Lyon - Benedikt Höwedes war wirklich nicht zu beneiden. Zum Auftakt der Champions League war er der Pechvogel beim FC Schalke 04. In der 38. Minute prallte er am Mittelkreis mit gehobenen Bein mit Lyons Jimmy Briand zusammen. Ein Foul, ohne Frage. Schiedsrichter Ivan Bebek zögerte jedoch keine Sekunde und griff zur Roten Karte.

Im Medienzelt vor dem Stade de Gerland fand Höwedes nur ganz schwer Worte für die Entscheidung des Kroaten. "Ich habe mit Gelb gerechnet. Es ist mir völlig unerklärlich, wie der Schiedsrichter in der Situation eine Rote Karte geben konnte", sagte der Innenverteidiger.

Die Enttäuschung war ihm anzumerken, dennoch stand er nach dem 0:1 bei Olympique Lyon Rede und Antwort.

Frage: Herr Höwedes, Sie waren maßgeblich an der wohl spielentscheidenden Szene beteiligt. Wie haben Sie den Platzverweis erlebt?

Benedikt Höwedes: Ich habe das Bein angewinkelt und den Blick nur zum Ball. Es war also keine Absicht. Ich treffe ihn ja auch nicht lebensbedrohlich. Ich habe mit Gelb gerechnet. Es ist mir völlig unerklärlich, wie der Schiedsrichter in der Situation eine Rote Karte geben konnte. Da fehlen mir einfach die Worte. Der Schiedsrichter hat heute eine entscheidende Rolle gespielt.

Frage: Und beim Gegentor? Das hätten Sie ja beinahe noch verhindert.

Höwedes: Das war natürlich sehr bitter. Ich habe noch versucht, den Ball von der Linie zu grätschen. Ich weiß nicht, was der Gegenspieler getan hat, um mich daran zu hindern.

Frage: In der zweiten Halbzeit konnten Ihre Mitspieler dann aber auch nicht mehr zulegen.

Höwedes: Mit zehn Mann war es natürlich auch ganz, ganz schwierig für uns. Lyon hat die Überzahl clever ausgespielt. Sie haben den Platz genutzt und die Außen eingesetzt. Aufgrund der zweiten Halbzeit geht das Ergebnis sicherlich in Ordnung. Aber verloren haben wir das Spiel im ersten Durchgang durch den Platzverweis.

Frage: Was nehmen Sie Positives mit aus Lyon?

Höwedes: Wir müssen uns an den ersten 30 Minuten orientieren. Da haben wir wirklich sehr gut gespielt. Wir standen stabil und haben fast keine Chance zugelassen. Darauf müssen wir aufbauen.

Frage: Letztlich hat Schalke aber die vergangenen vier Spiele verloren. Liegt es nur daran, dass sich die vielen neuen Spieler erst noch als Mannschaft finden müssen?

Höwedes: Es war allen klar, dass wir Zeit benötigen, um uns zu entwickeln. Das gilt für alle Mannschaftsteile, auch für die Defensive, die zuletzt nicht so sattelfest war. Aber gegen Lyon haben wir bis zum Platzverweis gezeigt, dass wir auch gegen eine Top-Mannschaft dagegen halten können. Wir haben Potenzial und das müssen wir ausschöpfen.

Frage: Ausgerechnet jetzt steht aber das Derby gegen Borussia Dortmund auf dem Programm. Da könnte sich die Krise noch verschärfen, oder?

Höwedes: Dortmund ist natürlich in einer guten Verfassung. Aber ich bin Optimist. Wir werden alles geben und ich gehe nicht davon aus, dass wir das Derby verlieren werden.

Aus Lyon berichtet Michael Reis