Manchester - Die Frage hatte eigentlich wenig mit dem aktuellen sportlichen Geschehen zu tun. Ob er denn für die Einführung der Torkamera sei, wie es Fifa-Chef Josef Blatter in naher Zukunft in Aussicht stellt, wollte ein Medienvertreter von Bayerns Trainer Jupp Heynckes auf der Pressekonferenz vor der Partie der heimischen Citizens gegen die Münchner wissen.

"Aber auf jeden Fall. Die hätte schon viel früher kommen sollen. Am besten schon 1966", sagte Heynckes, in Anspielung auf das "Wembley-Tor", das England damals gegen Deutschland mehr oder minder zum Weltmeister machte. Damit hatte der 66-Jährige die Lacher aller Anwesenden in der "Worsley Suite" im noblen Marriott Worsley Park auf seiner Seite.

Angespannte Personalsituation

Zuvor beantwortete Heynckes eher konzentriert die Fragen, zum Beispiel zur angespannten Personalsituation bei den Bayern. Vor allem der erneute Ausfall von Superstar Arjen Robben war ein Thema. "Er ist natürlich enttäuscht. Und ich bin es auch. Ich hatte ihm schon vor dem Spiel gegen Bremen einen Platz in der Startelf garantiert, wenn er denn fit sein sollte. Und er hat auch sehr gut trainiert. Aber am Montag zeigten sich erste Grippesymptome gezeigt und heute Morgen haben die Blutwerte einen Einsatz nicht zugelassen", erklärte Heynckes.

Da neben Robben auch Toni Kroos mit einer Grippe in München geblieben ist und mit Mario Gomez sowie Thomas Müller zwei weitere Spieler erkältet angereist sind, könnte die Aufstellung der Bayern im Etihad Stadion überraschen. "Ich werde am Spieltag sehen, welcher Spieler mir zur Verfügung steht und werde danach meine erste Elf aufstellen. Es kann sehr gut sein, dass ich auf einigen Positionen Wechsel vornehmen muss", meinte Heynckes. Auf jeden Fall mit dabei sein werden Manuel Neuer und Jerome Boateng, die ohne große Aufregung ihre Fragerunde in der "Worsley Suite" absolvierten. Denn rein sportlich können die Bayern nicht mehr von Platz 1 in der Gruppe verdrängt werden. Aber das ist ja schließlich nicht alles.

"Es geht ums Prestige"

"Es geht vor allem ums Prestige. Wir wollen in Manchester bestehen und auch noch diese drei Punkte einfahren", erklärte Nationaltorwart Neuer. Und Boateng ergänzte: "Es tut vielleicht mal ganz gut, ohne Druck antreten zu können. So können wir für die wichtige Partie am Sonntag vielleicht besser Selbstvertrauen tanken." Für Neuer könnte ein Zu-Null-Spiel da einen großen Teil zu beitragen. In den vergangenen sechs Pflichtspielen musste er stolze neun Mal hinter sich greifen. "Für die Defensive ist es immer wichtig, dass die Null steht. Wir haben in der letzten Zeit einfach zu viele Gegentore bekommen. Deshalb wollen wir hier auch wieder auf die richtige Bahn zurückkehren", so Neuer.

Sollte es den Bayern gelingen, ohne Gegentor zu bleiben, wäre Manchester City definitiv raus aus der Champions League. Die Hausherren hoffen aber ein bisschen darauf, dass die Bayern nach der vorzeitigen Qualifikation die Zügel locker lassen. Dem schob Heynckes aber einen Riegel vor. "Ich habe in meiner Karriere weder als Spieler noch als Trainer Kalkulationen angestellt, wer wann wie weiterkommt. Deshalb spielt das alles in meinen Überlegungen keine Rolle. Meine Mannschaft wird wie immer einen seriösen Auftritt abliefern und alles anstellen, damit wir auch gewinnen." Nach dieser Aussage war einigen englischen Medienvertreter nicht mehr zum Lachen zumute.

Aus Manchester berichtet Michael Reis