Freiburg - Nicolas Höfler! Vor 23 Jahren ist dieser Fußballer in Überlingen geboren, eine überregionale Sternstunde in der Bundesliga war ihm bis Dienstag noch nicht vergönnt. Dann aber, in seinem erst zweiten Erstligaeinsatz, war Höfler plötzlich der Spieler des Tages beim SC Freiburg. Gegen den Deutschen Meister und Champions-League-Sieger FC Bayern München.

Eingewechselt für Julian Schuster erzielte der Mittelfeldspieler in der 87. Minute nach Flanke von Sebastian Freis den Ausgleich zum . "Vielleicht gehe ich noch ein bisschen feiern", sagte Höfler hinterher selig, als die Fans des SC längst "Oh, wie ist das schön" sangen. Für Freiburg bedeutet das Ergebnis den zweiten Punktgewinn in dieser Runde, mit dem sie den Bayern den ersten Punktverlust bescherten.

Streich stolz, Höfler glücklich



Als der Ball nach einer Flanke des unermüdlich rackernden Sebastian Freis in den Strafraum segelte, lenkte ihn Höfler mit der linken Innenseite aus fünf Metern ins Tor. "Bayer München hin oder her - den muss er auch machen, sonst ist das nicht gut für den Jungen", kommentierte ein sichtlich stolzer Freiburger Trainer Christian Streich.

Für Höfler war es der schönste Tag seiner Karriere. Nachdem er 2008 mit den A-Junioren des SC Deutscher Meister und 2009 Pokalsieger geworden war, sammelte er die vergangenen zwei Jahre Spielpraxis beim Zweitligisten Aue. Am Dienstag war er einfach nur froh: "Nach den 25 Minuten, die ich gespielt habe, war ich total kaputt. Ich bin ganz glücklich vor dem Tor gestanden, habe den Ball bekommen und musst ihn nur reinschieben", schilderte er seine Szene.

Überragende Laufleistungen



Es war schon eine große Sache, die den Freiburgern da gelungen war gegen den großen Favoriten. Die Spieler dieses Spiels hießen also Nicolas Höfler (erstes Bundesligator), Charles Laprevotte (erstes Bundesligaspiel, Pfostenschuss) und Oliver Baumann (überragender Torwart), dessen Leistung Bayern-Trainer Pep Guardiola als "exzeptionell" adelte. Doch eigentlich müsste man jeden Spieler der Freiburger nennen, die Laufleistung und der Einsatzwille waren - nun ja, "exzeptionell".

"Meine Spieler sind auch in der Phase, als die Bayern klar dominierten, immer wieder dagegengelaufen", lobte Christian Streich. Der Trainer hob vor allem die unermüdlichen Angreifer Sebastian Freis und Karim Guede, die den Spielaufbau der Bayern durch aggressives Anlaufen der Gegenspieler immer wieder zum Stottern brachten, hervor.

"Normalerweise brauchst du eine extrem hohe Frustrationstoleranz, weil das Spiel der Bayern darauf ausgelegt ist, dass du nicht an den Ball kommst", analysierte Streich. Es sei wahnsinnig toll gewesen, wie seine Spieler das kopfmäßig hinbekommen hätten: "Wir haben die Bayern beschäftigt."

Streich: "Wichtiges Erlebnis"



Für die neuformierte Freiburger Mannschaft fühlte sich die Belohnung für ihren hohen Aufwand durch den Ausgleich wie ein Sieg an. Man sehe, dass das Team an jedem Spieltag einen Schritt nach vorne mache, fand Torwart Baumann.

Aber sein Trainer weiß, dass mit der kommenden Belastung durch die Europa-League-Gruppenspiele (Auslosung am Freitag) der Weg der Freiburger in dieser Runde ein harter ist. Umso mehr freute er sich über den moralischen Zugewinn nach diesem tollen Abend. Streich sagte: "Dieses Erlebnis ist für die Jungs und für mich wichtig." Nicht nur Nicolas Höfler schöpfte in Freiburg am Dienstag Mut für die kommenden Monate.

Aus Freiburg berichtet Tobias Schächter