Stuttgart - Mitgefühl durften die Gäste aus Bremen nicht erwarten nach dem 0:6-Debakel. Zu wichtig war das Spiel für die Gastgeber aus Stuttgart, zu groß die Erleichterung nach dem Befreiungsschlag. "Wir haben selbst eine schwere Phase hinter uns", sagte VfB-Mittelfeldspieler Christian Träsch: "Ich habe kein Mitleid mit dem Gegner."

Mit einem leidenschaftlichen Auftritt hatten die Schwaben die überforderten Norddeutschen zuvor vorgeführt. "Es war eine überragende Leistung", schwärmte Jens Keller, der damit den fünften Sieg im siebten Pflichtspiel als Cheftrainer verzeichnete. Gleichzeitig betonte er aber: "Es gibt jetzt keinen Grund, euphorisch zu werden. Wir haben erst zehn Punkte auf dem Konto."

"Müssen jetzt auf dem Boden bleiben"

Zu sicher wollen sich die Schwaben ihrer Sache nach der starken Darbietung nicht sein. Den Fehler haben sie schon einmal gemacht in dieser Spielzeit. Unvergessen die gute Laune nach dem 7:0 gegen Borussia Mönchengladbach, danach setzte es drei Niederlagen in Serie, die den Club vom Neckar wieder in arge Nöte brachten.

So gab sich auch einer der Matchwinner nach der Gala ganz bescheiden. Man brauche niemanden hervorheben, sagte Timo Gebhart: "Die ganze Mannschaft hat einfach stark gespielt. Wille, Ordnung, Leidenschaft. Das alles hat heute gepasst." Der Ex-"Löwe" wirbelte auf der rechten Seite nach Belieben und lieferte die Vorlagen zum 1:0 durch Ciprian Marica (10.) und zum 3:0 von Doppeltorschütze Cacau (31., 45.). Starke 81 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler.

Übertrumpft wurde Gebhart an diesem Nachmittag nur noch von Ciprian Marica. Drei Vorlagen, ein Treffer - besser konnte es für den häufig kritisierten Rumänen kaum laufen. "Ich habe gewusst, dass meine Zeit in Stuttgart kommt. Wir haben heute Leidenschaft und Mut bewiesen", sagte Marica.

Vorne gefährlich, hinten stabil

Möglich war die Stürmergala einerseits, weil die quirligen Flügelspieler des VfB stark aufspielten und das Zentrum mit Bällen fütterten. Neben Gebhart auf rechts, dem Keller den Vorzug vor Mauro Camoranesi gab, durfte Arthur Boka erneut auf der linken Seite ran. Trickreich, flink und mit gutem Passspiel brillierte der Ivorer und krönte seine Leistung in der Schlussphase mit seinem Treffer (86.)

Zum anderen war es der emsige Träsch im defensiven Mittelfeld, der stets Herr der Lage war und abgeklärt Tempo und Rhythmus diktierte. Es passte ins Gesamtgefüge, dass sich auf der zweiten Sechserposition Christian Gentner im Vergleich zu den Vorwochen deutlich verbessert präsentierte.

"Wir waren von der ersten Minute an aggressiv", sagte der ehemalige Wolfsburger, dem in der 68. Minute sein erster Saisontreffer glückte. "Wir sind bis zum Schluss hundertprozentig in die Zweikämpfe gegangen. Die Mannschaft macht taktische Fortschritte", freute sich Sportdirektor Fredi Bobic.

Und Torhüter Sven Ulreich forderte: "Es muss jetzt weitergehen, wir müssen uns in einen Erfolgsstrudel reinspielen." Am kommenden Samstag können die Schwaben beim schweren Auswärtsspiel in Kaiserslautern beweisen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

Jens Fischer / Andreas Messmer