München - Am kommenden Dienstag trifft Deutschland im Klassiker auf England. In der Vergangenheit gab es viele denkwürdige Spiele zwischen den beiden Dauerrivalen. bundesliga.de verschafft einen Überblick...

Das Wembley-Tor

30. Juli 1966, WM-Finale in London, 2:4 nach Verlängerung - "Was the ball behind the line", fragt der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst seinen sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramov. 2:2 steht es zu diesem Zeitpunkt in der Verlängerung, als Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte knallt. Von dort hüpft das Leder auf die Torlinie und zurück ins Feld. Wolfgang Weber köpft den Ball über die Latte ins Aus, Eckball für England also. Doch Bachramov bejaht Diensts Frage und zeigt zur Mittellinie: Tor für England. Dieser Treffer geht als Wembley-Tor in die Geschichte ein. 35 Jahre später gesteht Torschütze Hurst, der insgesamt dreimal erfolgreich war, in seiner Autobiographie, dass der Ball nicht hinter der Linie war. Weber und Helmut Haller erzielen die deutschen Treffer.

Uns Uwe per Hinterkopf

14. Juni 1970, WM-Viertelfinale in Leon, 3:2 nach Verlängerung - Bei der WM in Mexiko revanchiert sich die DFB-Auswahl für 1966. Nach 50 Minuten liegt Deutschland 0:2 zurück, doch dann gelingt Franz Beckenbauer der Anschlusstreffer. Englands Trainer Sir Alf Ramsey nimmt seinen Superstar Bobby Charlton vom Feld, um ihn für das mögliche Halbfinale zu schonen. Diese Überheblichkeit bestraft Uwe Seeler mit seinem historischen Tor zum 2:2 per Hinterkopf (Bild, © Imago). Wie vier Jahre zuvor geht das Spiel in die Verlängerung. Dieses Mal mit dem glücklichen Ende für die Deutschen. WM-Torschützenkönig Gerd Müller trifft gegen Englands Torwart Peter Bonetti zum 3:2.

Premieren-Sieg in Wembley

29. April 1972, EM-Viertelfinale in London, 3:1 - Im EM-Viertelfinale, das damals noch mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, gelingt Deutschland nach zuvor fünf vergeblichen Anläufen der erste Sieg im Wembley-Stadion, obwohl Bundestrainer Helmut Schön auf einige Stammspieler verzichten muss. Die überragenden Franz Beckenbauer und Günter Netzer (Bild, © Imago) führen die Gäste zum Sieg. Uli Hoeneß, Gerd Müller und Netzer per Elfmeter treffen für Deutschland, das durch das 0:0 im Rückspiel in Berlin den Weg zum Titelgewinn ebnet.

Illgner entscheidet das Elfer-Drama

4. Juli 1990, WM-Halbfinale in Turin, 4:3 im Elfmeterschießen - Das englische Elfmeter-Trauma nimmt seinen Lauf. Nach 90 Minuten steht es in einer durchschnittlichen Partie 1:1 nach Treffern von Andreas Brehme (60.) und Gary Lineker (81.). In einem dramatischen Elfmeterschießen verwandeln Brehme, Lothar Matthäus, Karlheinz Riedle und Olaf Thon für die deutsche Elf. Stuart Pearce scheitert am Knie von Torwart Bodo Illgner und Chris Waddle knallt die Kugel übers Tor. Illgner ist der Held des Spiels. Deutschland wird anschließend durch ein 1:0 gegen Argentinien Weltmeister.

Köpke verschärft Englands Trauma

26. Juni 1996, EM-Halbfinale in London, 6:5 im Elfmeterschießen - Der heutige Torwartrainer Andreas Köpke wird sich gerne an diesen Abend erinnern. Nachdem im Elfmeterschießen die ersten fünf Schützen beider Teams jeweils verwandeln, versagen Gareth Southgate gegen Köpke die Nerven (Bild). Andreas Möller macht es anschließend besser und schießt Deutschland ins Finale. Nach 120 Minuten stand es 1:1. Alan Shearer (3.) für England und Stefan Kuntz (16.) für die DFB-Auswahl erzielten die Treffer. In der Verlängerung verwehrte der ungarische Schiedsrichter Sandor Puhl Kuntz das mögliche erste Golden Goal der Geschichte. Im Finale gewinnt Deutschland 2:1 n.V. gegen Tschechien.

Hamann vermiest den Abschied

7. Oktober 2000, WM-Qualifikation in London, 1:0 - Ausgerechnet England-Legionär Dietmar Hamann vom FC Liverpool (Bild) bereitet den Engländern einen schmerzlichen Abschied vom alten Wembley-Stadion. Mit einem Freistoß aus gut 30 Metern besiegelt er dreieinhalb Monate nach dem 1:0 der Engländer im EM-Vorrundenspiel in Charleroi den deutschen Achtungserfolg. Englands Schussmann David Seaman sieht bei dieser Aktion nicht gut aus. Der ernstgemeinte Vorschlag, eine Brücke, die zum neuen Wembley-Stadion führt, nach Hamann zu benennen, wurde von den Verantwortlichen später ignoriert.

Historische Heimpleite

1. September 2001, WM-Qualifikation in München, 1:5 - Welch ein Debakel für Deutschland. In München kassiert die deutsche Nationalmannschaft ihre höchste Länderspiel-Heimniederlage seit 70 Jahren. Carsten Jancker bringt Deutschland in Führung. Doch dann werden die Hausherren von den Engländern vorgeführt. Michael Owen erzielt drei Tore für die Three Lions, zudem treffen Steven Gerrard und Emile Heskey. Oliver Kahn erlebt einen der schwärzesten Tage im Tor der Nationalmannschaft. Diese Pleite kostet das Team von Teamchef Rudi Völler die direkte WM-Qualifikation. Deutschland muss in die Play-offs, nimmt aber über den Umweg Ukraine doch an der WM in Südkorea und Japan teil. Dort wird Deutschland Vize-Weltmeister.

Schalke-Duo garantiert den Sieg

22. August 2007, Länderspiel in London, 2:1 - Das erste Spiel im neuen Wembley-Stadion kann die deutsche Mannschaft dank der Treffer der damaligen Schalker Kevin Kuranyi und Christian Pander (Bild), der sein Nationalelf-Debüt gibt, für sich entscheiden. Philipp Lahm spielt dabei im defensiven Mittelfeld und liefert einen besonders starken Auftritt auf der damals noch ungewohnten Position ab. Auch in Zukunft könnte der Kapitän, der am Dienstag nicht dabei ist, auf der Sechs auflaufen.

Rache für Wembley

27. Juni 2010, WM-Achtelfinale, 4:1 - Bei der WM in Südafrika erzielt Frank Lampard im Achtelfinale gegen Deutschland in Bloemfontein nur eine Minute nach dem Anschlusstreffer der Engländer zum 1:2 ein reguläres Tor. Der Ball ist ganz deutlich hinter der Linie. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay verweigert den Engländern aber den Ausgleich. Zuvor brachten Miroslav Klose und Lukas Podolski die DFB-Auswahl 2:0 in Front, ehe Matthew Upson noch vor der Pause verkürzte. Nach der Pause macht dann der spätere WM-Torschützenkönig Thomas Müller per Doppelpack den 4:1-Erfolg für Deutschland perfekt (Bild).