München - Was Russland in der Qualifikation für die WM in Südafrika war, ist die Türkei nun auf dem beschwerlichen Weg durch die Gruppenphase in Richtung EURO 2012: der größte Konkurrent für die deutsche Nationalmannschaft im Kampf um den Gruppensieg.

"Wir haben eine sehr gute Mannschaft und sehr gute Einzelspieler. Das haben unsere letzten Ergebnisse bewiesen", gibt sich Frankfurts Stürmer Halil Altintop gegenüber bundesliga.de vor dem Duell der beiden Favoriten in der Gruppe A (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) zuversichtlich.

Doch auf welche Spieler müssen Khedira, Mertesacker und Co. aufpassen? Wer sind die Schlüsselspieler der Türken? bundesliga.de gibt einen Überblick.

Volkan Demirel

Volkan Demirel polarisierte noch bis vor kurzem die Massen. Das lag nicht so sehr an seinem Leben außerhalb des Platzes, sondern viel mehr an seinen Leistungen auf dem Rasen. Zwischen Welt- und Kreisklasse wandelte er auf einem schmalen Grat. Doch seit er mit der Miss Belgien von 2009, Zeynep Sever, zusammen ist und diese auch geheiratet hat, wirkt Demirel ruhiger. Auf der Linie ist er mit seinen tollen Reflexen eh ein Großer, jetzt handelt er auch überlegter, wenn er aus dem Tor muss. Aber: Ein ganz sicherer Rückhalt ist der 28-Jährige Keeper von Fenerbahce noch nicht. Mit einem Aussetzer ist immer mal zu rechnen. An den ersten beiden Spieltagen fehlte er verletzt.

Servet Cetin

Alleine schon durch sein Äußeres flößt Servet Cetin seinen Gegenspielern Furcht ein. Und die ist auch nicht unbegründet. Denn der Abwehrchef der türkischen Nationalmannschaft gilt wohl als einer der härtesten Zweikämpfer des Kontinents. Und mit 1,91 Meter Körperlänge hat er seine Vorzüge natürlich im Kopfballspiel - das zeigt er auch gerne in der Offensive. "Türkü Baba", wie er von den Fans genannt wird, ist aber nicht mehr der Schnellste. Gegen kleine, wendige Spieler sieht er meist nicht so gut aus. Cetin hat aber ein weiteres Problem. Seine Nebenmänner in der Innenverteidigung wechseln fast bei jedem Einsatz - eine perfekte Abstimmung ist so nur schwer möglich.

Hamit Altintop

Beim FC Bayern München müht sich Hamit Altintop derzeit vergeblich um einen Stammplatz. In der türkischen Nationalmannschaft ist er dagegen unumstritten - einer der Häuptlinge im Team von Trainer Guus Hiddink. Altintop ist vielseitig einsetzbar. Ob auf den Außen in der Viererkette oder rechts, links und zentral im Mittelfeld. Seine Übersicht und sein Spielverständnis sind exzellent. Scheine Schusstechnik eigentlich auch, nur hapert es mit dem Toreschießen. Als Schwäche wird ihm ausgelegt, dass er oftmals zu langsam umschaltet, die Abspiele kommen dann meistens ungenau oder er verliert schon vorher den Ball.

Emre Belözoglu

Emres Entwicklung ist zu vergleichen mit der von Bastian Schweinsteiger. Dribblings und technische Kabinettstückchen standen zu Beginn seiner Karriere an der Tagesordnung. Nach seinem Wechsel von Galatasaray zu Inter Mailand gerieten diese Fähigkeiten aber schon ein wenig in den Hintergrund - er ging durch die taktische Schule der Italiener. Auf der Insel bei Newcastle United lernte er dann Kampf und Einsatz. Als kompletter Spieler kehrte er zurück in die Türkei zu Fenerbahce, wo er - wie auch in der Nationalmannschaft - die Fäden im Mittelfeld zieht. Er scheut keinen Zweikampf, ist gefährlich bei Standards und verteilt geschickt die Bälle. Als Kapitän hat er das Sagen bei den Türken.

Tuncay Sanli

Rein nominell könnte Tuncay Sanli gegen Deutschland als einzige Spitze auflaufen. Aber von seinen Fähigkeiten ist der 28-Jährige ein klassischer Flügelstürmer. Diese Position bekleidet er auch bei Stoke City in der Premier League. Sanli ist extrem schnell, technisch versiert, mit Zug zum Tor und im Abschluss auch abgebrüht. Er ist hinter der "Legende" Hakan Sükür der Spieler mit den meisten Toren im Nationaltrikot. Bereits mit 20 Jahren debütierte Sanli für die "Milliler", wie das Team in der Türkei auch genannt wird. Seine Erfahrung dürfte den Ausschlag geben, dass Hiddink ihn gegenüber Nihat Kaveci und Semih Sentürk vorzieht.

Guus Hiddink

Hiddink ist erst seit wenigen Wochen im Amt. Und auf den ersten Blick hat er noch nicht großartig viel verändert. Er lässt das Team weiterhin mit einem 4-2-3-1 agieren. Mit einem kleinen Unterschied. Die taktische Marschroute ist ein bisschen defensiver ausgerichtet, als noch unter Fatih Terim. Doch das Ziel des Niederländers Hiddink, der zuvor auch schon die Nationalteams von Russland, Australien und den Niederlanden trainiert hat, ist klar: Er will eine klarere Struktur in das Spiel der Türken bringen. Partien wie das 3:2 gegen Belgien sind dem Perfektionisten ein Graus.


Michael Reis