Doha - Normalerweise ist Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes kein Mann großer Worte. Doch gleich zum Start des Trainingslagers in Katar hat der 67-Jährige nach einer beeindruckenden Hinrunde mit einer wahren Lobeshymne auf sein Team aufhorchen lassen - und sich dabei auch selbst in den Mittelpunkt gestellt.

"Der FC Bayern hat in seiner Historie noch nie so einen modernen, attraktiven und zeitgemäßen Fußball gespielt. Der FC Bayern hatte immer große Mannschaften und Erfolge, aber für mich ist das von der Hingabe, der Disziplin, der Organisation und vom Spiel nach vorne außergewöhnlich", sagte Heynckes am Donnerstag im noblen Hotel Grand Heritage in Doha ungewohnt deutlich.

"Habe einen genauen Plan"



Ganz unbescheiden machte er in erster Linie seine eigene Arbeit für den Höhenflug in den vergangenen Monaten verantwortlich. "Das ist die Art, wie ich persönlich Fußball spielen lassen möchte. Als Trainer braucht man auch ein bisschen Zeit, um seine Ideen umzusetzen. Ich bin jetzt eineinhalb Jahre hier, man sieht, dass das Früchte trägt. Es gibt in der Liga nicht viele Mannschaften, die so arbeiten wie wir", sagte er.

Schon einmal in Fahrt, ließ der erfahrene Coach auf die Frage, ob er bis zum Saisonende einen Masterplan habe, eine Spitze gegen einige jüngere Kollegen los: "Das ist mir alles zu dramatisch. Das haben die Konzepttrainer, die Laptoptrainer, die gekommen und gegangen sind. Aber natürlich habe auch ich einen genauen Plan."

Wie der aussieht, wollte er nicht verraten. Auch seine Zukunft beim deutschen Rekordmeister ließ er weiterhin offen. "Haben sie ein bisschen Geduld", sagte Heynckes. Er will seine Entscheidung, ob er den im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern wird, weiterhin erst im März verkünden.

Die Bayern lechzen nach Erfolg



Dass dies beim souveränen Herbstmeister in den kommenden Wochen zu Unruhe führen könnte, glaubt er nicht. "Die Spieler lassen sich davon nicht beeinflussen, dass es noch ein bisschen einen Schwebezustand gibt", sagte Heynckes. Auch er selbst werde in seiner "Arbeitsweise nichts ändern".

Eine Tendenz ließ der erfahrene Coach nicht erkennen. Zum einen sei der Job "wahnsinnig intensiv und nicht immer so einfach. Wenn man seinen Beruf mit Leidenschaft, Hingabe ausfüllt, dann kostet das Substanz", sagte er, fügte dann aber auch an: "Bei allen ist es ganz wichtig, dass man mit Freude bei der Arbeit ist. Das ist bei mir so. Das hat mir im letzten halben Jahr großen Spaß gemacht." Auch die Aussage, dass er sich mit seiner Frau bereits über das Thema unterhalten habe, ließ Raum für Spekulationen.

Wesentlich klarer äußerte sich Heynckes indes zu den großen Ambitionen der Bayern, die nach zwei titellosen Jahren nach Erfolgen regelrecht lechzen. Dabei habe die Meisterschaft "Priorität", unterstrich der Coach: "Man spürt, dass das alle wollen, die Spieler haben einen unbändigen Hunger." DFB-Pokal (im Viertelfinale gegen Dortmund) und Champions League (Achtelfinale gegen FC Arsenal) lasse man auf sich zukommen, "obwohl ich auch da optimistisch sein kann".

Rückkehrer drängen ins Team



Seine Spieler seien am Mittwoch "hochmotiviert" nach Katar gekommen. "Die Mannschaft ist vereint und hat ein großes Ziel vor Augen. Der Teamgeist ist außergewöhnlich", sagte Heynckes. Dass dieser Zusammenhalt in der Rückrunde gefährdet werden könnte, wenn Spieler wie die lange verletzten Arjen Robben oder Luiz Gustavo, in die Mannschaft drängen, glaubt er nicht: "Da wird es keine Probleme geben. Wir haben sehr viele Spiele, ich werde das so gestalten, dass wir am Ende der Saison noch Substanz haben."

Um dafür die Grundlagen zu schaffen, bittet Heynckes seine Stars beim Aufenthalt im Wüstenstaat bis zum 9. Januar auf der Aspire Acadamy an zwei Tagen sogar drei Mal zum Training. Dann steht für Kapitän Philipp Lahm und Co. um 7:45 Uhr Ortszeit (5:45 Uhr MEZ) ein 45-minütiger Ausdauerlauf auf dem Programm, gefolgt von zwei Einheiten um 11 und 17:45 Uhr.

Die sommerlichen Bedingungen mit Temperaturen um die 25 Grad und die Verhältnisse auf dem weitläufigen Trainingsgelände nannte der Bayern-Coach optimal. "Das ist das Beste, was ich mitgemacht habe." Für die Spieler sei vor allem ein "Wohlfühlfaktor" gegeben: "Sie gehen von der Terrasse raus und stehen 50 Meter weiter auf dem Trainingsplatz."