München - Jupp Heynckes hat am Samstag erst mal gar nichts mitbekommen, was ihm größere Sorgen hätte bereiten können. Während Werder Bremen und Bayer Leverkusen in der 1. Runde des DFB-Pokals an Drittligist 1. FC Heidenheim und Zweitligist Dynamo Dresden scheiterten, lief bei ihm zwar der Fernseher - doch der Trainer von Bayern München interessierte sich nicht für die Bundesliga-Konkurrenz: Er sah sich eine DVD mit dem Zweitliga-Spiel von Eintracht Braunschweig bei Alemannia Aachen (2:0) an.

Das Ergebnis: "Wir haben einen nur in Anführungsstrichen kleinen Gegner gesehen", sagte Heynckes am Sonntag über den Münchner Erstrundengegner, den er und die Scouts der Bayern gleich mehrfach beobachtet und seziert haben.

"Auf keinen Fall unterschätzen"

Am Montagabend (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) wird der Rekordpokalsieger die Niedersachsen "auf keinen Fall unterschätzen", versichert er, eine zusätzliche Warnung aber wird er nach den Pleiten anderer Bundesligisten nicht aussprechen. "Wenn eine Mannschaft keine Automotivation im Pokal hat, ist man nicht auf dem richtigen Weg."

Geht es nach Philipp Lahm, muss sich Heynckes da gar keine Sorgen machen. "Braunschweig hat den Schwung des Aufstiegs mitgenommen, die dürfen wir nicht unterschätzen", sagte der Mannschaftskapitän.

Der Gegner wiederum gibt sich wie kaum anders zu erwarten sehr selbstbewusst. "Wenn man die Bayern schlagen kann, dann sicherlich am Anfang der Saison", sagte Eintracht-Torjäger Dennis Kruppke, und sein Stürmerkollege Dominick Kumbela ergänzte: "Wir haben den Vorteil, dass wir schon eingespielt sind. Die Bayern sind es nicht."

Sonderlob für Boateng

Heynckes räumt sogar gerne ein, dass für ihn und die Mannschaft auch gut eine Woche vor dem ersten Bundesligaspiel am Sonntagnachmittag zuhause gegen Borussia Mönchengladbach "noch einiges aufzuarbeiten ist."

Er redete freilich lieber über die positiven Entwicklungen, lobte Toni Kroos, der beim Audi Cup in Abwesenheit von Franck Ribery als zentrale Offensivkraft zu gefallen wusste. Und er lobt Jerome Boateng, der am Montag wohl von Beginn an spielen wird: "Präsent, schnell, kopfballstark - und er gibt schon Kommandos."

Respekt vor Braunschweig

Die Botschaft von Heynckes vor dem ersten Pflichtspiel der Saison lautet: Der FC Bayern befindet sich auf dem richtigen Weg, in jeder Beziehung. Gerade die Einstellung werde stimmen, suggeriert er, Braunschweig sei wie erwähnt eben kein "kleiner" Verein, habe einen Durchmarsch aus der 3. Liga hinter sich und seine ersten beiden Punktspiele in der 2. Bundesliga gegen 1860 München sowie in Aachen überzeugend gewonnen. Ja, wiederholte der Münchner Trainer, "dass im Pokal alles möglich ist, hat man gesehen. Aber ich bin zuversichtlich."

Diese Zuversicht strahlte Heynckes am Sonntag in der Tat aus, ohne dabei aber auch nur im Absatz überheblich zu wirken. Er vertraut seiner Mannschaft, auch das Fehlen von Ribery und Arjen Robben in Braunschweig soll sie nicht aus der Bahn werfen. Ein Nachteil sei das "natürlich" schon, bekannte er, aber auch ohne die Flügelzange müsse der FC Bayern in der Lage sein, in Braunschweig zu gewinnen, denn: "Wir müssen gut in die Saison starten."