München - Louis van Gaal und Armin Veh sind immer noch die Cheftrainer ihrer Clubs, trotzdem steht der Klassiker zwischen dem FC Bayern München und dem Hamburger SV unter ganz besonderen Vorzeichen. Auch in anderen Stadien hoffen die Mannschaften am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) auf einen Befreiungsschlag.

FC Bayern München - Hamburger SV

Turbulente Tage haben sowohl der FC Bayern als auch der HSV hinter sich. Münchens Trainer van Gaal wird nach einem Gespräch mit dem Vorstand den Club nach der Saison verlassen, bei den Hamburgern hat Coach Armin Veh von sich aus bekannt gegeben, dass er den Hanseaten ab Sommer nicht mehr zur Verfügung steht. Beide Clubs wollen aber mit ihren Übungsleitern die Saison zu einem positiven Abschluss bringen, doch dafür muss endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis her.

Der FC Bayern hat zuletzt drei Pflichtspiele hintereinander verloren, darunter das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Schalke und in der Bundesliga gegen Hannover und Dortmund. Das war dem Rekordmeister seit mehr als zehn Jahren nicht mehr passiert. Gegen den HSV muss nun unbedingt ein Sieg her, nicht nur um den Abstand auf die Champions-League-Plätze nicht größer werden zu lassen, sondern um sich für das wichtige Rückspiel gegen Inter Mailand am Dienstag einzustimmen. "Das Wichtigste ist, noch in die Champions-League-Ränge kommen. Keiner in der Mannschaft hat Lust, nächstes Jahr in der Europa League zu spielen", erklärt Bastian Schweinsteiger, der nach Gelb-Sperre zurück ins Team kommt. Fehlen wird dagegen der Rot-gesperrte Breno.

Doch auch die Hamburger haben ihr Ziel mit den Europa-League-Plätzen noch nicht aufgegeben und wollen die Schwächephase der Bayern nutzen. "Sie werden sicherlich versuchen, mit aller Macht zu gewinnen", ist sich Veh sicher. "Wenn wir mit Lauf- und Zweikampfstärke - also den Tugenden, die immer zählen - dagegen halten, dann haben wir eine Chance. Es wird allerdings keine leichte Aufgabe", weiß der Übungsleiter: "Es ist das Aufeinandertreffen zweier angeschlagener Mannschaften". Veh muss zudem ein paar Veränderungen in der Aufstellung vornehmen. Joris Mathijsen (Folgen eines doppelten Bänderrisses) fällt genauso aus wie Guy Demel (Wadenprellung). Heiko Westermann wird den Niederländer in der Innenverteidigung ersetzen, Tomas Rincon den Ivorer hinten rechts. Im Mittelfeld bekommt links Eljero Elia eine Chance, auch David Jarolim ist als Sechser wieder mit von der Partie.




FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt

Wenn die Nebengeräusche rund um Trainer Felix Magath nicht wären, der FC Schalke 04 müsste eigentlich auf Wolke sieben schweben. Erst der Einzug ins DFB-Pokal-Finale, dann erreichten die "Knappen" am Mittwoch durch ein 3:1 gegen den FC Valencia das Champions-League-Viertelfinale. Nur in der Bundesliga läuft es immer noch nicht rund. Seit drei Spielen hat Schalke keinen Sieg mehr eingefahren. Aufsichtsratvorsitzender Clemens Tönnies lud nun Magath fürs Wochenende zu einem intensiven Gespräch ein.

Mit Eintracht Frankfurt kommt aber erstmal ein Gegner, der eine noch längere Durststrecke hat. Frankfurt hat in der Rückrunde überhaupt noch nicht gewonnen, selbst ein Tor wollte den Hessen noch nicht gelingen. Schalkes Christoph Metzelder erwartet trotzdem eine "knüppelharte Partie, nachdem wir gegen Valencia sehr viel investiert haben".

Die Frankfurter müssen aber gleich auf drei Leistungsträger verzichten. Benjamin Köhler hat sich einen Muskelfaserriss im rechten Adduktorenbereich zugezogen. Auch der gesperrte Maik Franz wird der Eintracht auf Schalke fehlen. Patrick Ochs erlitt einen Bänder- und Kapselriss im linken Sprunggelenk und fällt voraussichtlich drei Wochen aus. "Trotzdem glauben wir daran, dass wir die Kurve kriegen werden", weiß Trainer Michael Skibbe um den steigenden Druck: "Wir müssen uns jedoch der Tatsache bewusst sein, dass wir uns bis zum letzten Spiel im Abstiegskampf befinden werden. Aber diesen Kampf nehmen wir bis zur letzten Spielminute auf."




VfL Wolfsburg - 1. FC Nürnberg

Wolfsburgs Cheftrainer Pierre Littbarski fordert gegen den "Club" von seiner Mannschaft die Tugenden aus dem letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, das man mit 2:1 gewann: "Da haben wir eng am Mann gearbeitet, in Leverkusen waren wir viel zu weit weg." Nicht nur der Coach, sondern auch die Fans erwarten eine Reaktion auf die deutliche 0:3-Auswärtsniederlage bei Bayer. "Entscheidend ist die Einstellung. Entscheidend ist, nicht verlieren zu wollen", erklärt Littbarski, der in den vergangenen Tagen viele Einzelgespräche führte.

Während es beim VfL Wolfsburg aktuell keine einfachen Zeiten sind, haben die Gäste einen äußerst positiven Lauf. Seit sieben Spieltagen sind die Franken ungeschlagen, besiegten am vergangenen Samstag St. Pauli klar und deutlich mit 5:0. "Nürnberg hat sehr bewegliche Spieler. Wir müssen uns ihrem Offensivdrang stellen, indem wir die Zweikämpfe für uns entscheiden. Die Mannschaft darf sich nicht unterkriegen lassen und muss ihren Gegenspielern den Schneid abkaufen", so Littbarski. Verzichten müssen die "Wölfe" dabei auf Stürmer Patrick Helmes, der mit einer Zerrung im Oberschenkel ausfällt, und den Gelb-gesperrten Arne Friedrich.

Die Nürnberger schenken aber ohnehin einem anderen Spieler ihre Aufmerksamkeit. Zwar richte sich der "Club" nicht speziell nach dem Gegner aus, doch "wenn wir Mittelfeldspieler Diego im Verbund aus dem Spiel nehmen, dann haben wir schon viel erreicht", meint Trainer Dieter Hecking. "Wir wollen einfach so weiterspielen wie bisher." Ob Ilkay Gündogan zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Fehlen werden aber Juri Judt, Mike Frantz und Julian Schieber.




1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund

Beim BVB läuft weiterhin wie am Schnürchen und genau deshalb ist es für 1899 Hoffenheim ein Spiel, bei dem die Kraigauer befreit aufspielen können. Mit einer Leistung wie bei der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach hat Hoffenheim gegen Dortmund aber wohl keine Chancen. Das weiß auch Matthias Jaissle: "Der BVB ist ein dankbarer Gegner. Eigentlich können wir nicht verlieren. Aber wir müssen eine deutlich bessere Leistung zeigen als in Mönchengladbach."

Dass die Dortmunder klare Favoriten sind, steht außer Frage. Verstecken wollen sich die Hoffenheimer gegen den Tabellenführer aber keineswegs. "Wir werden auch gegen Dortmund vorwärtsverteidigen und uns nicht passiv verhalten. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft auftreten", sagt 1899-Trainer Marco Pezzaiuoli, der seine Mannschaft umstellen muss. Klar ist, dass Andreas Ibertsberger aufgrund seiner Schulterverletzung nicht mitwirken wird. Auch Peniel Mlapa muss aufgrund seiner fünften Gelben Karte zuschauen.

Dortmund winkt mit einem "Dreier" der 12. Auswärtssieg und somit ein neuer Bundesliga-Rekord. Doch BVB-Coach Jürgen Klopp warnt sein Team vor den Hoffenheimern. "Die wollen eine Reaktion zeigen", weiß Klopp, "und dann kommt der Tabellenführer. In diesem Spiel können sie einiges regeln." Zudem muss Klopp definitiv auf Mats Hummels und Sebastian Kehl verzichten, Jakub Blaszczykowski droht auch auszufallen. Lucas Barrios und Mohamed Zidan treten die Reise zu den Kraichgauern dagegen mit an.




1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg

Für das Spiel gegen Freiburg erwartet Lauterns Oliver Kirch einen auswärts eher abwartenden Gegner, der auf Konter spielen wird. Folglich gelte es, das Spiel in die Hand zu nehmen. "Wir haben den Anspruch, zu gewinnen und werden alles in das Spiel legen, um die drei Punkte zu holen. Das muss von Anfang an zu sehen sein", formuliert Kirch die Erwartungshaltung im Team. Im Vergleich zum Spiel in Frankfurt müsse man sich steigern und vor allem die Effektivität erhöhen, um endlich den ersten Rückrundensieg einzufahren. "Egal wie wir spielen, es zählt nur, die Spiele erfolgreich zu beenden."

Auch Chefcoach Marco Kurz hofft auf eine Trendwende im Kampf gegen den Abstieg: "Die Mannschaft stemmt sich gegen die aktuelle Situation und will unbedingt. Man merkt aber auch, dass wir dem Erfolgserlebnis hinterherlaufen. Ein 'Dreier' würde uns daher richtig gut tun." Kurz kann dabei wieder auf Ivo Ilicevic zurückgreifen.

Aber auch die Breisgauer haben ein deutliches Ziel vor Augen, denn im dritten Anlauf will die Mannschaft von Trainer Robin Dutt nun die 40-Punkte-Marke knacken. Leicht wird die Aufgabe aber nicht. "Kaiserslautern steht aufgrund der letzten Ergebnisse extrem unter Druck. Der Betzenberg ist ein Stadion, in dem die Emotionen immer da", sagt Dutt, "ein Stadion, in dem wir bestehen müssen." Personell kann der Coach fast aus dem Vollen schöpfen. Neben den Langzeitverletzten Simon Pouplin und Daniel Williams fehlte lediglich Jan Rosenthal im Training. Anton Putsila mus allerdings eine Gelb-Sperre absitzen.