Bosnien-Herzegowina hat die Chance zur historischen Sensation. Das gerade mal 14 Jahre alte Land steht in der Playoff-Runde der WM-Qualifikation zur Endrunde 2010 in Südafrika. Der Gegner lautet Portugal.

"Gegen Portugal wird es besonders schwer. Aber wir haben ein kleine Chance", glaubt Torjäger Edin Dzeko vom VfL Wolfsburg, einer von sieben Bundesliga-Akteuren im Kader der Bosnier. Dzekos Teamkollege Zvjezdan Misimovic, Sejad Salihovic, Vedad Ibisevic (beide 1899 Hoffenheim), Zlatan Bajramovic (Eintracht Frankfurt), Mirko Hrgovic (SpVgg Greuther Fürth) und Dario Damjanovic (1. FC Kaiserslautern) komplettieren den Bundesliga-Block des Shootingstars der Qualifikation.

Zwei Mal knapp gescheitert

Angedeutet hatte sich die positive Entwicklung bereits in der Vergangenheit. Nachdem das Land 1995 als ehemaliger Teil der vom Bürgerkrieg zerrissenen Republik Jugoslawien die Unabhängigkeit erlangte, begann auch der Fußball sich wieder zu organisieren. Achtungserfolge blieben nicht aus. So verpasste Bosnien-Herzegowina bereits bei den Qualifikationen zur EM 2004 und der WM 2006 erst am letzten Gruppen-Spieltag den Sprung zu einem großen Turnier.

Das soll sich diesmal ändern. Ein Rezept dafür liegt auch schon parat: " Wir müssen jetzt ein gutes Ergebnis in Portugal abliefern und dann im Rückspiel vor den eigenen Fans auf die Sensation hoffen", sagt Misimovic. Und der zuletzt auch in der Bundesliga wieder torhungrige Ibisevic ergänzt: "Vielleicht können wir sie überraschen. Dann haben wir eine gute Chance."

Zwei Bundesliga-Spieler im portugiesischen Starensemble

Mit Portugal wartet ein dicker Brocken auf das Team aus dem kleinen Balkanstaat, gespickt mit Größen wie Ricardo Carvalho, Deco und den in der Bundesliga aktiven Ricardo Costa (VfL Wolfsburg) und Hugo Almeida (Werder Bremen).

Einer jedoch fehlt den Portugiesen. Superstar Cristiano Ronaldo (Real Madrid) wird wohl beide Qualifikationsspiele verletzungsbedingt verpassen. Das allein wird den Bosniern aber kaum den Sieg bescheren, wie auch Ibisevic weiß: "Die haben überragende Spieler. Wenn Ronaldo fehlt, spielt eben ein anderer."

Aufbruchstimmung in der Heimat

Die Außenseiterrolle tut der Stimmung in der Heimat jedoch keinen Abbruch. "Für unser junges Land wäre die Qualifikation einfach unglaublich. Die Euphorie ist dementsprechend riesig", sagt Misimovic und fügt schnell hinzu: "Fast schon zu groß."

Auch Ibisevic kennt die enorme Bedeutung, die dem Spiel in Bosnien-Herzegowina zukommt - und die Gefahren, die sich für die Mannschaft daraus ergeben: "Wir dürfen uns nicht zu sehr damit beschäftigen. Das werden zwei sehr schwere Spiele, da brauchen wir einen freien Kopf." Verständlich auch die Entscheidung des Trainers Miroslav Blazevic, ein Trainingslager in dessen Heimatland Kroatien zu beziehen. "So können wir uns abseits vom Geschehen auf die beiden Partien vorbereiten", erklärt Misimovic die Maßnahme.

Sergej Barbarez als Fan dabei

Rückendeckung gibt es auch von anderer Stelle. Sergej Barbarez, selbst 47-facher Nationalspieler Bosniens, bezeichnete eine mögliche WM-Qualifikation gegenüber der Hamburger Morgenpost als "achtes Weltwunder". Dennoch räumt das Aufsichtsratsmitglied des Hamburger SV dem Underdog reelle Chancen ein: "Das Zeug dazu haben wir." Barbarez selbst wird sich die Partie in Portugal nicht entgehen lassen und den Außenseiter vor Ort unterstützen.

Ob das kleine Bosnien-Herzegowina dann der Fußballmacht Portugal ein Bein stellen kann, wird sich zeigen. Dass sich die Spieler der Bedeutung der Partie für ihre Landsleute bewusst sein, zeigt Ibisevic: "Wenn wir das tatsächlich packen, wird das in Bosnien-Herzegowina eine richtige Aufbruchsstimmung erzeugen." Und chancenlos sind die Bosnier keinesfalls, glaubt der Hoffenheimer Stürmer: "Im Fußball ist immer alles möglich."

Daniel Dillmann