München - Nach dem ersten März-Titel der Bundesliga-Historie (Meisterseite 2014) zeigen die Rekord-Bayern wieder einmal ihre menschliche Seite.

Der Abstiegskampf ist derweil die neue Meisterschaft. Dort verschafft sich Freiburg Luft, der VfB steckt den nächsten Nackenschlag ein. In Stuttgart erwischt es Spieler und Schiedsrichter. Die Highlights des Spieltags.  

1899 beendet FCB-Siegesserie

Rund ein Dutzend Serien (Topdaten zum Spiel) gingen an diesem Nachmittag in der Münchener Allianz Arena zu Ende, als der FC Bayern beim 3:3 gegen Hoffenheim erstmals nach 19 Siegen wieder Punkte abgab. Dank der TSG Hoffenheim, die ihrem Ruf als "Spektakel-Club" wieder einmal gerecht wurde.

Wenn die Mannschaft mit der zweitbesten Offensive und schwächsten Defensive auftritt, ist in dieser Saison immer etwas los. Die Kraichgauer brachten den Triple-Sieger mit einer engagierten Leistung sogar an den Rand der ersten Bundesliga-Niederlage seit dem 28. Oktober 2012.

"Wenn man gegen Bayern spielt, muss man alles aus sich herausholen. Wir haben uns heute geschlossen als Mannschaft die Seele aus dem Leib gelaufen und uns mit einem Punkt belohnt", meinte Kevin Volland, dessen Teamkollege Roberto Firmino in der 75. Minute für den Endstand gesorgt hatte.  

Menschelnde Bayern und Thiago-Schock

Der war so gar nicht nach dem Geschmack von Trainer Pep Guardiola. Drei Gegentore vor heimischem Publikum - das gab es für den FC Bayern zuletzt im Februar 2011. "Wir müssen uns verbessern", so der Spanier in Hinblick auf das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in Manchester (Situation FC Bayern).

"Auch wenn bei uns nicht alle voll auf Spannung waren, hätten wir das Spiel gewinnen können. Aber irgendwie war der Wurm drin. Aber das nehmen wir auch mal mit. Heute haben wir gezeigt, dass wir auch nur Menschen sind", erklärte Torwart Tom Starke, der gegen seinen ehemaligen Verein anstelle von Manuel Neuer das Tor hüten durfte.

Den Punktverlust wird der Meister freilich verschmerzen, viel schwerer wiegt dabei die Verletzung von Thiago Alcantara, der sich einen Innenbandteilriss im rechten Knie zuzog und sechs bis acht Wochen ausfallen wird.

Reus-Dreierpack versetzt Stuttgart den K.o.  

Borussia Dortmund hat in einem irren Spiel beim VfB Stuttgart den Angriff seines Erzrivalen Schalke 04 auf Platz 2 abwehren können. Das Team von Trainer Jürgen Klopp drehte beim 3:2-Sieg erstmals seit elf Jahren einen Zwei-Tore-Rückstand und versetzte den Schwaben, die zum sechsten Mal in dieser Spielzeit trotz Führung verloren, im Abstiegskampf einen herben Rückschlag.

"Das Schicksal möchte scheinbar nicht, dass wir solche Spiele gewinnen. Es ist wie verhext. Es ist ein bitterer Tag, aber wir müssen immer weiter kämpfen", so VfB-Keeper Sven Ulreich, der drei Mal nach Aktionen von Marco Reus den Ball aus dem Netz holen musste. Der Dortmunder schnürte seinen dritten Dreierpack in der Bundesliga (Topdaten zum Spiel) und sammelte in dieser Saison in 34 Pflichtspielen 33 Scorer-Punkte (17 Tore, 16 Vorlagen).

"Wir sind enttäuscht, dennoch haben wir mit der Art und Weise agiert, mit der wir aus dem Tabellenkeller kommen können, nämlich mit Kampf, Kompaktheit und gegenseitiger Unterstützung. Wir haben mit zehn Mann bravourös gekämpft", sagte Stuttgarts Coach Huub Stevens (alle Trainerstimmen), dessen Team nach der 16. Niederlage wieder auf Platz 17 abgerutscht ist.  

Klopp hätte verletztem Schiri geholfen

Kurios: Kurz nachdem Schiedsrichter Michael Weiner Stuttgarts Georg Niedermeyer nach einer Notbremse zum Dusche geschickt hatte, erwischte es den Unparteiischen selbst, als er sich bei einer Ausweichaktion eine Verletzung zuzog, die sich später als Achillessehnenriss herausstellte (Meldung).

Dennoch übernahm der 45-Jährige ab der 75. Minute noch die Aufgaben des Vierten Offiziellen. "Das ist eine schlimme Verletzung. Wir wünschen Michael Weiner alles Gute. Zum Glück musste er dann draußen nur noch die Tafel hochhalten. Das hätten wir Trainer sonst auch für ihn machen können", sagte Jürgen Klopp.

Streich: "Es war ein tolles Spiel"

Im Abendspiel hat der SC Freiburg im Duell gegen den zuvor Punktgleichen Rivalen 1. FC Nürnberg trotz Pausenrückstand drei Big Points im Kampf um den Klassenerhalt geholt und sich ein Fünf-Punkte-Polster auf Platz 15 erspielt (Spielbericht).

Die Breisgauer überzeugten mit der zweitbesten Laufleistung des Spieltags (122,1 Kilometer) und holten in einer emotionalen Partie durch ein Traumtor von Felix Klaus (Topdaten zum Spiel) den dritten Sieg aus den letzten vier Partien. "Ich fand, es war ein tolles Spiel. Wie beide Mannschaften immer versucht haben, Fußball zu spielen. Ich glaube, dass wir heute verdient gewonnen haben", bilanzierte SCF-Trainer Christian Streich.

Der "Club" hingegen befindet sich wieder in akuter Abstiegsnot. Nicht nur für die Franken geht der Kampf um die Meisterschaft im Tabellenkeller (Jetzt im Tabellenrechner tippen!) in die nächste Runde.

Markus Hoffmann