München - Mit Wunschkandidat Jupp Heynckes auf Europas Fußball-Thron: Der 65-Jährige wird ab der kommenden Saison wie erwartet neuer Trainer von Bayern München und soll den deutschen Rekordmeister bei seinem dritten Engagement in München endlich wieder zum Gewinn der Champions League führen.

Am Freitag bestätigte der FC Bayern, dass Heynckes ab 1. Juli die Nachfolge von Louis van Gaal antreten wird. Heynckes, der bis zum Saisonende Coach bei Bayer Leverkusen bleibt, erhält einen Zwei-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2013.

Zum dritten Mal beim Rekordmeister

"Natürlich ist man als Bayern-Trainer gewissermaßen zum Erfolg verpflichtet. Ich sehe dabei aber eine reizvolle Aufgabe, der ich mich zusammen mit der Mannschaft in den kommenden zwei Spielzeiten gerne stellen möchte", sagte Heynckes. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: "Ich bin überzeugt, dass wir mit Jupp Heynckes eine erfolgreiche Zusammenarbeit haben werden."

Der erfahrene Coach war bereits zweimal beim FC Bayern als Cheftrainer tätig: Bei seiner ersten Amtszeit von 1987 bis Oktober 1991 holte er zwei Mal mit den Münchnern die Deutsche Meisterschaft (1989 und 1990) sowie den deutschen Supercup (1990). Bei seinem zweiten Mal Ende der Saison 2008/2009 sicherte er als Nachfolger von Jürgen Klinsmann die Teilnahme an der Champions League. Nun soll Heynckes wie 1998 als Coach von Real Madrid auch in München der ganz große Wurf gelingen: der Triumph in der "Königsklasse", auf den die Bayern seit 2001 sehnsüchtig warten.

Rummenigge: Heynckes war der Wunschkandidat

Pikanterweise spielt Heynckes am 30. Spieltag noch mit Leverkusen in München, womöglich um wichtige Punkte im Rennen um die Champions-League-Qualifikation. Bayers Sportdirektor Rudi Völler sieht darin kein Problem. "Jupp Heynckes wird alles dafür tun, dass wir unsere Ziele gemeinsam erreichen, das ist für mich und uns alle sonnenklar", sagte Völler: "Dieses Spiel gegen die Bayern am 17. April ist für uns noch Zukunftsmusik."

Am Freitagvormittag hatte Heynckes erste Vertragsverhandlungen am Donnerstag mit Rummenigge, Bayerns Finanz-Vorstand Karl Hopfner und Sportdirektor Christian Nerlinger bestätigt. Dann ging alles ganz schnell. Am frühen Nachmittag vermeldeten beide Seiten in einer Presseerklärung das, was ohnehin bereits seit Tagen als sicher galt.

"Ganz abgesehen von den guten persönlichen Beziehungen zu den Verantwortlichen des FC Bayern hat mir immer imponiert, wie professionell dieser Club geführt wird. Ich war bereits zwei Mal Trainer beim FC Bayern und habe dabei immer das Klima geschätzt, in dem dort gearbeitet wird", sagte Heynckes. Für Rummennigge ist er "unser Wunschkandidat. Wir sind sehr glücklich, dass wir mit ihm eine Einigung erzielen konnten."

Kaderplanung steht im Vordergrund

Heynckes hatte am vergangenen Montag verkündet, seinen Kontrakt in Leverkusen nicht verlängern zu wollen. Die Bayern hatten schon vor knapp zwei Wochen entschieden, die Zusammenarbeit mit dem Niederländer van Gaal am Saisonende vorzeitig zu beenden.

Wichtigste Aufgabe von Heynckes wird in den kommenden Wochen die Münchner Kaderplanung sein. Die Verträge von Thomas Kraft, Hamit Altintop, Andreas Ottl, Miroslav Klose und Jörg Butt laufen aus - bei allen ist die Zukunft offen. Auch bei Breno, Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento, Daniel van Buyten und Danijel Pranjic gab es zuletzt wiederholt Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von den Bayern.

Heynckes ist der erste Coach beim FC Bayern, der den Renommierclub dann bereits zum dritten Mal betreut. Doppelt beschäftigt waren bisher Ottmar Hitzfeld, Giovanni Trapattoni, Franz Beckenbauer und Udo Lattek. Insgesamt gab es beim FC Bayern seit dem Bundesliga-Aufstieg 1965 18 Trainer.