Mönchengladbach - Am Samstagnachmittag (ab 15:00 Uhr im Liveticker) steht für Raffael ein ganz besonderes Spiel auf dem Programm. Mit Borussia Mönchengladbach trifft er auf Hertha BSC - und seinen Bruder Ronny.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Brasilianer über Wetten unter Geschwistern, die besondere Beziehung zu Trainer Lucien Favre und die Ziele der Borussia.

 

bundesliga.de:Raffael, am Samstag treffen Sie mit Borussia Mönchengladbach auf Ihren Bruder Ronny und Hertha BSC. Haben Sie mit ihm schon auf den Sieger gewettet?

Raffael: (lacht) Noch nicht, aber das werden wir ganz sicher noch machen.

bundesliga.de: Ist das Spiel ein ganz besonderes für Sie?

Raffael: Ja, selbstverständlich. Ich treffe auf Hertha, meinen ehemaligen Verein, spiele gegen meinen Bruder. Das wird ein echtes Highlight für mich.

bundesliga.de: Tauschen Sie sich vor der Partie mit Ronny aus, stehen Sie in intensivem Kontakt?

Raffael: Ja, vor Spielen sprechen wir immer, ganz sicher auch vor diesem Wochenende. Natürlich haben wir zwangsweise nicht mehr so viel Kontakt wie zu der Zeit, als wir noch gemeinsam bei Hertha waren, das ist schade.

"Ronny ist ein fast kompletter Spieler"

bundesliga.de: Träumen Sie davon, eines Tages wieder gemeinsam mit ihm aufzulaufen?

Raffael: Ich habe diesen Traum, ja. Vielleicht klappt das irgendwann in der Zukunft. Als Kinder haben wir in Fortaleza immer zusammen gespielt, auf der Straße und im Verein. Auch als ich in der Jugend bei Juventus Sao Paulo war, waren wir immer zusammen. Dass wir eines Tages beide in der Bundesliga sein würden, hatte damals natürlich niemand erwartet.

bundesliga.de: Und wenn sie mal gegeneinander angetreten sind, wer hat dann gewonnen?

Raffael: (lacht) Manchmal Ronny, manchmal ich. Das waren immer gute Duelle.

bundesliga.de: Wer ist heute der bessere Spieler?

Raffael: Ich sage immer Ronny. In meinen Augen ist er ein fast kompletter Spieler. Er ist unglaublich gut, er hat so viele Qualitäten.

bundesliga.de: Aber er sagt wahrscheinlich, dass Sie der bessere sind...

Raffael: (lacht) ...ja, wahrscheinlich ist das so.

bundesliga.de: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit bei Hertha? Die Fans hatten es Ihnen hoch angerechnet, dass Sie 2010 nach dem Abstieg mit in die 2. Bundesliga gegangen waren.

Raffael: Ich habe sehr viele Erinnerungen an diesen Verein und die vier Jahre dort, wir haben viel gemeinsam erlebt. Vor allem die extremen Momente haben sich eingeprägt: unser Aufstieg 2011 und die zwei Abstiege. Mich verbindet logischerweise viel mit dem Verein, ich verfolge ihn weiterhin sehr intensiv.

"Favre ist ein besonderer Mensch"

bundesliga.de: Nach kurzen Phasen bei Dynamo Kiew und dem FC Schalke 04 scheinen Sie in Mönchengladbach ein neues Zuhause gefunden zu haben.

Raffael: Ja, ich fühle mich sehr, sehr wohl hier, schon seit dem ersten Tag. Die Leute sind alle nett, wir haben super Fans und Gladbach ist eine gute Stadt. Hier passt wirklich alles.

bundesliga.de: Können Sie sich vorstellen, lange bei der Borussia zu bleiben?

Raffael: Ja, das ist mein Plan. Es gibt keinen Grund, den Verein zu wechseln.

bundesliga.de: Hatte Trainer Lucien Favre entscheidenden Anteil daran, dass Sie sich 2013 für Gladbach entschieden haben? Sie spielen jetzt schon im dritten Verein unter ihm.

Raffael: Absolut, er hat mich schnell überzeugt. Er hat in meiner Karriere eine sehr wichtige Rolle gespielt, mich 2005 aus der 2. Schweizer Liga zum FC Zürich geholt. Für mich ist er ein besonderer Trainer, ein besonderer Mensch, er ist sehr wichtig für mich. Wer weiß, wie meine Karriere ohne ihn Verlaufen wäre.

bundesliga.de: Ist er der beste Trainer, unter dem Sie bisher gearbeitet haben?

Raffael: Ganz sicher. Was er anpackt, macht er einfach gut. Ob Spiel oder Training, die Arbeit unter ihm macht jeden Tag aufs Neue Spaß, bei ihm wird es nie langweilig.

bundesliga.de: Auch die Bilanz spricht für ihn, Gladbach hat sich seit seiner Ankunft im Februar 2011 kontinuierlich verbessert. Ist die Mannschaft in diesem Jahr noch besser als letzte Saison?

Raffael: Ich denke schon, wir sind enorm stark in dieser Saison. Wir spielen noch besseren Fußball, was auch an den Neuen liegt. Die haben mich alle beeindruckt, vor allem Ibrahima Traore und Thorgan Hazard.

bundesliga.de: Beide sitzen trotzdem immer wieder auf der Bank. Haben sie das Zeug für die Stammelf?

Raffael: Ganz sicher. Beide sind intelligente Typen, sie spielen geradlinigen Fußball, mit denen es richtig Spaß macht zu kicken.

"Müssen gegen Hertha unbedingt gewinnen"

bundesliga.de: Nach 18 ungeschlagenen Spielen hat Gladbach in der Bundesliga zuletzt drei Mal verloren. Was lief schief?

Raffael: Wir hatten ein bisschen Pech in diesen Partien, das war sehr ärgerlich. In Dortmund haben wir schlecht gespielt, gegen Frankfurt und Wolfsburg waren wir aber gut, da hätten wir was holen sollen.

bundesliga.de: Trotz der namhaften Offensive hat die Borussia 2014/15 in der Bundesliga erst 16 Tore erzielt, auch Sie haben erst ein Mal getroffen.

Raffael: Das stimmt, aber wir haben immer unsere Chancen, das ist wichtig. Wir müssen so weitermachen, hart arbeiten, dann werden wir auch wieder häufiger treffen. Die Tore werden kommen, auch bei mir. In fast jedem Spiel hatte ich zwei, drei Chancen, irgendwann wird es wieder klappen.

bundesliga.de: Könnte man die geringe Torausbeute auch mit Gladbachs System begründen? Sie spielen ohne klassischen Stürmer, Sie und Max Kruse lassen sich oft fallen.

Raffael: Das glaube ich nicht, wir haben letzte Saison auch schon so gespielt, da hat das gut geklappt. Mir gefällt die Flexibilität, die unser System mit sich bringt.

bundesliga.de: Ist die Partie gegen Hertha richtungsweisend für den weiteren Saisonverlauf? Gladbachs Rückstand auf Platz 3 beträgt drei Punkte, der Vorsprung auf Platz 9 allerdings nur zwei.

Raffael: Das Spiel ist sehr wichtig, aber das Gleiche gilt für jede andere Partie. Wir müssen am Samstag gegen Hertha unbedingt gewinnen, die Mannschaften hinter uns haben ein bisschen aufgeholt.

bundesliga.de: Die Borussia steht auf Rang 5. Schaffen Sie die Qualifikation für die Champions League?

Raffael: Das kann ich noch nicht sagen, dafür ist die Saison noch zu lang und es kann so viel passieren. Wir müssen nur auf uns schauen und an jedem Spieltag versuchen zu punkten, dann haben wir alle Chancen.

bundesliga.de: Wen betrachten Sie als Hauptkonkurrenten im Wettkampf um die ersten vier Plätze?

Raffael: Bayern hat einen großen Vorsprung, aber ich denke, man kann in dieser Saison niemanden abschreiben. Platz 4 und 18 trennen gerade mal zehn Punkte, da hat selbst Borussia Dortmund als Letzter noch Chancen auf die Champions League.

bundesliga.de: Nach der Begegnung mit Hertha steht für Sie das nächste Highlight an: am Donnerstag kommt in der Europa League Ihr Ex-Verein Zürich nach Mönchengladbach.

Raffael: Ja, da kommen viele gute Erinnerungen hoch. Meine Zeit in Zürich war sehr erfolgreich, ich bin in den zwei Jahren zwei Mal Meister geworden und ich habe in der Schweiz noch viele Freunde.

bundesliga.de: Ein Unentschieden würde zum Erreichen der Zwischenrunde reichen gegen Zürich. Schielen Sie auf den Titel in der Europa League?

Raffael: Wir haben eine große Chance auf die nächste Runde, wir treten zu Hause an. Danach ist alles möglich, aber wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Bis zum Finale ist es ein weiter Weg.

Das Interview führte Felix Seaman-Höschele