Berlin - "Wir müssen dieses Spiel unbedingt gewinnen. Es ist die letzte Chance", schätzte Peter Niemeyer die Bedeutung der Partie seiner Hertha gegen den 1. FC Kaiserslautern ein. Otto Rehhagel, der als Spieler und Trainer für beide Vereine tätig war und in der Saison 1964/65 als Doppeltorschütze beim 5:3 der Berliner über die "Roten Teufel" ebenso traf wie zum entscheidenden 2:1-Erfolg im Rückspiel auf dem Betzenberg, sprach vor dem Keller-Duell des Vorletzten gegen den Letzten von einem "Alles-oder-Nichts-Spiel".

"Die Hütte muss brennen", rang Niemeyer um die Unterstützung der Fans. Das war in der zu Ende gehenden Saison nur selten der Fall. Nur selten sprang der Funke von den Rängen auf den Rasen über. Gerade mal zwölf ihrer 28 Punkte holten die Berliner im Olympiastadion. Schlechter in der Heimtabelle steht nur Gegner Kaiserslautern da mit elf Zählern. Von den letzten 32 Bundesligaspielen vor eigenem Publikum gewannen die Herthaner nur drei.

Und sie versuchten alles, um diesen Heim-Fluch zu besiegen. Die Heim-Trikots blieben im Schrank, Trainer und Ersatzspieler nahmen auf der Bank Platz, die sonst den Gäste-Teams vorbehalten ist. Es half alles nichts.

Am Ende , der Jubel der Pfälzer wich aber mit dem Abpfiff der Trauer über den erneuten Abstieg. Dasselbe Schicksal droht auch den Hauptstädternstecken, die weiterhin ganz tief im Abstiegssumpf stecken. Zwei Punkte beträgt der Rückstand auf den 1. FC Köln, der Relegationsplatz 16 behauptete, sechs Zähler gar auf den FC Augsburg (15. Platz).

Rehhagel und Preetz hoffen noch



"Wir haben unter der Personalsituation mehr denn je gelitten", beschrieb Rehhagel die Verletzten-Misere der Berliner. Gleich fünf Verteidiger fehlten verletzungsbedingt oder wegen einer Sperre. Die Viererkette hatte in dieser Konstellation in dieser Saison noch nicht zusammengespielt.

Die Innenverteidiger seien "nicht erste Wahl auf dieser Position und in so einem wichtigen Spiel, auf der linken Seite mit einem neuen Mann, Fabian Holland, zu spielen, macht sich in so einer Situation natürlich bemerkbar", sprach Rehhagel von einer Ausnahmesituation. "So dramatisch habe ich das in meiner Karriere noch nie erlebt."

Trotzdem sieht der 73-Jährige seine "Mission Klassenerhalt" noch nicht gescheitert. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir haben noch eine Chance." Das sieht auch Michael Preetz so. "Wir waren total weg. Über die vollen 90 Minuten konnten wir nicht an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen", war der Manager zwar enttäuscht, aber: "Die Chance ist nach wie vor da."

Auf Schalke und gegen den Ex-Coach



Doch die Hürde liegt hoch. Am kommenden Samstag müssen die Berliner beim Dritten Schalke 04 antreten. Das muss aber kein schlechtes Omen für die auswärts stärkeren Berliner sein. Immerhin holten sie mit einem 2:1-Sieg beim alten und neuen Meister Borussia Dortmund und einem 0:0 bei der Borussia aus Mönchengladbach vier Punkte bei Champions-League-Aspiranten.

"Warum soll das nicht auch auf Schalke gelingen?", fragt man sich an der Spree und hofft auf eine Vertagung der Abschiedsfrage. Am 34. Spieltag käme dann der im Winter entlassene Markus Babbel mit seinem neuen Club Hoffenheim in die Hauptstadt. Hat die "Alte Dame" noch zwei Mal die letzte Chance?

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs