An Uli Hoeneß' Gemütszustand lässt sich nach dem Schlusspfiff normalerweise sehr gut ablesen, wie der FC Bayern München zuvor gespielt hat. Nach dem 2:1-Erfolg auf Schalke präsentierte sich der FCB-Manager im Interview sichtlich zufrieden und entspannt.

Frage: Herr Hoeneß, Bayern München ist nur noch einen Punkt von der Spitze entfernt. Wie bewerten Sie den Spieltag?

Uli Hoeneß: Es war ein wunderschönes Wochenende. Angefangen mit der guten Bilanz auf der Jahreshauptversammlung. Dann spielt Leverkusen 3:3 nach 3:0, Hoffenheim verliert und wir gewinnen 2:1 auf Schalke. Jetzt sind wir wieder ganz nahe an Platz 1. Die anderen spüren eben den heißen Atem des FC Bayern, damit kommen manche nicht zurecht. Und ich bin überzeugt: Wenn wir die Tabellenführung erst mal zurückhaben, geben wir Sie nicht mehr her.

Frage: Der Sieg auf Schalke war aber trotz zweier wunderschön herausgespielter Tore durchaus glücklich. Schalke war die bessere Mannschaft, hatte 18:1 Eckbälle .

Hoeneß: Jetzt fangen wir schon an, Ecken zu zählen. Ecken interessieren mich nicht, nur das nackte Ergebnis. Natürlich, Schalke hat in der ersten Halbzeit überragend gespielt, da sind sie regelrecht über sich hinausgewachsen. Aber es kommt langsam auch wieder, dass wir aus wenigen Chancen Tore machen. Die Mannschaft ist körperlich topfit, und sie wächst immer mehr zusammen. Wir haben gesagt, dass eine Serie kommen muss, weil es nicht sein kann, dass der FC Bayern auf Platz 10 oder 12 liegt. Und die Mannschaft hat nun die Serie hingelegt, die gewünscht und verlangt wurde.

Frage: Ihr Torhüter Michael Rensing wurde von Saisonbeginn an kritisch beäugt, auch am Sonntag hat er einige Unsicherheiten bei den zahlreichen Hereingaben gezeigt. Wie sehen Sie seine Leistung?

Hoeneß: Sehr gut. Endlich haben wir wieder einen Torhüter gehabt, der einen Sieg festhält. Was er gehalten hat, verdient Beachtung. Und außerdem hat er die Ausstrahlung gezeigt, die wir verlangt und zuletzt vielleicht manchmal vermisst haben.

Frage: Leverkusen und Hoffenheim sind in Schlagweite, zudem stehen noch die direkten Duelle gegen diese beiden Mannschaften bevor. Wie hoch schätzen Sie die Chance auf den Gewinn der Herbstmeisterschaft ein?

Hoeneß: Die Herbstmeisterschaft ist mir eigentlich ziemlich egal. Abgerechnet wird am 34. Spieltag. Aber für den FC Bayern ist es einfacher, die Liga von vorne zu bestimmen.

Frage: Ihr Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat sich auf der Jahreshauptversammlung den Zorn von Hoffenheim zugezogen, weil er fragte, wo sie die letzten 100 Jahre gewesen wären. Wie bewerten Sie seine Äußerung?

Hoeneß: Das ist im Redefluss passiert. Wir brauchen das nicht, dass wir Hoffenheim angreifen. Ich glaube nicht, dass er die Äußerung morgen noch mal so machen würde.