Trotz einer starken Vorstellung und eines 1:1 gegen Tabellenführer 1899 Hoffenheim herrscht bei Borussia Mönchengladbach große Niedergeschlagenheit.

Denn nach den Siegen der Konkurrenten Karlsruhe und Cottbus beträgt der Abstand zum rettenden 15. Platz schon vier Punkte.

Es gibt Spiele, die hinterlassen ihre Spuren. Nach fünf Niederlagen in Folge hatte die Borussia eine Klasseleistung abgeliefert und dem Spitzenreiter aus Hoffenheim einen großen Kampf geliefert. Doch zum Befreiungsschlag reichte es nicht. Zwei Minuten fehlten zum Glück. Der späte Ausgleich der Gäste traf die Borussen mitten ins Mark.

Gefühlte Niederlage

So wollte im Borussia-Park auch keine rechte Aufbruchstimmung aufkommen, die angesichts der guten Vorstellung eigentlich angebracht gewesen wäre. Im Gegenteil, die Punkteteilung war eine gefühlte Niederlage.

"Wenn wir an 10. oder 11. Stelle stehen, fahren wir nach Hause, und machen ein Fläschchen auf", sinnierte Borussia-Trainer Hans Meyer nach dem Spiel niedergeschlagen. "Aber nicht in unserer Situation. Unsere Situation ist durch die zwei verlorenen Punkte im Grunde genommen noch mieser, noch bescheidener als vorher. Und sie war vorher schon schlecht. Das ist sehr bitter."

Neuzugänge überzeugten

Mit drei in der Winterpause neu verpflichteten Spielern in der Startelf (Torhüter Logan Bailly, Abwehrchef Tomas Galasek und Rechtsaußen Paul Stalteri) und einer im Vergleich zum Stuttgart-Spiel weit offensiveren Ausrichtung hatte der 66 Jahre alte Trainer versucht, die Trendwende einzuleiten. Die Neuzugänge überzeugten, auch die kämpferische Einstellung der ganzen Truppe stimmte. Die Leistung gibt durchaus Anlass zur Hoffnung.

"Das war auf jeden Fall ein Schritt nach vorne", meinte Borussias Jungnationalspieler Marko Marin. "Wir haben uns Torchancen herausgespielt. Wir standen hinten weitestgehend sicher. Und wir haben sehr lange gegen Hoffenheim mitgehalten. Das ist ein gutes Zeichen. Das müssen wir mitnehmen."

"Müssen Serie starten"

Und noch etwas Positives gab es zu notieren: Dem am Saisonende nach München abwandernden Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann ist die Versöhnung mit den Fans gelungen. "Ich konnte den Fans mit der Leistung etwas zurückzahlen. Sie haben mich super unterstützt", freute sich der 22-jährige Torschütze des Gladbacher Führungstreffers.

Was bleibt in Mönchengladbach, ist das Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass irgendwann der Knoten platzt. "Wir müssen langsam beginnen, eine Serie zu starten und ein paar Spiele zu gewinnen", fordert Baumjohann. "Sonst wird es ganz eng."

In Bremen punkten

Mannschaftskapitän Filip Daems hat die Zuversicht noch nicht verloren. "Abgesehen von dem Ergebnis gegen Hoffenheim haben wir ein gutes Gefühl, dass wir es den anderen Mannschaften schwer machen können. Unser nächster Gegner Werder Bremen ist auch nicht in einer überragenden Verfassung. Warum sollen wir da nicht die Punkte holen?"

Noch ist nichts verloren. "Wir haben noch 15 Spiele", versucht Hans Meyer abschließend doch noch irgendwie Optimismus zu verbreiten. Mit etwas mehr Glück als gegen Hoffenheim ist der Klassenerhalt möglich. Doch es wird höchste Zeit für die Aufholjagd.

Aus Gladbach berichtet Tobias Gonscherowski