskollege Konstantin Rausch: "Es ist menschlich, dass es mal nicht so läuft. Es gibt keine Mannschaft, die 34 Spieltage konstant auf hohem Niveau spielen kann."

"Es war sowohl läuferisch als auch fußballerisch einfach zu wenig", gab Kapitän Steven Cherundolo zu. Außerdem habe das Glück gefehlt. "Wir haben schon Spiele gehabt, wo wir auch nicht so gut waren, aber die haben wir gewonnen."

Ron-Robert Zieler sprach von der "schlechtesten Leistung in der Defensive, seit ich im Tor stehe. So viel habe ich noch nie zu tun gehabt." Aber der Keeper wollte es nicht dabei belassen, die Pleite ausschließlich an eigenen Unzulänglichkeiten festzumachen: "Man muss auch mal den Gegner loben. Die haben ein richtig gutes Spiel gemacht", hob der 22-Jährige die Leistung der Gäste heraus.

"Dürfen nicht locker lassen"

Auch wenn Hannover die Champions League nicht mehr aus eigener Kraft erreichen kann, das Fünkchen Hoffnung hält man bei den Roten am glimmen. "Die Bayern sind in dieser Saison schon häufiger ausgerutscht. Warum soll das nicht noch einmal passieren", relativierte Slomka seine Aussage nur wenig später. "Wir dürfen nicht locker lassen." "Wir werden noch mal alles geben", verspricht Schlaudraff vor den abschließenden Partien in Stuttgart und gegen den 1. FC Nürnberg.

Dass so eine Einstellung belohnt werden kann, weiß man an der Leine aus eigener Erfahrung: In der Vor-Saison wurde am 34. und letzten Spieltag der Abstieg vermieden. Warum sollen sich Wunder nicht wiederholen und am Ende dieser Spielzeit die Champions-League-Teilnahme stehen.

Jürgen Blöhs