Ausgerechnet gegen Seriensieger Bayern München will der AC Florenz seine Krise beenden. "Das Spiel kommt im richtigen Moment. Jetzt können wir beweisen, was wir können. Ich bin sicher, dass die Herausforderung bei Bayern für uns eine Wende sein könnte", sagte Florenz-Kapitän Riccardo Montolivo vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) beim deutschen Rekordmeister.

Dabei sind die Voraussetzungen für die Fiorentina alles andere als gut. In Angreifer Adrian Mutu ist der Star der Italiener wegen eines Dopingvergehens gesperrt, zudem ist das Selbstvertrauen nach fünf Spielen ohne Sieg nicht gerade groß.

"Für Bayern unberechenbarer werden"

"Wir sind vorhersehbar geworden", sagte Coach Cesare Prandelli nach der verpatzten Generalprobe gegen Sampdoria Genua (0:2) und beabsichtigt deshalb für die Partie in München eine Systemumstellung.

"Wir werden das alte Schema ändern, damit wir für Bayern unberechenbarer werden", kündigte Prandelli an. Vorgesehen ist gegen die seit zwölf Pflichtspielen siegreichen Münchner eine 4-1-4-1-Taktik mit Albert Gilardino als einziger echter Spitze.

Gehöriger Respekt vor Ribery

Doch unabhängig davon forderte Montolivo seine Kollegen auf, "dass wir mit allen Mitteln kämpfen müssen. Wir befinden uns in einer heiklen Phase, und die Bayern sind sehr stark." Prandelli bemühte die in solchen Momenten üblichen Durchhalteparolen: "Wir müssen jetzt die Kräfte bündeln."

Allerdings flößt den Italienern insbesondere die Rückkehr des Münchener Mittelfeldstars Franck Ribery viel Respekt ein. Welche drei Spieler er beim FC Bayern am meisten fürchten würde, wurde Prandelli gefragt. "Ribery, Ribery - und Ribery", antwortete er.

Spekulationen um Trainerwechsel

Der Coach, der seit 2005 in Florenz tätig ist, steht derzeit ziemlich unter Druck. Die Sportzeitung Tuttosport mutmaßte am Montag bereits, dass es bald zu einem Trainerwechsel kommen könnte. Das Spiel gegen die Bayern sei "zwischen Polemik und Krise" angesiedelt. Deshalb hofft Prandelli "auf einen Wendepunkt".

Die arg schwächelnde Fiorentina ist in der Serie A nach nur einem Punkt aus den letzten vier Spielen auf Rang 11 abgestürzt, in drei Spielen gelang dabei nicht mal ein eigenes Tor. Von der Leichtigkeit der Hinrunde ist fast nichts mehr übrig geblieben. Da konnte der Traditionsclub sowohl in der Liga als auch in der Champions League überzeugen. In der Vorrunde der "Königsklasse" ließen die "Violetten" immerhin die höher eingeschätzten Teams von Olympique Lyon und dem FC Liverpool hinter sich.

Rummenigge warnt vor Schlendrian

Deshalb warnte auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge davor, Florenz zu unterschätzen: "Wenn wir glauben, dass wir diese Runde im Nebenwaschgang lösen, wird es ein böses Erwachen geben. Wir dürfen uns von deren Tabellenplatz nicht blenden lassen."

In der Liga hat Florenz seine Ziele jedoch schon begraben. Anstatt erneut einen Platz im internationalen Geschäft anzupeilen, geht der Blick von Prandelli inzwischen in Richtung Tabellenkeller. Es gelte jetzt "zu retten, was zu retten ist, und wir müssen uns schnell retten".