Zusammenfassung

  • Seit der Rückkehr von Jupp Heynckes feierte Bayern München sieben Siege in sieben Spielen

  • Ein Schlüssel dafür ist die deutlich bessere Abwehrarbeit unter dem Rückkehrer

  • Der Rekordmeister führt seit dem 8. Spieltag deutlich mehr Zweikämpfe und ist torgefährlicher

Köln – Blütenweiß ist die Weste des FC Bayern München, seit Jupp Heynckes den Trainerposten übernommen hat. In den vier Bundesliga-Partien holte der Rekordmeister vier Siege und kassierte nur ein einziges Gegentor, dazu kommen zwei Siege in der Champions League und einer im DFB-Pokal. Kurios: Die Statistiken haben sich im Vergleich zur Ancelotti-Ära kaum verändert.

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Wie unter seinem Vorgänger steht der FCB für dominanten Ballbesitzfußball mit hoher Passfrequenz. Unter Heynckes kommen die Bayern im Schnitt auf 63 Prozent Ballbesitz, genau wie auch unter Ancelotti und Interimscoach Sagnol bis zum 7. Spieltag. Auch die Passquote liegt weiterhin bei starken 89 Prozent, bei den direkten Duellen sind die "neuen" Bayern leicht besser (54 zu 53 Prozent). Auch taktisch vertraut der Trainer-Routinier auf eine altbekannte Formation: Ähnlich wie Ancelotti setzt er auf ein 4-3-3 mit einem Sechser und einem Achter.

Bayern defensiv deutlich stabiler

Doch die Veränderungen, die der 72-Jährige bei den Bayern vorgenommen hat, zeigen große Wirkung: Der Erfolg ist zurück an der Säbener Straße. Einen deutlichen Unterschied zwischen Heynckes und seinen Vorgängern gibt es vor allem bei der Torausbeute: In den ersten sieben Spielen der Saison schossen die Bayern noch 2,3 Tore pro Spiel, unter Heynckes waren es 2,8. Auch bei den Gegentoren gibt es eine Entwicklung unter dem neuen, alten Coach: Gab es unter Ancelotti/Sagnol im Schnitt noch ein Gegentor pro Spiel, waren es mit dem Trainer-Routinier zuletzt nur noch 0,3 (ein Gegentor in vier Bundesliga-Spielen).

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Die Defensive steht unter dem Rückkehrer also tendenziell sicherer. Das liegt an einer entscheidenden Personalie: Heynckes setzt im defensiven Mittelfeld auf Javi Martinez, der unter seinen Vorgängern eher in der Innenverteidigung spielen musste. Der Spanier ist mit seiner Spielintelligenz und seiner Zweikampfstärke der stabilisierende Faktor in der Bayern-Zentrale. Das macht sich auch in den Zahlen bemerkbar: Im Schnitt führte der FCB unter dem 72-Jährigen pro Spiel elf Zweikämpfe mehr (196) als in den sieben Saisonspielen zuvor (185).

Jupp Heynckes: "Mich kann nichts mehr umhauen"

Gerade die Entwicklung im Abwehrbereich liegt dem ehemaligen Nationalstürmer am Herzen: "Ein Hausbau beginnt ja auch mit dem Fundament, dann kommt der Keller", unterstrich der Routiner nach dem 3:1-Erfolg bei Borussia Dortmund seine Philosophie, die sich von Beginn seiner vierten Amtszeit beim Rekordmeister auszahlt.

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Auch aufgrund seiner menschlichen Qualitäten sind die Bayern wieder auf dem richtigen Weg: "Wichtig für den Club und die Spieler ist nur, dass er einen Ruhepol darstellt und unaufgeregt agiert. Ich merke das an mir. Ich habe über die Jahre viel gelernt und mich immer wieder hinterfragt. Mich kann jetzt nichts mehr umhauen. Auch wenn ich nach wie vor sehr ehrgeizig, fokussiert und perfektionistisch bin", sagte der 72-Jährige im Interview mit der „Welt am Sonntag“.

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Der Heynckes-Effekt – er ist nicht nur in der Tabelle und an den Ergebnissen abzulesen: Das Binnenklima im Münchener Ensemble hat sich dank des erfahrenen Trainers deutlich verbessert, wie Mats Hummels im "Bild am Sonntag"-Interview schildert: "Die Disziplin. Die klare Struktur, die er vorgibt. Das sind Sachen, die den Jungs sehr guttun. Und er hat definitiv einen neuen Teamgeist reingebracht", lobt der Nationalspieler seinen neuen Vorgesetzten in den höchsten Tönen. Dabei geht der Rückkehrer besonders in Sachen Kommunikation einen anderen Weg: "Das kommt bei vielen Spielern sehr gut an, wenn er klar sagt, das möchte ich sehen und das möchte ich eben nicht sehen. Er hat sich direkt am Anfang alle zur Seite genommen und das ausführlich besprochen", erklärt Hummels.