München - Nur kurz ließ sich Jupp Heynckes von den auf ihn gerichteten Scheinwerfern im Presseraum an der Säbener Straße ärgen. Doch weder das blendende Licht noch die Fragen zu den Ausfällen seiner Außenverteidiger brachten den Trainer des FC Bayern am Freitag so richtig aus der Ruhe.

Viel lieber betonte Heynckes, dass ihm im eigenen Kader auf fast allen Positionen starke Alternativen zur Verfügung stehen und es in der Abwehrzentrale sogar ein Überangebot an Aufstellungsmöglichkeiten gibt.

Mit den deutschen Nationalspielern Holger Badstuber und Jerome Boateng sowie Neuzugang Dante und dem erfahrenen Daniel van Buyten hat Heynckes vier Optionen für die Abwehrmitte. Gerade im Vergleich zum Vorjahr verschafft diese Vielfalt dem deutschen Rekordmeister mehr Flexibiliät in seiner Hintermannschaft.

Dante hat gute Karten



"Vergangene Saison sind uns am Ende der langen Spielzeit die Innenverteidiger ausgegangen. Jetzt ist die Situation für uns komfortabler", sagte Heynckes und sieht den Konkurrenzkampf seiner Defensivspieler relativ gelassen. "Es ist ein offener Wettbewerb."

Auch wenn Heynckes jedem Spieler aus diesem Quartett die Chance einräumt, ab dem Stammkraft in der Innenverteidigung der Münchner zu werden, ist der Coach vor allem von seinen beiden Linksfüßern Dante und Badstuber sehr angetan.

"Dante ist ein Sportler, der höchst professionell lebt und arbeitet. Seine kompromisslose Spielweise imponiert mir sehr", sagte Heynckes und ergänzte: "Zudem beeindrucken mich seine Spieleröffnung und sein Kopfballspiel." Lobende Worte für den Brasilianer, der eigentlich mit Holger Badstuber um die linke Position in der Abwehrzentrale konkurriert. Doch Heynckes schließt nicht aus, dass beide gemeinsam auflaufen könnten, weil Badstuber bereits einen hohen Stellenwert bei seinem Trainer genießt.

"Boateng muss sich noch entwickeln"



"Jeder kennt meine Wertschätzung für Holger Badstuber. Er hat im Test gegen Kaiserslautern eine gute Leistung gezeigt und muss jetzt noch mehr Spielpraxis sammeln", so Heynckes.

Auf dem Betzenberg stand Badstuber zusammen mit Daniel van Buyten in der Anfangsformation. Der Belgier musste jedoch in der Halbzeit aufgrund einer Magen-Darm-Infektion vom Feld und wurde von Jerome Boateng ersetzt.

"Jerome Boateng sehe ich sehr positiv. Natürlich muss er sich aber noch weiter entwickeln", sagte Heynckes über den Nationalspieler, der auch auf der rechten Verteidigerposition zum Einsatz kommen könnte. Nämlich dann, wenn Philipp Lahm aufgrund der Ausfälle von David Alaba und Diego Contento wieder auf die Links wechseln müsste. Ein Plan, den der Cheftrainer aber nur sehr ungern verfolgen würde.

Can könnte sofort helfen



"Ich will vermeiden, dass Philipp Lahm wieder nach Links muss", sagt Heynckes. Dadurch darf sich zur Zeit Luiz Gustavo als Ersatzmann auf der linken Defensivseite ausprobieren. Der Brasilianer fehlt allerdings als Alternative auf seiner angestammten "Sechser"-Position. Doch auch für die dadurch neu enstehende "Problem-Zone" hat Heynckes mit Anatoliy Tymoshchuk und Emre Can zwei Möglichkeiten in der Hinterhand.

"Emre Can steckt noch mitten in seiner Entwicklung, trotzdem besitzt er die Fähigkeiten der Mannschaft schon jetzt zu helfen", lobte Heynckes den Youngster, dem er eigentlich lieber noch mehr Eingewöhnungszeit gönnen würde. Aus der Ruhe bringen wird aber auch dieser Umstand den Trainerfuchs Heynckes nicht so schnell.

Von der Säbener Straße berichtet Steffen Hoss